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»Wir haben viel gelernt«

aus DER SPIEGEL 31/1979

FRAGE: Es ist doch nicht angenehm, zum Rücktritt aufgefordert zu werden, auch wenn man ein paar Tage später erfährt, daß der Rücktritt nicht angenommen wird. Warum hat, der Präsident das gesamte Kabinett dieser Prozedur unterzogen? Sie beschwor immerhin eine Krise herauf, der Dollar sank.

JORDAN: Der Präsident war aus Camp David mit dem Vorsatz zurückgekehrt, an der Präsidentschaft, in seinem Kabinett und in seinem Mitarbeiterstab einiges zu ändern. Wichtig für das amerikanische Volk ist, daß dieser Präsident ein Team von Männern und Frauen um sich hat, die stark, kompetent und loyal genug sind, diese Regierung und dieses Land zu führen. Deshalb haben wir die Änderungen vorgenommen, haben sie schnell vorgenommen ...

FRAGE: Die andere wichtige strukturelle Änderung, die der Präsident gemacht hat, war, Sie zum Stabschef zu ernennen. Sie haben in der Vergangenheit von sich selbst gesagt: »Ich bin kein Administrator, ich bin nicht gut im Detail.« Vorausgesetzt, der Präsident braucht einen Stabschef, aber warum gerade Sie?

JORDAN: Das ist eine gute Frage. Als wir nach Washington kamen, war der Präsident der Meinung, er brauche keinen Stabschef. Ich war auch dieser Meinung, oder aber, wenn er einen brauchen sollte, dann sei ich nicht die geeignete Person. Ich glaube, daß wir in den zweieinhalb Jahren in Washington sehr viel gelernt haben. Es gibt Sachen, die ich gut mache und solche, die ich nicht so gut mache. Ich habe nicht viel für Details übrig, aber es ist nicht erforderlich, daß ich Spaß an Details habe, damit ich ein guter Stabschef bin ...

FRAGE: Man erinnert sich an die Worte des Präsidenten. daß seine Kabinettsmitglieder ihre Ressorts leiten wurden und kein Mitglied seines Stabes eine dem Kabinett übergeordnete Position einnehmen werde. Dann aber kamen Sie und sagten dem Verkehrsminister Brock Adams, wen er aus seinem Ressort rauszuschmeißen habe. Wie konnte es dazu kommen?

JORDAN: Das stimmt nicht. Der Präsident hat erklärt, daß das Kabinett für ihn arbeitet, seinem Stab nicht Bericht erstatten muß. So ist es gewesen und so wird es bleiben. Der Präsident führt die Regierung. Meine Aufgabe ist es, bei der Führung des Weißen Hauses zu helfen. Zur Leitung des Weißen Hauses gehört es, in einigen Fällen im Namen des Präsidenten zu sprechen.

FRAGE: Aus dem Weißen Haus dringen nun Schlagworte zu uns wie »Mannschaftsgeist« und »Loyalität«; viele Leute meinen, dies wecke Erinnerungen an die Nixon-Ära, als jeder aufgrund seiner politischen Loyalität dem Mann im Oval off ice gegenüber beurteilt wurde.

JORDAN: Ich habe in den vergangenen Tagen häufiger gehört, Loyalität sei etwas Negatives. Loyalität und Kompetenz sind für den Erfolg einer Regierung notwendig. Der Präsident der Vereinigten Staaten kann in keiner Weise die großen Probleme anpacken, denen sich unser Land heute gegenübersieht, wenn er nicht eine Mannschaft von Männern und Frauen um sich hat, die kompetent und loyal sind ...

FRAGE: Sie sammeln derzeit Hunderte von Fragebogen, Beurteilungen leitender Beamter und einiger Mitglieder des Stabes im Weißen Haus. Was geschieht damit?

JORDAN: Ich kenne keine Firma und kein Football-Team oder auch nur eine Zeitungsredaktion, die nicht von Zeit zu Zeit ihre Geschäfte und die Leute beurteilen, die einen Großteil der Verantwortung tragen . . . Dieser Vorgang findet jetzt im Weißen Haus und in den einzelnen Ressorts statt. Wir meinen, daß es ein lohnendes Unterfangen ist, und es wird zukünftig in Abständen wiederholt werden.

FRAGE: Viele Menschen sorgen sich, daß das Manöver der vergangenen zwei Wochen die sogenannte Georgia-Mafia nur noch sicherer in den Sattel gesetzt hat ... Meinen Sie nicht, daß der Präsident zu sehr auf Georgia hört und daß er ein paar mehr Leute ins Weiße Haus holen sollte?

JORDAN: Ich glaube nicht, daß die Menschen aus Georgia in irgendeiner Weise besser oder schlechter sind als die aus jedem anderen Staat. Es ist nichts Ungewöhnliches für einen Präsidenten, Leute aus seinem Heimatstaat im Weißen Haus zu haben. Als Präsident Johnson im Weißen Haus war, gab es da Texaner. Als Präsident Kennedy im Weißen Haus war, waren da Leute aus Massachusetts.

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