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»Wir werden viele Russen töten«

SPIEGEL-Autor Wilhelm Bittoff über die Konfrontation der Supermächte in der Kuba-Krise 1962 (III) *
Von Wilhelm Bittorf
aus DER SPIEGEL 44/1987

Die Aufregungen des Jahres 1961 sind vorüber: die gescheiterte Schweinebucht-Invasion auf Kuba, mit der CIAdirigierte Contras den Revolutionsführer Fidel Castro stürzen wollten- das streitbare Wiener Gipfeltreffen zwischen dem jungen US-Präsidenten John F. Kennedy und seinem russisch-rustikalen Gegenpol, dem Kremlboß Nikita Chruschtschow; der Bau der Berliner Mauer; der Nervenkrieg sowjetischer und amerikanischer Panzer, die am Checkpoint Charlie mit ihren Kanonenrohren aus nächster Entfernung aufeinanderzielten.

1962 hat sich friedlicher angelassen. Der Nachkriegsboom erreicht immer neue Rekorde, Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrisen scheinen überwunden. Die Menschen in Amerika und Westeuropa finden sogar Zeit, sich zu fragen, warum sie bei all ihrem Wohlstand nicht glücklicher sind.

Marilyn Monroe, die wie eine glitzernde Inkarnation des neuen Lustprinzips erschien, stirbt Anfang August an Schlaftabletten. Auch Brigitte Bardot, Galliens giggelnde Antwort auf Hollywoods Blondine, leidet seelische Qualen und kommt zu Tode, als sie nachts von einem Hausdach in Spoleto in die Tiefe stürzt - allerdings nur in ihrem neuen Film »Privatleben«, der das Elend schildert, von unerfüllbaren Männerbegierden verfolgt zu sein.

Broadway-Erfolg der Saison ist Edward Albees Ehefehde »Wer hat Angst vor Virginia Woolf?«. Zimmerschlachten der Geschlechter, so sieht es aus, lösen die Supermacht-Querelen ab; denn Chruschtschow läßt die Berlin-Ultimaten, mit denen er die westliche Anerkennung der DDR forcieren wollte, tatenlos verstreichen, seit der Mauerbau den östlichen deutschen Teilstaat stabilisiert. Filmregisseur Billy Wilder macht sich in der Komödie »Eins, zwei, drei« über den Ost-West-Zwist in Berlin sogar schon lustig.

Doch die Ruhe im Spätsommer und Herbst 1962 trügt - aber nur die höchsten Geheimnisträger in Moskau wissen zunächst davon. Dann merken es die sowjetischen Soldaten und Techniker, die aus der Ukraine und Weißrußland abgezogen und am Schwarzen Meer mit ihrem Gerät auf Handelsschiffe verfrachtet werden. Nach ungewohnter Seereise an Gibraltar und den Bahamas vorbei finden sie sich unter den Palmen und Zedern der Insel Kuba wieder, von bärtigen Einheimischen, den »Fidelistas«, und hungrigen Moskitos lebhaft begrüßt.

Am 16. Oktober morgens erfährt auch der Präsident der Vereinigten Staaten was da geschieht. Sein Geheimdienst meldet ihm, daß sowjetische Techniker und Soldaten auf Castros Kuba, nur 150 Kilometer vor der Südspitze Floridas, Stellungen für 40 atomare Mittelstreckenraketen vom Typ SS-4 bauen - Raketen mit einer Reichweite bis über Washington hinaus. Flugzeit bis zur amerikanischen Hauptstadt: zwölf Minuten.

John Fitzgerald Kennedy, der 45jährige Präsident, und der acht Jahre jüngere Robert Kennedy, Justizminister im Kabinett seines Bruders und dessen engster Vertrauter, sind vom ersten Augenblick an entschlossen, russische Raketenbasen so dicht vor den sakrosankten Gestaden ihres Landes nicht zu dulden - ganz gleich, welche Motive Chruschtschow zu dieser unerwarteten Kühnheit getrieben haben mochten.

Der Präsident und sein Bruder wissen, daß die US-Armee die erste war, die eine solche vorgeschobene Raketenstationierung vorgenommen hat: Seit 1958 _(In Spezial-Druckanzügen für Flüge in ) _(Höhen von mehr als 12000 Meter. )

hat sie in der Türkei in unmittelbarer Nähe der sowjetischen Grenze Atomgeschosse aufgestellt, die mit entsprechend kurzer Flugzeit Moskau erreichen können. Sie wissen auch, daß das Pentagon eine überwältigende Überlegenheit gegenüber der UdSSR bei den strategischen Nuklearwaffen errüstet hat. Und sie vermuten, Chruschtschows heimlicher Raketensprung nach Kuba könnte ein desperater Versuch sein, Amerikas Übergewicht zu kontern.

Wie auch immer: Kennedy, sein Bruder, seine Berater im Weißen Haus sehen keine andere Wahl, als die bedrohlichen Projektile auf Kuba umgehend zu beseitigen. Denn die amerikanischen Wähler, das Militär und der Kongreß würden eher einen Atomkrieg riskieren als hinnehmen, daß Kubaner und Russen die Vorherrschaft der USA in der Neuen Welt atomar herausfordern.

Die Todesschleudern in Amerikas karibischem Hausteich zu tolerieren würde zudem das Prestige, ja die globale Machtstellung der Vereinigten Staaten gefährden. Denn die atomaren Garantien, die Washington so großzügig an seine überseeischen Verbündeten verteilt hat - was wären sie noch wert, wenn Amerika zuläßt, daß Chruschtschow ihm die nukleare Pistole am Golf von Mexiko in den Unterleib schiebt? Welcher Deutsche wäre dann noch so töricht zu glauben, der Präsident würde einen Angriff auf West-Berlin mit Atomwaffen ahnden?

Unauffällig hat der Präsident einen inoffiziellen Beraterkreis im Weißen Haus zusammenrufen lassen, sobald er von der Entdeckung der entstehenden Raketenbasen erfährt. Noch am 16. Oktober beschließt Kennedy, diese Entdeckung gegenüber dem Rest der Menschheit außerhalb des Beraterkreises vorerst geheimzuhalten. Auch die Sowjets - gerade sie - sollen nicht wissen, daß der US-Präsident weiß, was sie im üppigen Grün der Zuckerinsel treiben.

JFK will Zeit gewinnen, »zwei oder drei Tage«, wie er hofft. Er will gründlich erörtert wissen, welche Handlungsmöglichkeiten zu welchen Konsequenzen führen, ehe er sich zu einer Entscheidung durchringt. Erst wenn klar ist, wie er die Raketen zu beseitigen gedenkt, will er seinen Mitbürgern und der Weltöffentlichkeit diese Bedrohung enthüllen. Damit zumal seine Landsleute nicht hysterisch werden, sollen sie das Problem erst erfahren, wenn er die Lösung kennt.

