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»Wir verweigern nichts«

aus DER SPIEGEL 42/1994

Hammadi, 53, einer der engsten Vertrauten Saddam Husseins, ist Minister für Kultur und Information.

SPIEGEL: Warum hat der Irak mit seinem Truppenaufmarsch eine neue Golfkrise heraufbeschworen?

Hammadi: Nicht wir sind es, die einen neuen Krieg vom Zaun brechen, sondern die Feinde des Irak.

SPIEGEL: Die USA und die Golfaraber hielten die Massierung der irakischen Armee an der Grenze zu Kuweit für das Fanal eines erneuten Einmarschs in Kuweit.

Hammadi: Jeder Sachverständige weiß, daß die Verlegung von zwei irakischen Divisionen in den Südteil unserer Republik weder für Kuweit noch für irgendeinen anderen unserer Nachbarn eine Bedrohung darstellt.

SPIEGEL: Wenn Zehntausende irakischer Elitesoldaten mit Panzern und Artillerie sich in Richtung Kuweit in Bewegung setzen, müssen die Kuweiter doch wieder Existenzangst haben. Warum ließ Bagdad denn die Panzer bis zur Kuweit-Grenze vorstoßen?

Hammadi: Derartige Truppenbewegungen sind völlig normal und haben auch vorher stattgefunden, ohne Aufsehen zu erregen. Außerdem handelt es sich keineswegs um ein neues Lager, sondern um einen alten Stützpunkt, der regelmäßig in unsere Manöverplanung einbezogen wird. Er liegt näher bei Basra als an der Grenze zu Kuweit.

SPIEGEL: Aber Sie wären doch in der Lage, das kleine Kuweit im Handumdrehen zu überrollen.

Hammadi: Wenn Ihnen Sandkastenspiele Spaß machen, bitte: Im Gegensatz zu 1990, als wir eine halbe Million Mann auf den Einsatz in Kuweit vorbereitet hatten, ging es bei den jüngsten Truppenmanövern im Süden um weit weniger als 100 000 Bewaffnete.

Hinzu kommt, daß der Irak südlich des 32. Breitengrads keine Flugzeuge einsetzen darf. Zu guter Letzt ist Kuweit nicht unvorbereitet. Amerikanische Truppen mit wirkungsvollen Waffensystemen können jederzeit eingesetzt werden, vom Schutzwall, den Kuweit für viel Geld bauen ließ, ganz zu schweigen.

SPIEGEL: Nach dem irakischen Truppenaufmarsch werden die einschneidenden Wirtschaftssanktionen gegen Ihr Land aber erst recht nicht gelockert.

Hammadi: Unser Öl wird bald wieder fließen. Die meisten arabischen Länder, selbst Iran, mit dem wir acht Jahre Krieg geführt hatten, aber auch Frankreich, das sich 1990 aktiv an der militärischen Allianz gegen den Irak beteiligt hatte, kritisieren die amerikanische Irak-Politik. Auch die Russen, die Chinesen, die Türken und viele andere verlangen die Aufhebung der unmenschlichen Sanktionen.

SPIEGEL: Solange der Irak die Auflagen der Vereinten Nationen nicht erfüllt, werden die Sanktionen weiterbestehen.

Hammadi: Wir verweigern der Uno nichts. Doch die Amerikaner stehen hinter der Kampagne, die darauf abzielt, im Irak eine Hungersnot auszulösen. Über eine Million Iraker sind bereits verhungert oder wegen des akuten Medikamentenmangels gestorben. Amerika hofft, auf diese Weise unhaltbare Zustände zu schaffen und die irakische Regierung zu stürzen.

SPIEGEL: Die Sanktionen könnten aufgehoben werden, wenn Bagdad den Staat Kuweit offiziell anerkennt.

Hammadi: Eine gegenstandslose Forderung - das haben wir doch schon getan. Wir sind lediglich nicht mit der Grenze einverstanden, die von den Amerikanern mit militärischer Gewalt gezogen wurde. Wir sind bereit, mit Kuweit über alles zu verhandeln, was einem gutnachbarlichen Verhältnis im Wege steht.

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