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KULTUR-TV »Wir haben nichts angefasst«

Der Entertainer und »ARD-Morgenmagazin«-Reporter Herbert Feuerstein, 64, über seine ungastliche Aufnahme bei den Bayreuther Festspielen
aus DER SPIEGEL 32/2001

SPIEGEL: Herr Feuerstein, für das »ARD-Morgenmagazin« besuchen Sie zurzeit diverse Festspielorte. In Bayreuth hat Ihnen der Leiter Wolfgang Wagner vergangenen Freitag die Drehgenehmigung fürs Festspielhaus verweigert ...

Feuerstein: Er meinte wohl, ich wäre der Weihestätte von Wagner nicht würdig. Dabei bin ich wahnsinnig würdig. Ich hatte extra für Bayreuth meine schönste Hose angezogen und war bereit, mich dem Tempel auf Knien zu nähern.

SPIEGEL: Familie Wagner fürchtete offenbar den Angriff der Spaßkultur.

Feuerstein: Ich ziehe nicht aus, um Schabernack zu treiben, sondern um meine Illusion zu befriedigen, Journalist zu sein. Für das »Morgenmagazin« bin ich allerdings mehr als Kulturtourist unterwegs, nicht als Musikkritiker.

SPIEGEL: Und deshalb haben Sie das Festspielhaus nur von außen gefilmt?

Feuerstein: Wir haben nichts angefasst und sind mit dem Grundbuchauszug in der Hand herumgeschlichen wie die Katze um den heißen Brei, um Wagners Hausrecht nicht zu verletzen.

SPIEGEL: Das klingt nach Ehrfurcht vor dem alten Herrn.

Feuerstein: Ich kann ihn gut verstehen. Wagner ist 81 und verkörpert 50 Jahre Festspielgeschichte - dann hat er auch das Recht, bis zum Umfallen seinen Platz zu verteidigen. Ich bin 64 und mache das schon jetzt.

SPIEGEL: Nächste Woche werden Sie die Salzburger Festspiele besuchen. Befürchten Sie dort ähnlichen Ärger?

Feuerstein: Nein. Die Macher in Salzburg haben so viel Ärger untereinander. Da bleibt für Fremde keiner mehr übrig.

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