Aber der Präsident kann an der Suche nach einer Lösung vorübergehend nicht mehr teilnehmen, und ginge es auch um Sein oder Nichtsein. Denn für den Endspurt des Kongreßwahlkampfs hat er den hart kämpfenden Parteifreunden in Connecticut für Mittwoch, den 17. Oktober seinen Beistand zugesagt. Die Blitztournee abzublasen hieße das Geheimnis preisgeben, das die Krise noch gnädig umhüllt. _____« Die Verfechter eines Luftangriffs (auf die » _____« sowjetischen Raketenbasen auf Kuba) schreckten nicht vor » _____« der Tatsache zurück, daß dann ein militärischer » _____« Gegenschlag der Sowjets wahrscheinlich sei. » _____« »Wie würde die sowjetische Reaktion aussehen?«, wurde » _____« ein Berater gefragt, der diesen Kurs befürwortete. » _____« »Ich kenne die Sowjets ziemlich gut«, erwiderte er. » _____« »Ich denke, sie werden im Gegenzug unsere Raketenbasen in » _____« der Türkei zerschlagen.« » _____« »Was tun wir dann?« » _____« »Nach unserem Nato-Vertrag wären wir verpflichtet, » _____« dann eine Basis in der Sowjet-Union zu zerschlagen.« » _____« »Was werden die Sowjets daraufhin tun?« » _____« »Dann hoffen wir, daß alle Beteiligten zur Besinnung » _____« kommen und willens sind, miteinander zu reden.« » _____« Ein kalter Hauch schien sich im Konferenzsaal » _____« auszubreiten, während er sprach. »

Ted Sorensen aus Nebraska, der ergebene Sonderassistent und Redenentwerfer JFKs, damals 34 Jahre alt, hält diesen Dialog am zweiten Tag der Krise fest, als der Beraterkreis ohne den wahlkämpfenden Präsidenten konferiert. Wie schon am ersten Tag herrscht die Meinung vor, die Sowjetraketen seien nur durch einen blutigen Gewaltstreich aus der Welt zu schaffen .

15 ständige Mitglieder hat Kennedy in den Kreis berufen, den es vorher so noch gar nicht gab. Er firmiert als »Exekutivausschuß des Nationalen Sicherheitsrats« ("Executive Committee«, kurz »ExComm") und umfaßt zunächst die wichtigsten Vertreter des »Security Council": Vizepräsident Lyndon B. Johnson (der aber nur sporadisch und ungewohnt wortkarg an den Sitzungen teilnimmt); Außenminister Dean Rusk (auch er meist in Routinegeschäften abwesend) und Verteidigungsminister Robert McNamara mit ihren Stellvertretern; CIA-Chef John McCone und General Maxwell Taylor, Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs, als einziger Soldat (während dem Plenum des Sicherheitsrats alle vier Stabschefs angehören); McGeorge Bundy, Kennedys Sicherheitsberater.

Besonderen Wert legt JFK darauf, daß Leute mitwirken, die nicht auf den Bunkergeist des Kalten Kriegs eingeschworen sind. Deshalb hat der Präsident das ExComm bereichert um Ted Sorensen und Robert Kennedy, den Justizminister, den Schauminister Douglas Dillon, einen einflußreichen Wall-Street-Mann; den Rußlandkenner Llewellyn Thompson, genannt »Tommy«, einen geselligen Ranchersohn aus Colorado, der bis vor kurzem Botschafter in Moskau war und besseren Kontakt zu Nikita Chruschtschow hatte als jeder andere westliche Diplomat. »The Best and the Brightest« (die Besten und Hellsten) nennt David Anton Halberstam später die Köpfe, die JFK sich holt.

Um weniger exponiert zu sein als im Weißen Haus, hat die Männerrunde sich in den »Denktank« im 7. Stock des Außenministerium-Neubaus an der 23. Straße zurückgezogen. Es ist der im Hilton-Hotel-Stil möblierte Konferenzraum des Außenminister-Stellvertreters George Ball - der Raum, in dem beim Sitzungsmarathon des ExComm das Bild von den kriegerischen »Falken« ("hawks") und den moderaten »Tauben« ("doves") geboren wird.

Ball, der eine stämmige Gestalt, eine scharfe Zunge und gar nichts Gurrendes an sich hat, wird zur originären Taube. Als erster und von Anfang an, schreibt er in seinen Memoiren, »opponierte ich gegen einen Luftangriff, nicht nur, weil dabei mehrere tausend Menschen getötet würden, sondern weil es ein unumkehrbarer Schritt wäre, der eine ebenso gewaltsame sowjetische Reaktion auslösen könnte«.

Kremlkenner Tommy Thompson ist derselben Meinung. Einen Angriff auf die Raketenstellungen, bei dem russische Soldaten ihr Leben lassen müßten, könne Chruschtschow nicht ohne Vergeltung hinnehmen - die Demütigung wäre zu groß. Er werde wahrscheinlich gegen die vorgeschobenen

US-Raketen in der Türkei zurückschlagen, weil er das als angemessene »Parallele« zu einem Angriff auf Kuba betrachte. Gibt es dann auch tote Amerikaner, drohe die Konfrontation außer Kontrolle zu geraten.

Trotz dieser Gefahr, die sie gar nicht leugnet, beharrt die große Mehrheit der ExComm-Mitglieder auf dem Luftangriff. Denn diese Männer sehen sich unter einem brutalen Handlungszwang, der ihnen Rücksicht auf die Konsequenzen kaum zu gestatten scheint. Für sie geht es vor allem anderen darum zu verhindern, daß die Raketen auf Kuba einsatzbereit werden.

Noch sind sie es nicht. Doch nach den Schätzungen der Luftbild-Auswerter bleiben nur wenige Tage Zeit, bis die ersten SS-4 und ihre Startvorrichtungen von den Raketenkanonieren so weit montiert sind, daß sie abgeschossen werden könnten.

Dann hätte Nikita Chruschtschow sein Hasardspiel gewonnen; denn auch die unverzagtesten Luftkrieger glauben, daß ein Schlag gegen abschußfertige Atomraketen zu gefährlich wäre. Ted Sorensen notiert: _____« Chruschtschow könnte befehlen, daß die zur Zeit » _____« unseres Angriffs einsatzbereiten Raketen ihre nuklearen » _____« Salven in die Vereinigten Staaten feuern, ehe sie selbst » _____« vernichtet werden. Oder... der örtliche Sowjetkommandeur » _____« (auf Kuba) könnte, wenn der Angriff beginnt, den Abschuß » _____« der Raketen befehlen in der Annahme, daß der Krieg » _____« ausgebrochen ist. »

Um so energischer dringen die Falken darauf, die Stellungen zu zerbomben, ehe sie aktionsbereit sind. Sonst müsse man fürchten, die Russengeschosse nie mehr - oder nur gegen schmerzliche Konzessionen - von der Türschwelle Amerikas fortzubekommen.

Doch der martialische Drang, das anstößige Arsenal auf Castros Insel mit Waffengewalt zu beseitigen, stößt auf eine noch vertracktere Vorbedingung. Der Luftangriff muß, um erfolgreich zu sein, »alle Vorteile der Überraschung haben« (General Taylor). Er muß wie ein Blitz aus blauem Himmel ohne jede Vorwarnung auf seine Opfer herniederschmettern. Denn werden sie gewarnt, dann können die Russen mit ihren Raketen, so Taylor, »auf der Stelle unter Bäumen und im Wald Unterschlupf finden und von der Bildfläche verschwinden«. Und versteckte Raketen kann kein Kampfflieger vernichten.

