Zur Ausgabe
Artikel 89 / 110
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

PRESSE Wirbel um Nazi-Vorwürfe

aus DER SPIEGEL 18/2004

Kaum Freude hatten vergangene Woche die britischen Tories, als sich Boulevard-Verleger Richard Desmond ("Daily Express") auf ihre Seite schlug: Bei den nächsten Parlamentswahlen würden wieder die Konservativen unterstützt, meldete am Donnerstag Desmonds »Express«, der noch 2001 auf den Wahlsieg von Tony Blair und dessen Labour-Partei gesetzt hatte. Am selben Tag sorgte Desmond mit Nazi-Vorwürfen gegen die Deutschen für noch viel größeren Wirbel - und damit für Bestürzung bei den Tories. Konservative Politiker erklärten, sie seien von den Bemerkungen ihres neuen Verbündeten entsetzt. Tory-Chef Michael Howard ist der Sohn rumänischer Einwanderer, seine Großmutter starb einst in einem KZ. Desmond hatte bei einem Geschäftstreffen mit Managern des »Daily Telegraph« die Deutschen beschimpft ("Sie sind alle Nazis"), »Deutschland über alles« angestimmt und von Floskeln wie »Guten Morgen« und »sehr gut« bis zu »Sieg Heil« das Vokabular britischer Nazi-Filme deklamiert. Hintergrund ist die von der Axel Springer AG erwogene Übernahme des »Daily Telegraph«, für den auch Desmond geboten hatte. »Telegraph« und Desmonds »Express« führen gemeinsam eine der größten Druckereien Europas. Für den Fall, dass Springer der Deal gelingt, kann sich Verlagschef Mathias Döpfner schon mal auf den generell exzentrischen Stil des »Express«-Mannes einstellen: Gefällt Desmond eine gute Idee, lässt er bei Meetings eine Glocke läuten. Bei einer schlechten Idee ertönt eine Tröte, die sonst zur Entenjagd eingesetzt wird.

Zur Ausgabe
Artikel 89 / 110
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.