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Briefe

Wissenschaftlicher Tunnelblick
aus DER SPIEGEL 50/1998

Wissenschaftlicher Tunnelblick

Nr. 48/1998, Biotechnik: Organe nach Maß - Stammzellen aus dem Labor, Interview mit dem Entwicklungsbiologen Davor Solter über das Klonen

Mit der von Herrn Breckwoldt von der Uni Freiburg aufgestellten These »Die Wissenschaft muß voranschreiten und deshalb die Ethik auch« zeigt sich wieder einmal der wissenschaftliche Tunnelblick: Komme, was da wolle, wir machen alles, was machbar ist. Professor Solter aber beruhigt uns: Es bestehe keine Gefahr, daß Menschen nach Maß konstruiert würden, denn es funktioniere nicht. Wetten, wenn es funktioniert, »muß auch die Ethik voranschreiten«?

MARBURG CHRISTOPH HUCKLENBRUCH

Die Entwicklungen der modernen Biotechnologie führen unsere Ethik an eine neue Grenze. Die Eigenschaften des Menschen werden verfügbar. Wo wir doch gottähnlich und deshalb unantastbar sind! Aber denken wir an den einfachsten Satz der Ethik: Was du nicht willst, das man dir tu', das füg auch keinem anderen zu. Wenn wir das Erbgut anderer Lebewesen zum Gegenstand unserer Forschung machen, woher nehmen wir das Recht, für uns eine Ausnahmestellung zu fordern?

NEUSTADT (RHLD.-PF.) DR. HERMANN PÜTTER

In Ihrem Artikel schwingt die hoffnungsfrohe Botschaft mit, daß der Mensch bald nicht mehr sterben wird. Dank beherrschter Apoptose, perfektionierten Klonens, kontrollierten Gentransfers und Isolation embryonaler Stammzellen bekommen wir demnächst, wenn versoffen, eine neue Leber gespritzt. Klappt das Experiment, wird es eng auf dem blauen Planeten.

BERLIN M. SCHLÖMER

Offensichtlich ist Wissenschaft ein Job, und dabei läßt sich nicht mehr an Ethik und Moral appellieren. Daß Sterben zum Leben gehört, kann heutzutage niemand mehr akzeptieren, warum also ethische Debatten? Es bleibt aber zu hoffen, daß wir zumindest noch ein wenig Achtung vor den Gesetzen der Natur haben und uns Gedanken machen über das mögliche Ausmaß wissenschaftlicher Spielereien.

KIEL CAROLA SCHLÜTER

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