Zudem bestehen die Militärs darauf zusammen mit den SS-4 auch die sowjetische Flugabwehr und die kubanische Luftwaffe kampfunfähig zu machen. Der Gegner soll außerstande sein, von der Insel aus den geringsten Gegenschlag gegen US-Territorium zu führen - oder auch nur gegen den US-Marinestützpunkt Guantanamo am östlichen Zipfel Kubas, über den die Sternenbanner-Navy nach wie vor verfügt.

Robert Kennedy, zurückgelehnt in seinem Stuhl, ein Knie gegen die Kante des langen Tisches im »Denktank« gestützt, hat lange Zeit nur zugehört. Ihn verblüfft, wie abstrakt und phantasielos die blutigen Pläne um ihn herum diskutiert werden. Er, Vater von sieben Kindern, versucht sich dagegen vorzustellen, welche Verheerung der umfassende Schlag, den die Stabschefs fordern, anrichten und wie viele Tote und Verstümmelte er auch in der kubanischen Zivilbevölkerung hinterlassen würde.

Ein ohne Warnung und Kriegserklärung geführter Überraschungsangriff mit solchen Opfern, erklärt Robert Kennedy, sei »ein Pearl Harbor mit umgekehrtem Vorzeichen«, sei eine Untat, durch die sich Amerika auf eine Stufe stelle mit den japanischen Aggressoren, die im Dezember 1941 die US-Pazifikflotte überfielen. »Mein Bruder«, sagt Bobby trotzig, »hat nicht die Absicht, zum Tojo der sechziger Jahre zu werden.« (General Hideki Tojo war der japanische Premierminister und Oberbefehlshaber im Zweiten Weltkrieg.)

Weiter kommt er nicht; denn die führenden Falken, von diesen Worten aufs heftigste gereizt, erheben Protest - allen voran der hochgewachsene, ladestockgerade alte Herr, der an diesem Tag auf Bitten des Präsidenten an der ExComm-Runde teilnimmt. Alle im Raum, Bobby eingeschlossen, haben die größte Hochachtung vor dem 69jährigen Ostküsten-Aristokraten, der an der Nachkriegsordnung der westlichen Welt mehr als jeder andere Zeitgenosse mitgewirkt hat: Dean Gooderham Acheson, Außenminister bis 1953, den sie »Vater der Nato« und »Architekt der Allianz« nennen.

Wie der Prinzipal einer vornehmen Internatsschule einem mißratenen Schüler wäscht Acheson dem Präsidentenbruder den struppigen Kopf. Der Vergleich mit Pearl Harbor sei »durch und durch falsch und beleidigend«, außerdem »albern«. Die Russen seien, wie die anderen Europäer, schon vor 140 Jahren gewarnt worden, sich in die amerikanische Hemisphäre nicht mehr einzumischen,

gewarnt seit 1823 durch den US-Präsidenten James Monroe, dessen Nichteinmischungsforderung später zur »Monroe-Doktrin«, zum höchsten Glaubensartikel der Washingtoner Außenpolitik erhoben wurde.

Schon deshalb habe Chruschtschow wissen müssen, daß sein kubanisches Komplott sich an einem amerikanischen Heiligtum versündigt. Vor allem aber habe Präsident Kennedy Moskau mehrmals davor gewarnt, andere als rein defensive, nichtnukleare Waffen nach Kuba zu verschiffen. Und erst zwei Wochen zuvor, am 4. Oktober, habe der Kongreß den Präsidenten durch eine Resolution ermächtigt, »durch jedes notwendige Mittel, einschließlich Waffengewalt, die Schaffung einer die Sicherheit der Vereinigten Staaten bedrohenden Militärbasis auf Kuba zu verhindern«.

Acheson macht nach diesem Zitat eine effektvolle Pause, ehe er dem vorlauten Bobby seinen Schlußsatz um die Ohren schlägt: »Wie viele Warnungen«, fragt er rhetorisch-ätzend, »sind notwendig, um das Stigma eines ,Pearl Harbor mit umgekehrtem Vorzeichen'' zu vermeiden?«

Der Präsidentenbruder und mit ihm die ganze gemäßigte Richtung scheinen geschlagen. Und doch kommt nun Hilfe aus einem unwahrscheinlichen Ort - dem Pentagon. Sie kommt in Gestalt eines herausfordernd selbstsicheren Zivilisten, sein Kennzeichen ist der mit festgeklebten dünnen Haaren verzierte lange Schädel, der vor lauter Problemlösungsenergie zu summen scheint wie ein Dynamo. Robert Kennedy nennt ihn später den »wertvollsten Staatsdiener« des Präsidenten. Es ist Robert McNamara, der Verteidigungsminister.

Eine Wand des hohen, fensterlosen Raums war ganz mit einer Landkarte von Osteuropa, der Sowjet-Union und China bedeckt. Davor stand in seiner blauen Uniform der General Thomas Power, Befehlshaber des Strategischen Luftkommandos (SAC) der U.S. Air Force. Er schickte sich an, dem Neuling aus Washington im unterirdischen SAC-Befehlsstand bei Omaha am Missouri den gültigen Atomkriegsplan des Luftkommandos darzulegen.

Power tat es nur widerwillig. Er haßte es, Zivilisten in die nukleare Kriegführung einzuweihen. Er haßte es, wie sie immer bleicher wurden und dann mit Ihren Bedenken anfingen, ihren moralischen Bauchschmerzen. Bei der ersten Anfrage des Neulings, der nun vor ihm saß, hatte der General es abgelehnt, Vortrag zu halten über das Staatsgeheimnis mit dem Namen »Single Integrated Operational Plan«, kurz »SIOP«. Aber was konnte Power machen? Der Neuling hieß McNamara und war als Verteidigungsminister der Regierung Kennedy der Vorgesetzte des Generals.

Große Klarsichtfolien mit zahlreichen Markierungen wurden nacheinander über die Wandkarte gerollt, um den Ablauf des Operationsplans SIOP im Falle eines Krieges mit der Sowjet-Union zu demonstrieren. Die erste Folie zeigte die Lage der russischen Militärbasen und Atomwaffen-Depots, die von der ersten Welle der SAC-Bomber und den in Europa stationierten Raketen pulverisiert werden sollten. Die zweite Folie zeigte mit vielen kleinen Punkten die sowjetischen Städte, die für die zweite Angriffswelle auserkoren waren.

Nicht weniger als 2500 militärische und »industrielle« (also städtisch-zivile) Ziele sollten mit Atom- und Wasserstoffbomben vernichtet werden - gleichbedeutend mit der Ausrottung der Sowjetvölker. Man rechne mit bis zu 150 Millionen Toten in der UdSSR, erläuterte General Power auf McNamaras beunruhigte Nachfrage.

Der Kernphysiker Herbert York, der den Pentagon-Chef nach Omaha begleitete bemerkte McNamaras »verstörten Gesichtsausdruck« am Ende des Briefings.

Denn in Omaha habe der neue Verteidigungsminister zum erstenmal, so York, »dem Thema Nuklearkrieg in den Rachen geblickt«.

Bis JFK ihn ins Pentagon holte, hatte McNamara als Präsident der Ford Motor Company zwar mit der Erfindung zu tun, die in Friedenszeiten die größte Zahl von Menschen gewaltsam vom Leben in den Tod befördert. Aber die Ausmerzungsdimensionen, in denen das SAC plante, hatte er sich so nicht vorstellen können. Als der Hellste unter den »best and brightest« lernte er jedoch rasch und wurde zu dem Mann, der das Militär kritischer sah und den Militärs verhaßter war als irgendein Pentagon-Boß vor oder nach ihm.

