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Wörners neue Raketen

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aus DER SPIEGEL 16/1987

Noch während US-Außenminister George Shultz diese Woche in Moskau die Vorstellungen der Sowjets für eine Null-Lösung bei Mittelstreckenraketen kürzerer Reichweite sondiert, schaffen die Bonner Verbündeten vollendete Tatsachen: Für Mittwoch dieser Woche hat sich Verteidigungsminister Manfred Wörner, zwecks Genehmigung, ein geheimes Planungspapier bestellt, das bereits am 3. April per »Schlußlesung« im Führungsstab der Luftwaffe gebilligt worden ist.

Danach sollen von 1991 an die 72 veralteten »Pershing 1A«-Raketen der deutschen Luftwaffe durch eine Flugkörper 90 und Pershing 1B genannte Version der umstrittenen Pershing2-Projektile ersetzt werden. Den Kauf der von 1800 auf unter 1000 Kilometer Reichweite abgespeckten Pershing-2-Variante (Kosten laut ,grober Schätzung": 3,5 bis vier Milliarden Mark) will sich Wörner wahrscheinlich schon im Mai vom Bundessicherheitsrat genehmigen lassen.

Eine Pershing-2-Version reduzierter Reichweite mit konventionellem Sprengkopf soll laut der »taktischen Forderung« der Luftwaffe 1993 folgen. Diese Mischung aus konventionellen und atomaren Einsatzmöglichkeiten galt den Bonnern, soweit es um Projektile des Warschauer Pakts ging, bislang wegen der damit verknüpften »Verifizierungsprobleme« als schier unüberwindliche Barriere bei Verhandlungen über die Raketenabrüstung.

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