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»Wir werden die Macht nicht teilen«

aus DER SPIEGEL 31/1978

SPIEGEL: Sie haben Mitte Juli in Luanda den westlichen Friedensvorschlägen für Namibia zugestimmt. Wie stellen Sie sich die nähere Zukunft der Swapo vor?

NUJOMA: Wir werden den Kampf auf diplomatischer und politischer Ebene intensivieren.

SPIEGEL: Haben Sie denn nicht freiwillig zugestimmt? Wurden Sie von Ihren Freunden aus den Frontstaaten unter Druck gesetzt?

NUJOMA: Nun, wir haben natürlich lange debattiert. Es gab unterschiedliche Meinungen, besonders was den Rückzug der südafrikanischen Truppen aus Namibia anlangt.

SPIEGEL: Die Frage ist wohl inzwischen geklärt.

NUJOMA: Nein, wir verlangen. daß Südafrika alle seine Truppen bedingungslos aus Namibia abzieht. Der Westen muß dafür sorgen.

SPIEGEL: Im Vertrag von Luanda steht es anders.

NUJOMA: Alles ist eine Frage des Nehmens und Gebens.

SPIEGEL: Die Südafrikaner haben versprochen, sich zurückzuziehen.

NUJOMA: Ich glaube denen kein Wort. Die Südafrikaner haben überhaupt nichts versprochen.

SPIEGEL: Doch, sie haben Zugesagt, alle ihre Truppen bis auf 1500 Mann aus Namibia abzuziehen. Die 1500 Soldaten sollen nach Erlangung der Unabhängigkeit abziehen.

NUJOMA: Ach was. Sie fühlen nur unsere Stärke, deshalb geben sie nach. Sie fürchten unsere Kugeln. Ohne unsere Opfer hätten wir keine Zugeständnisse von ihnen erwarten können. Aber sie meinen trotzdem nicht, was sie sagen.

SPIEGEI.: Wenn die Südafrikaner sich nun doch zurückziehen, werden Sie dann zur Turnhallen-Konferenz* stoßen?

NUJOMA: Die Turnhalle ist eine Kreatur Südafrikas. Die Swapo hat nicht gekämpft, um Bestandteil des faschistischsten Regimes seit Hitler zu werden. Wollen Sie uns empfehlen, daran teilzunehmen?

SPIEGEL: Wir wollen nichts empfehlen, sondern nur wissen, ob die Swapo bereit ist, sich freien Wahlen zu stellen.

NUJOMA: Die Südafrikaner wollen aus Namibia nur eines ihrer Bantustans machen. Aber dafür kämpfen wir nicht. Wir werden den bewaffneten Kampf verstärken und die Faschisten aus Namibia hinauswerfen, ihre schwarzen Marionetten eingeschlossen.

SPIEGEL: Sie wollen also weiterhin Krieg und keine Wahlen?

NUJOMA: Egal, Kampf oder friedliche Machtübernahme.

SPIEGEL: Machtübernahme durch die Swapo?

NUJOMA: Ja, natürlich. Wir haben gekämpft. Uns steht die Macht zu. Und wir werden die Macht mit niemandem teilen.

SPIEGEL: Dann ist also das Abkommen von Luanda für Sie nichtig.

NUJOMA: Das ist Ihre Interpretation.

SPIEGEL: Wollen Sie Wahlen oder nicht?

NUJOMA: Sie interpretieren schon wieder.

SPIEGEL: Dann sagen Sie Ihre Interpretation.

NUJOMA: Wir werden mit der Waffe in der Hand bis zum endgültigen Sieg weiterkämpfen.

* In der Windhuker Turnhalle beraten seit drei Jahren gemäßigte Schwarzenführer und Weiße unter der Schirmherrschaft der Mandatsmacht Südafrika über die zukünftige Verfassung Namibias.

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