Robert McNamara versuchte schon Präsident Kennedy insgeheim klarzumachen, was er seit dem Streit um die Nachrüstung öffentlich verfocht: Die Vereinigten Staaten dürften unter keinen Umständen als erste Atomwaffen einsetzen - was immer man den Verbündeten in Europa atomar versprechen mochte, um sie bei Laune zu halten.

McNamara erkannte auch schon vor der Kuba-Krise, wie gefährlich das Ungleichgewicht zwischen den strategischen Arsenalen Amerikas und der Sowjet-Union war. Aber trotz der amerikanischen Überrüstung mußte er Ende 1961 noch zusätzlich ein Riesenprogramm für nicht weniger als 1000 Minuteman-Interkontinentalraketen auflegen - mußte es aus innenpolitischen Gründen; denn es ging darum, der Rüstungsindustrie Aufträge zu verschaffen und den Rechten im Land zu beweisen, daß die Regierung Kennedy nicht »soft on Communism« ist und Nikita Chruschtschow keineswegs in kuschelweiche Pampers packt.

SAC-Kommandeur Power und Luftwaffen-Stabschef Curtis LeMay aber wollten noch mehr. Sie dachten an 10000 Raketen und verlangten einen neuen Bomber. McNamara legte sich quer. Er hatte begriffen, daß den Fliegergeneralen die Vision vorschwebte die Sowjet-Union durch einen schrecklichen Erstschlag zu paralysieren und zu jeder Gegenwehr unfähig zu machen. Sie wollten den Atomkrieg beginnen und gewinnen können. McNamara warnte Präsident Kennedy in einem Memorandum vor den Absichten der Militärs: »Es ist mir klargeworden, daß die Vorschläge der Air Force auf dem Ziel beruhen, eine Erstschlagsfähigkeit zu erreichen.« Und wenn dies dem Pentagon-Minister klar war, mußten dann die Männer im Kreml nicht erst recht davon überzeugt sein, daß die Air Force das Sowjetreich mit oder ohne Wissen des Präsidenten einer tödlichen Bedrohung aussetzte? Mußten nicht die Sowjetführer, je bedrohter sie sich fühlen, um so mehr zu halsbrecherischen Gegenaktionen tendieren?

So ist es gekommen: Die Russen haben Atomraketen nach Kuba geschmuggelt, die Dean Acheson, noch waghalsiger, mit Bomben kaputtschlagen möchte. Doch Robert McNamara, Administrator der gewaltigsten Streitmacht der Geschichte, ist dagegen. Er lehnt nicht nur die Angriffspläne seiner Stabschefs ab. Er betrachtet jeden Gedanken, Amerikaner mutwillig auf Russen schießen zu lassen, als den höchsten Grad von Verrücktheit .

Aber McNamara hält seine Meinung zunächst zurück und bemüht sich wie es seine Pflicht ist, die Ansichten der Stabschefs dem ExComm objektiv darzutun. Gleichwohl versucht er von Anfang an die Fixierung der Runde auf den Luftangriff zu lösen.

Immer wieder erwähnt er, man könne auch eine andere Militäraktion gegen die Sowjets auf Kuba unternehmen, bei der nicht gleich geschossen zu werden brauche - eine Seeblockade rund um Castros Insel. Und nach Achesons Auftritt besteht der Pentagon-Boß darauf, daß die Beraterrunde dem Präsidenten einen Luftangriff nicht empfehlen könne, ohne zuvor die Vor- und Nachteile einer Blockade gründlich zu analysieren.

Blockade hieße nach McNamaras Konzept: Washington verhängt ein Embargo gegen »nukleare Offensivwaffen«. Die US-Marine stoppt alle Schiffe mit Kurs auf Kuba, sowjetische wie nichtsowjetische, prüft die Ladung und zwingt alle zur Umkehr, die unerwünschte Fracht an Bord haben.

Niemand sonst kann an den ersten beiden Beratungstagen damit etwas anfangen, auch die Tauben nicht. Die Falken erklären, eine Blockade unterbinde zwar den Transport weiterer Atomgeschosse nach Kuba, könne aber nichts gegen das Hauptproblem ausrichten: »Wie bekommen wir die Raketen wieder weg, die schon auf der Insel sind?« Eine Blockade lasse den Sowjets im Gegenteil Zeit, ihre SS-4 mit Zielrichtung Washington, Atlanta oder Miami einsatzbereit zu machen.

Doch die Hartnäckigkeit der Falken drängt alle gemäßigteren Geister des ExComm zu der Alternative »Blockade«. Sie erscheint ihnen als die am wenigsten riskante Militäraktion - und eine Militäraktion muß sein, schon um der Wählerstimmen willen. Zu diesem Schluß ist auch George Ball gekommen, der die Raketen auf Kuba wie McNamara gar nicht als militärisches Problem ansieht, sondern als innenpolitisches: Es komme darauf an, den Wählern zu imponieren, nicht nur den Russen.

Dritter Beratungstag, Donnerstag, 18. Oktober. In Balls Denktank bilden _(Während des zweiten Weltkrieges im ) _(Südpazifik. )

sich zwei Teams. Von Sandwich-Stapeln und Kaffee gestärkt, entwerfen sie Szenarios für die beiden Hauptoptionen: Welche Geschehensabläufe können sich nach einem Luftangriff ergeben, welche bei einer Blockade?

Es bestätigt sich, daß bei einem Angriff vom Bersten der ersten Bomben an völlig ungewiß erscheint, was dann geschieht. Von Südkorea bis Berlin müßten sich die Vereinigten Staaten auf gewaltsame sowjetische Reaktionen vorbereiten an Punkten, an denen die Sowjets ähnlich im Vorteil sind wie die Amerikaner in der Karibik.

Doch die Falken gehen noch weiter: Sie möchten am liebsten ganz mit dem Kommunismus in der Karibik aufräumen. Sie erwarten zuversichtlich, daß

eine amerikanische Invasion der Insel möglich und notwendig wird - mit erst recht nicht abschätzbaren Opfern und Konsequenzen.

Neben diesem Sprung in einen dunklen Schlund sieht die Blockade immer besser aus, je länger das ExComm sie ernsthaft diskutiert. »Die Blockade«, schreibt George Ball in seinen Memoiren, »hatte den unvergleichlichen Vorzug, den Russen Zeit zum Einlenken zu geben, ehe wir einen unwiderruflichen Akt vollzogen hatten.«

Die Blockade soll nicht nur weitere Raketen stoppen. Sie soll die Sowjets auch veranlassen, ihre SS-4 auf Kuba zu demontieren und abzuziehen. Erst wenn sie das zusagen, soll die Seesperre wieder aufgehoben werden. Tun sie es nicht, sieht das Szenario, das die Gemäßigten entwerfen, eine schrittweise Erweiterung der Blockade erst auf Erdöl, dann auf fast alle übrigen Güter vor. Nur Lebensmittel sollen bis zuletzt passieren dürfen. Vermag auch das die Kremlführung nicht zum Abzug der Raketen zu überreden, kann der Präsident immer noch zu der Gewalt greifen, mit der die Falken gleich losschlagen wollen.

