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Wirtschaftsflüchtlinge

aus DER SPIEGEL 21/1995

Robert L. Vesco

Er gilt als einer der größten Finanzschwindler aller Zeiten: Vesco hat den Kapitalkonzern IOS um mindestens 224 Millionen Dollar erleichtert. Anfang der siebziger Jahre floh er in den karibischen Raum, er lebte auf den Bahamas und in einer schwerbewachten Villa in Costa Rica. Neuerdings soll sich Vesco in Kuba aufhalten.

Hans Glöggler

Fast aus dem Nichts baute Glöggler das größte bundesdeutsche Textilimperium mit 12 000 Mitarbeitern auf. Nach seiner spektakulären Pleite im Jahr 1975 floh er zehn Jahre lang durch Österreich, die Schweiz, Kanada und Frankreich, bis die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren einstellte. Heute lebt er verbittert in einem kleinen Apartment in Augsburg und kämpft um seine Rehabilitierung.

Eduard Zwick

Der Bäderkönig und Strauß-Freund setzte sich schon vor 13 Jahren in die Schweiz ab, wo er zwischen drei luxuriösen Wohnsitzen pendelt. Zwick soll zusammen mit seinem Sohn mehr als 70 Millionen Mark am Fiskus vorbeigemogelt haben. Weil die Schweiz bei Steuerhinterziehung grundsätzlich keine Rechtshilfe gewährt, genießt Zwick, 73, ein Daueraufenthaltsrecht.

Werner K. Rey

Der Schweizer kaufte Firma auf Firma, fast alle auf Kredit. Schließlich verfügte er über einen weitverzweigten Industrie- und Dienstleistungskonzern. Als die Zinsen stiegen und die Kurse rutschten, brach seine Omni Holding 1991 zusammen. Anschließend setzte er sich ab. Rey soll eine Milliarde Franken beiseite geschafft haben. In seiner komfortablen Villa auf den Bahamas wartet Rey, 51, darauf, daß die 15jährige Verjährungsfrist abläuft.

Werner Casper

Der Finanzvorstand der co op setzte sich nach dem spektakulären Konkurs des Handelskonzerns nach Kanada ab. Die Staatsanwaltschaft warf Casper Untreue vor, doch die Behörden in Kanada liefern nur aus, wenn ein Verdächtiger tatsächlich schuldig ist. Casper wartete den Ausgang des langwierigen Verfahrens jedoch nicht ab und kehrte freiwillig zurück. Im Mai letzten Jahres wurde er zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Bernd Otto

Der Chef des Handelskonzerns co op ließ sich nach dem Zusammenbruch des Konzerns in Südafrika nieder. Weil er den Banken die Schuld an der co-op-Pleite gab und seine Unschuld beweisen wollte, kam er 1989 freiwillig nach Frankfurt - und wurde schon auf dem Flughafen verhaftet. Im Juni 1993 legte Otto ein Teilgeständnis ab und kam so mit einer vergleichsweise milden Strafe, viereinhalb Jahre Haft, davon. Nach seiner Entlassung will er als Unternehmensberater arbeiten.

Jürgen Harksen

Der angebliche Millionenbetrüger sitzt in seiner luxuriösen Villa in Kapstadt und beteuert via Satellit in Pressekonferenzen seine Unschuld. Harksen, 34, hatte im norddeutschen Raum gutgläubigen Investoren traumhafte Renditen von bis zu 1300 Prozent versprochen - und Millionenbeträge eingesammelt. Seit einem Jahr lebt er in Südafrika, mit viel Geld und offenbar in hohem Ansehen. Südafrika hat kein Auslieferungsabkommen mit der Bundesrepublik.

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