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UNION »Wir haben grüne Wurzeln«

Friedbert Pflüger, 52, ist CDU-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus und Mitglied des CDU-Präsidiums.
aus DER SPIEGEL 12/2007

SPIEGEL: Angesichts des Klimawandels entdeckt auch die Union das Ökothema. Wollen die Schwarzen jetzt ernsthaft grün werden?

Pflüger: Wir waren es, wir müssen es wieder werden. Angela Merkel nimmt sich des Themas Klimawandel als Kanzlerin und als Parteichefin mit Erfolg an. Wir haben die Ökologie allzu lange den Grünen überlassen. Dabei haben wir selbst grüne Wurzeln. Klaus Töpfer war ein hervorragender CDU-Umweltminister. Leider gab es bei uns Leute, die das Thema Ökologie für nebensächlich hielten.

SPIEGEL: Nicht nur das. Die Union hat die von Rot-Grün eingeführte Ökosteuer massiv bekämpft.

Pflüger: Wir fanden die Steuerbelastung insgesamt zu hoch. Wir haben damals kritisiert, dass Rot-Grün die Ökosteuer zum Stopfen von Haushaltslöchern und nicht zum Ausbau der regenerativen Energien benutzt hat. Das hat unsere Kampagne nicht differenziert genug verdeutlicht. Es war und ist richtig, die Arbeit zu entlasten, den Energieverbrauch aber zu verteuern.

SPIEGEL: Droht der Union nach der Debatte um eine moderne Familienpolitik beim Thema Ökologie die nächste Zerreißprobe?

Pflüger: Ich werbe dafür, unsere eigenen Parteitagsbeschlüsse neu zu entdecken. 1994 haben wir im Grundsatzprogramm von der ökologisch-sozialen Marktwirtschaft gesprochen. Helmut Kohl stellte eine Regierungserklärung unter das Motto »Die Schöpfung bewahren«. Das ist regelrecht verdrängt worden.

SPIEGEL: Hat die Entdeckung des Umweltthemas nicht eher parteitaktische Motive? Mit den Grünen als potentiellem Partner hätten Sie eine Machtoption mehr.

Pflüger: Ich werbe in der Union, aber auch bei den Grünen dafür, die gemeinsamen Schnittmengen zu suchen. Es ist Zeit, dass beide ihre langgepflegte Gegnerschaft aufgeben. Die Bewahrung der Schöpfung ist gleichermaßen Anliegen von Grünen und Konservativen.

SPIEGEL: Wann kommt das erste schwarz-grüne Bündnis?

Pflüger: In Berlin werbe ich für ein schwarz-gelb-grünes Bündnis. Das wäre allemal spannender als die rot-rote Langeweile unter Klaus Wowereit.

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