»Die Stimmung verschiebt sich ... in Richtung Blockade«, registriert Ted Sorensen. Nach 21 Uhr am Donnerstagabend trifft die Beraterrunde im Weißen Haus wieder mit dem Präsidenten zusammen, den Bobby auf dem laufenden gehalten hat. JFK läßt sich die ausgearbeitete Blockade-Option erläutern und nimmt zur Kenntnis, daß eine knappe Mehrheit der ExComm-Mitglieder dazu neigt, ihm diesen Kurs zu empfehlen.

Aber die Wende ist das noch nicht.

Freitagmorgen, 19. Oktober, 9 Uhr. In der vollen Pracht ihrer Uniformen und Ordensspangen betreten die Vereinigten Stabschefs der US-Streitkräfte das

»Ovale Büro« im Westflügel des Weißen Hauses und melden sich bei ihrem obersten Kriegsherrn, dem »Commander-in-Chief« John F. Kennedy.

Neben dem Vorsitzenden der Chiefs Armeegeneral Taylor, sind das der bullige Air Force Chief of Staff, Curtis Le-May; der Marine-Operationschef, Admiral George Anderson; der Army Chief Earl Wheeler und David Shoup, »Commandant« des Marinekorps, das wie eine eigene Teilstreitmacht behandelt wird. (Doch der Ledernacken erweist sich als der am wenigsten kriegerische Chief und sagt mitfühlend zu seinem Oberbefehlshaber: »Sie sind in einer ziemlichen Klemme, Mr. President.")

Von Taylor und Dean Acheson über die Flaumacher-Tendenzen im ExComm unterrichtet, haben die alarmierten Chiefs beantragt, dem Präsidenten ihre Auffassung persönlich vorzutragen.

Das Wort führt Air Force Chief Le-May, weit und breit der am offenherzigsten militante »Messinghut« (wie die Amerikaner ihre hohen Offiziere nennen). Von 1948 an hat er das Strategische Luftkommando zu einer gewaltigen Bomberflotte ausgebaut und die Angriffspläne für die »massive Vergeltung« ausgearbeitet. LeMays 1950 verkündete Losung: »Gebt mir mehr Bomben, gebt mir größere Bomben - dann geh mir aus dem Weg, Moskau!«

Mit tiefer, rumpelnder Stimme erklärte der Luftwaffen-Chef seinem Kriegsherrn Kennedy »die Schönheiten eines Luftschlags gegen Kuba«, wie es Arthur Schlesinger bissig umschreibt. Auf die Luftoffensive, drängt LeMay, müsse eine Invasion der Insel im großen Maßstab folgen; denn nur mit einer Invasion könne man nicht nur die Raketen, sondern auch die Kommunisten auf Kuba beseitigen. Dies müsse Amerikas eigentliches Ziel sein.

»Ich weiß, die Zeit wird kommen, da werden wir bereuen, daß wir die Kommunisten aus Kuba hätten herausbekommen können, aber die Gelegenheit verpaßten.« So hat LeMay später im Pentagon das Argument wiedergegeben, mit dem er den Präsidenten zu gewinnen versucht.

JFK stößt seinen rechten Zeigefinger in Richtung LeMay und hält dem General ungeduldig entgegen, daß die Sowjetführer bei einem Angriff, der viele tausend Russen treffe, zu einem schweren militärischen Gegenschlag genötigt seien - »genau wie wir jetzt etwas tun müssen«.

Aber daß die Russen gegen amerikanische Militäranlagen an ihrer Peripherie oder gar gegen West-Berlin zurückschlagen, gerade dies glaubt LeMay

nicht. Nein, behauptet er, die Russen seien zu klug, um Revanche zu üben.

»Die Sowjets sind rationale Leute«, sagt der Air Force Chief zum Präsidenten. Deshalb müßten die Sowjets klar erkennen, daß die Vereinigten Staaten sowohl die taktische Überlegenheit im Raum Kuba als auch eine überwältigende nuklearstrategische Überlegenheit gegenüber der UdSSR besitzen. Jede denkbare Eskalation müsse ihnen äußerst unbekömmlich erscheinen, weil sie auf jeder weiteren Eskalationsstufe eine schlimmere Niederlage zu erwarten hätten.

Aus diesem Grund, folgert LeMay, werde es eine militärische Reaktion Moskaus auf eine noch so harte US-Intervention gegen Kuba nicht geben.

Die Abschreckung, an die der Fliegergeneral so einfältig glaubt, setzt in der Tat einen allzeit und unerschütterlich rationalen Gegner voraus. Damit steht sie und fällt sie. Aber wie kann LeMay garantieren, daß die Sowjetführung bei einem irrationalen Überfall der Amerikaner auf ihre russischen Landsleute auf Kuba rational bleibt?

JFK zügelt sich und vermeidet offenen Streit mit seinen hohen Militärs. Er weiß sie könnten ihm durch ihr Ansehen im Kongreß und in der Öffentlichkeit schwer schaden. Doch als die Chiefs gegangen sind, wird der Präsident vor seinen Vertrauten ,einfach cholerisch« (Roswell Gilpatric) ist er »außer sich« und »angewidert« (Ted Sorensen). Zu seinem persönlichen Referenten Kenneth O''Donnell sagt er sarkastisch: »Diese Messinghüte haben einen großen Vorteil auf ihrer Seite. Wenn wir tun, was sie wollen, ist danach keiner von uns mehr am Leben, um ihnen zu sagen, daß sie sich geirrt haben.«

Doch die Entscheidung zwischen Seeblockade und Luftangriff, die in der Nacht zuvor schon gefallen schien, ist trotzdem wieder offen. Auch Kennedys Sicherheitsberater, McGeorge Bundy hat wieder Zweifel am Blockadekurs bekommen und befürwortet nun einen auf die Raketenstellungen begrenzten Luftangriff als »entschiedene Aktion, die den Vorteil der Überraschung nutzt und die Welt vor eine vollendete Tatsache stellt«. Den Tod russischer Soldaten in den Stellungen hält er inzwischen für weniger gravierend als die Gefahr, daß eine langwierige Blockade den Sowjets die Zeit gibt, alle ihre Raketen einsatzbereit zu machen.

Der Zeitdruck steigt schon jetzt enorm. Erstmals fragen Journalisten an diesem Freitagmorgen nach den Truppenbewegungen und Militärflügen im Südosten der USA. Aber JFK, »ungeduldig und deprimiert« (Sorensen), muß wieder hinaus in den Kongreßwahlkampf, nach Cleveland und Chicago. Zugleich möchte er schon »am Sonntag, wenn möglich« gegen die Raketen zur Tat schreiten, ohne noch zu wissen wie.

Ehe er das Weiße Haus verläßt, um im Hubschrauber zu seinem wartenden Jet zu knattern, wendet der Präsident sich noch einmal hilfesuchend an seinen Bruder und Ted Sorensen. Er zähle darauf, bekniet er sie, daß sie es schaffen die Berater im ExComm rasch zu einer Übereinstimmung zu bringen - »sonst würden Verzögerung und Dissens seine Entscheidung, wie immer sie aussieht, von vornherein belasten« (Sorensen).

