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»Wir werden fast alles tun«

aus DER SPIEGEL 40/1981

Südafrika zögert die Unabhängigkeit Namibias weiter hinaus -mit heimlicher Billigung der Amerikaner. Bei der Sitzung der fünf westlichen Außenminister, der sogenannten Namibia-Kontaktgruppe, darunter die Bundesrepublik, wurde Donnerstag letzter Woche in New York klar, daß sich das weiße Apartheid-Regime in Pretoria nach wie vor ziert, einen von der Uno seit Jahren geforderten bindenden Zeitrahmen anzuerkennen.

Die von Bonns Außenminister Hans-Dietrich Genscher letzte Woche vor der Uno erhobene Forderung, das ehemalige Deutsch-Südwest-Afrika müsse »noch 1982« unabhängig werden, bleibt ein frommer Wunsch. Pretoria will trotz verbaler Zugeständnisse an der illegalen Besetzung Namibias so lange festhalten, bis die weiße Minderheitsregierung am Kap hinreichend Zugeständnisse zur militärischen Absicherung ihrer Vorherrschaft im südlichen Afrika erhält.

Bei den Konservativen in der Reagan-Administration, die Südafrika durch vielfältige Geschäftsbeziehungen verbunden sind und den Apartheid-Staat für einen natürlichen Verbündeten des Westens halten, stoßen die Sicherheitsüberlegungen der Buren auf Verständnis.

In den letzten Monaten suchte Washington zudem, den westlichen Lösungsplan für Namibia der Verantwortung der Uno zu entziehen. Obgleich US-Außenminister Alexander Haig, unter dem Druck seiner vier Kollegen in der Namibia-Kontaktgruppe, letzte Woche zu gemeinsamem Vorgehen zurückfand, schließen Bonner Diplomaten Geheimabsprachen zwischen Amerikanern und Südafrikanern nicht aus. Die USA sollen politische Rückendeckung geben, damit Südafrika den wahrscheinlichen Wahlsieger in Namibia, die marxistisch orientierte »Südwestafrikanische Volksorganisation« Swapo, auch mit militärischen Mitteln hindern kann, Waffen über die Seehäfen oder über Angola zu importieren.

US-Namibia-Unterhändler Chester Crocker darüber, wie weit Washington zu gehen bereit ist: »Wir werden fast alles tun, um eine Machtübernahme der Swapo zu verhindern.«

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