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Briefe

Wohin laufen wir denn?
aus DER SPIEGEL 2/2003

Wohin laufen wir denn?

Nr. 1/2003, Titel: Risiko-Jahr 2003 - Wie die Deutschen ihre Krise überwinden können

Wann wird es wieder eine Politik geben, die wirklich nur das Gemeinwohl aller Menschen unseres Landes im Auge hat und klar macht, dass sich die Probleme nur mit harten Wahrheiten und Einschnitten in unseren bisherigen Lebensstandard lösen lassen?

MAINZ DR. PETER HENNES

Im entscheidenden Teil Ihres ansonsten klasse Titels steht ein Konditionalsatz, gefolgt von »eher«, »vielleicht« und »nicht unbedingt«. Der SPIEGEL ist damit genauso weicheierig wie unser Wirtschaftssystem.

ELMENHORST (SCHL.-HOLST.) JÜRGEN VOIGT

Die Schulden fast jeden Staates wachsen Jahr für Jahr exponentiell an, weil alle Kredite nach dem Zinseszinsmechanismus funktionieren. Eine exponentielle Wachstumskurve steigt anfangs flach an und vervielfacht sich dann in immer kürzeren Zeitabständen bis ins Unendliche. Starke Wirtschaftsnationen können das unausweichliche Ende lediglich länger hinauszögern als wirtschaftlich schwächere Nationen.

KOBLENZ JÖRG ROTH

Warum folgt auch der SPIEGEL dem üblichen Klischee, Fehlentwicklungen in der Wirtschaft der Politik anzulasten?

HOLZKIRCHEN (BAYERN) REINHARD LUEDER

Sie haben endlich ausgesprochen, was ich selbst und viele Menschen aus meinem Umfeld seit Jahren denken. Der Abschied von den Lebenslügen ist längst überfällig.

MAINZ WOLFRAM E. SCHMIDT

Man muss sich wundern, dass zwar seitenweise über die Notwendigkeit geschrieben wird, durch Reformen, Reformen, Reformen Wachstumskräfte freizusetzen, aber von der Bedeutung des Niveaus der Gesamtnachfrage und der Verknüpfung von Reformen und deren Einfluss auf die Nachfrageentwicklung für Wachstum und Beschäftigung keine Rede ist. Auch die Notwendigkeit der wirtschaftlichen Koordinierung in Europa wird nicht gesehen. Solange diese zentralen Elemente einer Wachstumspolitik nicht gleichrangig mit Reformen der Angebotsseite diskutiert und beachtet werden, so lange kann es in Deutschland und Europa keine Hoffnung auf einen nachhaltigen Aufschwung geben.

GRÖNWOHLD (SCHL.-HOLST.) PROF. WILHELM NÖLLING

Mir war vorher noch nie bewusst, dass unser Grundgesetz dermaßen als Bremsklotz für die Zukunft dastehen könnte. Demnach dürfte eine zeitgemäße Reform unseres Rentensystems eigentlich nie stattfinden. Welcher Politiker wagt denn noch, nach vorn zu schauen, wenn die Altersversorgung der Parlamentarier und Regierenden doch auf ewig gesichert ist?

FRANKFURT AM MAIN HEIDI SCHUPPAN

Die Unternehmen könnten mit den vorhandenen Ressourcen viel mehr Güter produzieren. Was uns fehlt, ist die Kaufkraft, um die Güter abzusetzen. Aus diesem Teufelskreis finden wir zurzeit keinen Ausweg.

SILBERBORN (NIEDERS.) HORST HOPPE

Der »deutsche Weg« auf der Suche nach einem akzeptablen Sozial-, Kranken-, Renten- und Beschäftigungssystem ist seit 20 Jahren ein Rundlauf, dessen Radius durch die Wiedervereinigung enger geworden ist. Von den Nachbarländern das Vorbildliche, einschließlich Zumutungen und Härten, zu übernehmen widerspricht unserem tragischen Naturell. So laufen wir im Kreis und fragen uns nicht, wohin laufen wir denn?

MANNHEIM GEORG KELCH

Tatsache ist, dass bei uns der Patient im Vergleich zu unseren Nachbarn regelrecht verwöhnt wird; aber Tatsache ist auch, dass die Entwicklungen der vergangenen Zeit das Verwöhnen nicht mehr zulassen - und das erklären Sie mal einem verwöhnten Kind.

DÜSSELDORF DR. PERIKLES DIMITRIOU-KOUVATSIDIS

Kein Wort von wirtschaftlicher Macht, von Verteilung des Volkseinkommens in Ihrem Artikel, kein Hinweis auf die massiven Lasten, welche durch die Wiedervereinigung entstanden sind. Stattdessen werden Individualisierung von Lebensrisiken wie Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter als Rezept angepriesen, frei nach dem Motto »Selbstbeteiligung und Eigenverantwortung«. Ein gigantischer Umverteilungsversuch - als hätte es den Börsencrash nie gegeben und als könnte man die existenzielle Absicherung des Alters dem Profitstreben skrupelloser Spekulanten überlassen. Da wird Dracula zum Wächter der Blutbank bestellt - und fast die gesamte veröffentlichte Meinung klatscht begeistert Beifall.

MÜNSTER GÜNTER KLEMM

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