Daß der Präsident, wie sie selbst, nicht zu einem Blutbad neigt - erst recht nach seinem morgendlichen Rencontre mit den Stabschefs -. daran haben Robert Kennedy und Ted Sorensen wenig Zweifel. Aber wie sollen sie, die beiden Jüngsten im ExComm, rasch eine Übereinstimmung mit den Falken erreichen, die von Dean Acheson angefeuert werden? Welche Chance haben sie gegen den Altstaatsmann und die Monroe-Doktrin?

Denn als düstere Präsenz ist Acheson am Freitagmittag wieder dabei, als die abgespannten Männer des ExComm sich von neuem in George Balls Denktank versammeln. Und ehe die Tauben sich versehen, bläst der Architekt der Nato zum Sturm. Sogar im trockenen Protokoll der Sitzung liest sich das noch nervenaufreibend genug: _____« Mr. Acheson sagte, daß ... wir auf eine Kraftprobe » _____« unseres Willens (gegenüber Chruschtschow) gestellt » _____« werden, und je früher wir zu einem Showdown kommen, desto » _____« besser. Er trat dafür ein, die Raketenbasen durch einen » _____« entschiedenen Schlag aus der Luft auszuputzen ... » _____« Minister Dillon sagte, er stimme zu, daß es einen » _____« schnellen Luftschlag geben solle. Mr. McCone (CIA) war » _____« derselben Meinung. General Taylor sagte ... es hieße » _____« jetzt oder nie für einen Luftangriff. Er trat für einen » _____« Angriff ein. Wenn er am Sonntagmorgen stattfinden solle, » _____« müsse die Entscheidung auf der Stelle getroffen werden. » _____« Für einen Angriff am Montagmorgen müsse man bis morgen » _____« eine Entscheidung erreichen. Eine Frist von 48 Stunden » _____« sei erforderlich... »

Plötzlich sieht es aus, als würden die Gewaltverfechter sich im Handstreich durchsetzen. Doch Robert Kennedy begehrt auf. Der Not gehorchend und »mit einigem Zittern und Zagen«, wie er später schreibt, hat er beschlossen, sich von der herrischen Autorität des 32 Jahre älteren Acheson nicht mehr einschüchtern zu lassen.

Mit einem verlegenen Lächeln beginnt der kleine Bruder zu sprechen, steigert sich aber wie ein Zuhörer erinnert, zu »einer intensiven, doch ruhigen Leidenschaftlichkeit«. Er glaube, sagt Bobby, es würde »sehr, sehr schwer für den Präsidenten«, wenn das ExComm ihm einen Überraschungsangriff aus der Luft empfehle .

Er wolle die Gültigkeit der militärischen und politischen Argumente für einen solchen Angriff gar nicht in Zweifel ziehen, auch den Vergleich mit Pearl Harbor nicht weiter strapazieren. Aber wie man es auch betrachte, niemand komme um die Tatsache herum, daß es sich um »einen Überraschungsangriff einer sehr großen Nation gegen eine sehr

kleine« handele: »Tausende von Kubanern und viele Russen würden ohne jede Vorwarnung getötet.«

Noch nie habe ein amerikanischer Präsident einen solchen Überfall befohlen oder gutgeheißen, mahnt Bobby und schaut Acheson an. »Amerikas Geschichte und Traditionen würden eine solche Handlungsweise nicht erlauben.« Und dann die Sätze, die sich den Zuhörern ins Gedächtnis graben: »175 Jahre lang sind wir kein solches Land gewesen, das andere Nationen aus dem Hinterhalt attackiert. Ein Angriff aus dem Hinterhalt gehört nicht zu unseren Überlieferungen.« Die Vereinigten Staaten dürften so etwas nicht tun, »wenn wir unser moralisches Ansehen zu Hause und rund um den Globus aufrechterhalten wollen« .

Robert Kennedys Appell, rhetorisch ein Meisterstück, macht in der Denktank-Runde den größten Eindruck, wenngleich sein Wahrheitsgehalt anfechtbar ist - war die Schweinebucht-Invasion im Vorjahr kein Überfall, waren die Bombenwürfe der CIA-Piloten kein Angriff aus dem Hinterhalt?

Aber als romantischer Patriot hat Bobby seinen Zuhörern geschickt das unbefleckte Wunschbild vorgehalten, das sie von ihrem Land im Herzen tragen -und dieser Vision von Edelmut und Anstand können auch die Besten und Hellsten nicht widerstehen. Ihr einen Makel zuzufügen erscheint ihnen nun undenkbar. »Ein Angriff aus dem Hinterhalt gehört nicht zu unseren Überlieferungen (a sneak attack is not in our traditions)« - gegen diesen genial unverschämten Spruch ist auch der hartgesottene Machtpolitiker Acheson machtlos. Seine Gefolgsleute verlassen ihn.

»Während (Bobby) sprach, empfand ich, daß ich an einem Wendepunkt der Geschichte war«, erinnert sich Schatzminister Douglas Dillon, bis dahin beharrlicher Verfechter des Überraschungsschlags. »Wie Bob Kennedy sprach, war vollkommen überzeugend für mich. Da wußte ich, daß wir keinen Angriff ohne Warnung unternehmen sollten... Mit nur ein oder zwei möglichen Ausnahmen wurden alle Mitglieder des ExComm von Bobs Argument überzeugt.« Da jedoch ein Angriff mit Vorwarnung, wie erörtert von den Militärs verworfen wird erleidet der ganze Angriffsgedanke eine Schlappe, von der er sich nicht mehr erholen wird.

Dean Acheson, der dies spürt, erklärt verdrossen, er sei jetzt wohl kaum mehr von Nutzen, und läßt sich auf seinen Ruhesitz, eine Farm in Maryland, zurückchauffieren. Schon am Vortag mußte er bei einem Gespräch mit JFK zu seinem Schmerz erkennen, daß auch der Präsident bereits von den subversiven Vorstellungen seines kleinen Bruders infiziert war. Auch JFK fragte Acheson nämlich, ob ein Überraschungsangriff nicht auf ein umgekehrtes Pearl Harbor hinauslaufe. Woraufhin der Architekt der Nato sich genötigt sah, dem Oberhaupt der freien Welt eine Rüge zu erteilen: »Mr. President, es ist Ihrer unwürdig, so zu sprechen.«

Nach Mitternacht in der Nacht zum Samstag, 20. Oktober, ruft Robert Kennedy den Präsidenten im Blackstone-Sheraton Hotel in Chicago an, um ihm zu melden, das ExComm habe bis Samstagmittag alle Grundlagen für eine Entscheidung erarbeitet. Ted Sorensen sitze schon am Entwurf der Rede, mit der JFK die Sowjetraketen enthüllt, das Moskauer Täuschungsmanöver bloßstellt; ein Atomwaffen-Embargo über Kuba verhängt; und den Abzug der Raketen verlangt.

Aber auch die militärischen Vorbereitungen für das Bombardement und die Invasion Kubas laufen weiter für den Fall, daß der Präsident sich für eine dieser Optionen entscheidet. Pflichtschuldig läßt Pentagon-Minister McNamara vier weitere Kampfgeschwader nach Florida verlegen, obwohl er ihren Einsatz für verhängnisvoll hält.

Am Samstagmorgen läßt JFK seinen Pressesprecher Pierre Salinger kundgeben, der Präsident habe sich eine Erkältung zugezogen und müsse seinen Wahlkampfeinsatz deshalb vorzeitig abbrechen. Um 13.40 Uhr landet sein Hubschrauber beim Weißen Haus. JFK geht direkt in die Schwimmhalle im Keller, um sich wie stets um diese Tageszeit im Pool zu entspannen. Bruder Bobby hockt sich an den Beckenrand.

Sie reden über den Meinungswandel im ExComm. JFK spielt auf sein Rencontre mit den Stabschefs vom Vortag an und meint, man dürfe den Soldaten eigentlich nicht übelnehmen, daß sie andauernd kämpfen wollten. Das sei ihr Beruf, und der komme die Nation teuer genug zu stehen. Generäle, die das Feuer scheuen, verfehlten erst recht ihren Zweck. Man müsse nur dem Urteil der Militärs gründlich mißtrauen und sie in jeder Lage unter Kontrolle behalten.

Um 14.30 Uhr trifft sich der Präsident mit dem ExComm zu der Konferenz, bei der die Entscheidung fallen soll.

Der älteste Kennedy-Bruder Joseph kam 1944 beim Fliegereinsatz gegen eine deutsche Raketenstellung ums Leben. Der englische Mann der Kennedy-Schwester Kathleen fiel an der Invasionsfront in Frankreich. John F. Kennedy selbst schrammte knapp am Tod vorbei, als das von ihm befehligte Schnellboot

PT 109 bei den Salomon-Inseln im Pazifik von einem japanischen Zerstörer gerammt und zum Kentern gebracht wurde.

Schwer verletzt rettete sich Leutnant Kennedy mit den Überlebenden seiner Mannschaft an Land und schlug sich mit ihnen durch japanisch besetztes Gebiet zu den eigenen Truppen durch. Er bekam zwei Tapferkeitsmedaillen und galt fortan als »war hero«. Aber er hatte den Krieg als Opfer, nicht als Sieger kennengelernt, und die nie mehr ausgeheilte Rückgratverletzung, die ihm oft schwer erträgliche Schmerzen bereitete, erinnerte ihn ständig daran.

»Fröhlich, gewinnend, respektlos, gut aussehend und aller Mühsal entrückt« nannte einer seiner Professoren, Kenneth Galbraith, den Studenten und Millionärssohn Kennedy. Doch der sorglose junge Mann war historisch interessiert und nachdenklicher, als es schien. Schon als 20jähriger belegte er an der Harvard University ein Seminar über die Ursachen des Weltkriegs 1914/18.

Damals bereits, erzählte er später, sei ihm klargeworden, »wie schnell sogar relativ unbeteiligte Länder in wenigen Tagen in den Krieg hineingeraten sind«. Die Staatsführer vor 1914 hätten wie die heutigen darauf gebaut, daß militärische Stärke den Frieden bewahre. »Aber Stärke allein hat nicht genügt.«

Europas Sturz in den Abgrund, herbeigeführt durch die Fehlspekulationen vor allem der deutschen Führung und durch den Druck der Militärs, blieb als Warnung in Kennedys Bewußtsein lebendig - wohl auch, wenn er mit seinen eigenen »Messinghüten« verhandelte. Und gerade rechtzeitig zur Kuba-Krise erneuerte die Historikerin Barbara Tuchman diese Warnung mit ihrem 1962 publizierten Buch über den Kriegsausbruch von 1914, »The Guns of August« (deutscher Titel: »August 1914"). JFK las es und empfahl es seinem Stab.

Als die Krise begann, brachte er Tuchmans »Kanonen« rasch in einen Kontext mit den Raketen des Oktober. Auch ein zweites Menetekel nahm er sich zu Herzen - einen fiktiven Bericht darüber, wie durch Mißverständnisse, Pannen und einen paranoiden Air-Force-Offizier der Atomkrieg ausbricht, weil der US-Präsident und der Kremlboß die Herrschaft über ihre Vernichtungsmaschinerien verloren haben. Unter dem Titel »Fail - Safe« erschien diese Story von Eugene Burdick und Harvey Wheeler kurz vor der Krise und erkletterte rasch die Sellerliste .

»Ein Lieblingswort Kennedys seit den frühesten Tagen meiner Verbindung zu ihm war ''miscalculation'' (Fehlkalkulation)«, berichtet sein Vertrauter Ted Sorensen. Im Weißen Haus ist JFKs Einsicht in die herausragende historische Rolle von »miscalculations« zu der lapidaren Erkenntnis gereift: »Alle Kriege fangen aus Dummheit an.«

Um das bestätigt zu finden, braucht er nur an seine eigenen Fehleinschätzungen bei der Schweinebucht-Invasion vom Vorjahr zu denken. Oder daran, wie provozierend die US-Raketenbasis in der Türkei und sein 1000-Raketen-Produktionsprogramm auf die hinterherhinkenden Sowjets wirken muß.

So tritt denn ein, gemessen an der Selbstgerechtigkeit Achesons, geradezu grüblerisch selbstkritischer Präsident vor seine Berater, die sich auf seinen

Wunsch in dem mit Segelschiffsmodellen dekorierten »Oval Room« im Obergeschoß des Weißen Hauses (nicht zu verwechseln mit dem »Oval Office«, dem Präsidentenbüro im flachen Westflügel) versammelt haben. Von dem Südbalkon vor dem eckenlosen Zimmer aus geht der Blick über den Potomac-Fluß hinweg zu dem Hügel, auf dem die kalkweißen Grabstein-Reihen des Soldatenfriedhofs Arlington im klaren Herbstlicht leuchten.

Militärminister contra Militär: Dieser exotische und zunehmend schroffe Gegensatz zwischen Robert McNamara, der Taube im Pentagon, und den Messinghüten beherrscht die Diskussion. Mit all seiner Emphase verficht McNamara vor dem Präsidenten jetzt die Blockade-Option. Sie sei, erklärt er laut Sitzungsprotokoll, »die einzige Art von militärischer Aktion, die mit unserer Position als Führer der freien Welt vereinbar ist«.

Der von den Stabschefs geplante Luftangriff, so McNamara, erfordere mindestens 800 Feindflüge. »Ein solcher Schlag hätte den Tod von mehreren tausend Russen zur Folge.« Der Wehrminister bezweifelt, daß Moskau dies hinnehmen würde, »ohne zu einer sehr harten Reaktion Zuflucht zu nehmen«. Schlagen sie zurück, wo auch immer, »verlören die USA die Herrschaft über die Situation, die zum allgemeinen Krieg eskalieren könnte«.

Dagegen hat General Taylor als Sprecher der Chiefs nach wie vor nur eine Hauptsorge, die der Protokollführer resümiert: _____« Es sei höchste Zeit zu handeln, weil dies unsere » _____« letzte Chance sei, die Raketen zu zerstören. Wenn wir » _____« jetzt nicht handelten, würden die Raketen auf eine Weise » _____« getarnt, die es uns unmöglich macht, sie zu finden. »

Die Russen, unterlegen wie sie sind, haben auch für Taylor rational zu sein und stillzuhalten, haben jedenfalls die Finger von ernstlichen Gegenschlägen zu lassen. Der General versteigt sich sogar zu der Bemerkung, es bestehe selbst dann kein Grund zu der »Furcht, daß nukleare Waffen gegen uns eingesetzt würden, wenn wir auf Kuba nukleare Waffen benutzten«.

Maxwell Taylors Vabanquespieler-Chuzpe ist indes kaum geeignet, dem Luftangriff neue Freunde zu gewinnen. Tatsächlich sind, wie sich zeigt, in der Beraterrunde nur noch zwei Leute für die Überraschungsattacke - Taylor und Sicherheitsberater McGeorge Bundy. Von Robert Kennedy kommt ein Einwurf, der die Hardliner versöhnlich stimmen soll: Mit der Blockade anzufangen, meint er, bedeute ja nicht, den Angriff ein für allemal aufzugeben. Er müsse im

Gegenteil als Eskalationsmöglichkeit zur Verfügung bleiben für den Fall, daß die Sowjets die Forderung des Präsidenten nach Abzug der Raketen ignorieren und weiter daran arbeiten, ihre Todesschleudern startklar zu machen.

Der Präsident klopft mit dem Zeigefingernagel an seine Zähne, bei ihm ein Zeichen großer innerer Anspannung. Dann sagt er, der Angriff erscheine ihm als ein »stumpfer Gegenstand« ("blunt object"), den man dem Gegner unversehens über den Schädel haue. Damit könne man ihn leicht zur Raserei, aber schwerlich zur Besinnung bringen. Die Vereinigten Staaten dürften Chruschtschow nicht vor die Entscheidung stellen, eine demütigende Niederlage und den Tod seiner Landsleute tatenlos einzustecken oder blutige Rache zu nehmen, die den nuklearen Holocaust heraufbeschwören könne ("humiliation or holocaust").

John F. Kennedy möchte seinen Kontrahenten im Kreml Zeit zu ruhiger Überlegung geben. Zeit und mehr Spielraum als nur die Wahl zwischen Unterwerfung und Krieg. Er glaubt, daß der Gegner einen Ausweg findet, der dessen Stolz nicht unerträglich kränkt. Er findet, eine Blockade sei die »am wenigsten anfechtbare« Methode, Amerikas Entschlossenheit zu demonstrieren. Aber er nimmt sich noch Bedenkzeit bis zum nächsten Tag Sonntag, ehe er seine Entscheidung für endgültig erklärt.

Nach der Konferenz steht der Präsident mit seinen Vertrauten auf dem Balkon vor dem Oval Room in der prickelnd trockenen Herbstluft und bewundert die Goldglut des Abendhimmels über dem Potomac. Dann wendet er sich mit einem Grinsen an seine Leute: »Ich hoffe, euch ist klar, daß es im Schutzraum unterm Haus nicht genug Platz für alle gibt.«

Worauf sich die Männer zur Auflockerung ein bißchen damit amüsieren, witzig-makabre Begründungen zu erfinden, warum die einzelnen Mitarbeiter einen Platz im Bunker haben sollten und warum nicht. Erleichtert über Kennedys Haltung, frotzeln sie lachend miteinander und sind sich doch bewußt, daß auch der Blockadekurs auf einen Showdown mit den Sowjets zuläuft.

Die militärischen Vorbereitungen - auch für eine Luftoffensive, auch für eine Invasion - gehen weiter. Zwei Luftlande- und Fallschirmjäger-Divisionen, die 82. und die 101., sind fast schon sprungbereit. Die 1. Panzerdivision aus Fort Hood in Texas rollt in langen Güterzügen nach Georgia. Landungsschiffe mit Marineinfanterie beziehen Ausgangsposition in Key West. Ledernacken werden zur Verstärkung in den US-Stützpunkt Guantanamo auf Kuba eingeflogen. Weit verstreute Flottenverbände sammeln sich vor der heimischen Küste.

Amerika ballt seine Faust.

Doch noch ehe Präsident Kennedy seine für Montag, 22. Oktober, 19 Uhr, geplante Fernseh-Ansprache an die Nation halten kann, noch ehe er die Sowjetraketen »vor unserer Küste« dramatisch enthüllt und die Seesperre gegen Offensivwaffen annonciert, sieht es aus, als könnte ein Atomkriegs-Alptraum frei nach »Fail-safe« beginnen - ohne daß die Verantwortlichen in Washington etwas davon ahnen.

Mittags am 22. Oktober, zugleich mit Ankündigung von Kennedys Ansprache »zu einer Frage von großer nationaler Dringlichkeit«, ordnet Pentagon-Boß McNamara für das Strategische Luftkommando den »Verteidigungsbereitschaftszustand 2« an- »Defense Readiness Condition« lautet der Originalbegriff, kurz »Defcon«.

Fünf solche Defcons gibt es, Nummer 5 gilt für krisenfreien Frieden. Defcon 2 kennzeichnet den höchsten Grad der Kampfbereitschaft. Defcon 1 ist gleichbedeutend mit dem Einsatzbefehl, mit dem Krieg.

Für das Luftkommando heißt Defcon 2: Ein Drittel aller SAC-Bomber mit voller Nuklearbombenlast ist ständig in der Luft. Die anderen stehen in höchster Alarmbereitschaft auf den Rollfeldern; die Besatzungen wachen und schlafen in verbunkerten Unterkünften direkt neben ihren Maschinen .

Als SAC-Chef Thomas Power (der McNamara in den SIOP einweihte) in seinem Hauptquartier in Omaha die Order »Defcon 2« erhält, gibt er sie zusammen mit seinen Anweisungen an die SAC-Stützpunkte in Nordamerika und rund um den Globus weiter.

Aber Power sendet seine Funksprüche nicht verschlüsselt, wie es die Vorschrift strikt verlangt. Er sendet sie offen, unverschlüsselt; denn der Fliegergeneral hat auf eigene Faust beschlossen, daß die Russen mithören sollen, wie er seine gewaltige Streitmacht in höchste Kriegsbereitschaft versetzt.

Erst in diesem Jahr ist der Zeitgeschichtsforscher Raymond L. Garthoff von der Brookings Institution in Washington beim Studium freigegebener SAC-Dokumente aus jenen Tagen auf diese bizarre Tatsache gestoßen.

McNamara, JFK, die Männer im Ex-Comm haben, als es geschieht, keine Ahnung davon, daß ein General in atemraubender Eigenmächtigkeit genau das tut, was der Präsident unbedingt vermeiden will: Power versucht, den Sowjets Angst einzujagen und sie zu provozieren.

Doch Kennedy, der das Militär unter Kontrolle halten will, weiß gar nicht, wie löchrig diese Kontrolle ist. »General Power«, sagt Garthoff, »hat sich eigenmächtig angemaßt, den Sowjets ihre nukleare Unterlegenheit unter die Nase zu reiben.«

Und ein wenig mit dem dritten Weltkrieg zu spielen.

Im nächsten Heft

Konrad Adenauer fordert: »Kuba bombardieren und besetzen« - US-Marine auf U-Boot-Jagd, Präsident in der Falle - Fidel Castro lehnt sich gegen Chruschtschow auf und eröffnet das Feuer auf die Amerikaner - Robert Kennedy macht Moskau ein geheimes Angebot

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USA Reichweite der SS-4-Rakete = ca. 2000 Kilometer Standort der sowjetischen SS-4-Raketen

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In Spezial-Druckanzügen für Flüge in Höhen von mehr als 12000 Meter.Während des zweiten Weltkrieges im Südpazifik.

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