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Briefe

»Wünsche dicke Pneumonie!«
aus DER SPIEGEL 45/1976

»Wünsche dicke Pneumonie!«

(Nr. 38-43/1976, SPIEGEL-Serie »Die ehrenwerte Familie -- Die Macht der Pharma-Industrie«; Nr. 411976 [Teilauflage], Briefe)

Ich kann nur hoffen, daß die Serie Ihnen eine erfolgreiche Klage seitens des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie einbringt. Das Maß der Verunglimpfung ist übervoll!

Köln DR. KARL HANS ROTH

Zum kommenden Winter wünsche ich ihnen eine dicke Pneumonie und einen behandelnden Arzt dazu, der so therapieunbeholfen ist, wie Sie ihn in Ihrer Berichterstattung darzustellen pflegen. Essen HANS-J. BENDERT

Langjähriger Ärzteberater

In einer Karikatur unterstellen Sie, daß der Apotheker Befürworter, weil Nutznießer der von der Pharma-Industrie betriebenen Abschaffung von Arzneimittel-Kleinpackungen ist. Leider hielten Sie es nicht für erwähnenswert, daß diese Entwicklung seitens der Apotheker wiederholt heftig kritisiert wurde. Der Offizin-Apotheker wird durch diesen Trend zu größeren und zwangsläufig teureren Packungen immer stärker seiner Möglichkeit beraubt, auf dem ohnehin nicht gerade üppigen Gebiet der nicht verschreibungspflichtigen Medikamente beratend und helfend tätig zu werden, da der Patient verständlicherweise die Ausgabe scheut und sich das empfohlene Arzneimittel zu Lasten seiner Kasse vom Arzt verschreiben läßt. Dem Apotheker bleibt nur das Ausweichen auf eine sich rapide verringernde Zahl von preisgünstigen Kleinpackungen und die resignierende Einsicht, auf diese Weise von der pharmazeutischen Industrie zum bloßen Handlanger einer eifrig rezeptierenden Ärzteschaft degradiert zu werden. Daß die Großpackungen das Risiko des Arzneimittelmißbrauchs drastisch erhöhen, sollten Sie auf keinen Fall unerwähnt lassen. Landau (Rhld.-Pf.) HUBERT BADER

Apotheker

Am Donnerstag, 30. September 1976, erstand ich in der Central-Apotheke zu Linz (Österreich) eine Packung von 20 Dragees des Mittels »Mestinon« Trade Mark Roche zu 60 mg -- dafür wurde mir ein Preis von 92 Schilling 30 berechnet. Eine Packung von 20 Dragees desselben Mittels kostet in Frankreich genau fünf Franc (60 mg Dragees). Als ich den Apotheker darauf aufmerksam machte, daß in Linz dasselbe Produkt über fünfmal teurer sei als in Straßburg, war er sehr verwundert, kontrollierte nochmals seine Unterlagen und blieb bei dem Preis.

Straßburg (Frankreich) MARGEL THOMANN

Professor an der Rechtsfakultät

Das teurere Medikament Regelan N 500 wird meistens verwandt, die billigeren Medikamente Atheropront 500 und Skleromexe 500 gibt es meist nur als Ärztemuster!

Berlin ULRIKE SCHRAMM

Krankenschwester

Ich greife nur ein einziges Medikament heraus: » Roter«-Tabletten der holländischen Firma Pharmaceutische Fabriek, Roter, Hilversum. Wegen dieses Medikamentes (nicht rezeptpflichtig) habe ich mich bereits vor zwei Jahren an das Bundeskartellamt Berlin gewandt. Das holländische Werk gibt dieses Medikament (Packung à 100 Tabletten) zum Preis von umgerechnet 4,04 Mark ab. In Tunesien wird dieses Medikament zu umgerechnet 5,18 Mark verkauft, in Frankreich zu 8,75 Mark (nach dem neuen Kurs). In der Bundesrepublik dagegen kostet dieses Medikament 18,35 Mark. In Tunesien ist die Differenz zwischen »ab Werk« und Apotheke gleich 44%, in Frankreich gleich 117%, in der Bundesrepublik gleich 354%: Wucherverdienstspannen**.

Frankfurt RICHARD CHRISTMANN

Délégué D'Industries Allemandes

Zu Ihrer Serie über unsere Pharma-Industrie schauen Sie sich einmal diese Preiswillkür an, die ich in Spanien feststellen mußte.

Ibbenbüren (Nrdrh.-Westf.)

HUBERT HOLTKAMP

Wenn etwas geschehen soll, dann muß der Staat eine Zentrale, zum Beispiel Deutsches Arzneimittel-Museum genannt, aufbauen, wo jede Spezialität erfaßt, gedeutet, eingeordnet, klassifiziert, allgemeinverständlich erläutert,

* 1 Pesete etwa 3,5 Pfennig.

** Das Bundeskartellamt (Az: B 6 -- 432 190 -- Z -- 87/73) schrieb Herrn Christmann: »... Besondere Schwierigkeiten ergeben sieh in diesem Falle aus den beträchtlichen Wechselkursveränderungen, die zu derartigen Preisunterschieden geführt haben könnten. Einen Mißbrauch einer marktbeherrschenden Stellung kann das Bundeskartellamt im Rahmen des Vergleichsmarktkonzeptes nur nachweisen, wenn die Preisunterschiede auf eine unterschiedliche Intensität des Wettbewerbs auf den ansonsten vergleichbaren Märkten zurückzuführen sind.

in Vergleich gesetzt mit anderen Mitteln ähnlicher Art und dauernd ausgestellt werden. Es ist ferner nötig, dafür zu sorgen, daß Mittel gleicher Beschaffenheit und Wirksamkeit einer staatlich erstellten Einordnung unterworfen werden.

Emden DR. ALBERT OCHMANN

Wir sind als Apotheker auch für Kritik an Mißständen auf dem Arzneimittelmarkt, sie sollte aber sachbezogen und nicht polemisch sein. Eins jedoch sollte klar sein: Die »Molekülbasteleien« auf der Suche nach noch wirksameren Präparaten bat zum Beispiel bei der Penicillinentwicklung hervorragende und unbestrittene Verbesserungen gebracht. Teurer ist dieser Weg auf jeden Fall als der Nachbau erprobter Arzneimittel durch die Ostblockstaaten, wie zum Beispiel Euglucon als Maninil (VEB Arzneimittelwerk Dresden), Otriven als Movorin (Polfa Polen), Valium als Faustan (VEB Arzneimittelwerk Dresden).

Kriftel (Hessen) A. MEILINGER

Kreuz Apotheke

Bad Homburg (Hessen) DR. K. MENKENS

Hirsch Apotheke

Frankfurt DR. W. LANGENECKERT

Bruchfeld Apotheke

In der ersten Folge Ihrer SPIEGEL-Serie sind Sie einer Fehlinformation erlegen. Die Veröffentlichung von Professor Kleinsorge (Knoll AG), auf die Sie sich offenbar beziehen, stammt aus dem Jahre 1973. Der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft gingen von den Ärzten aus der Bundesrepublik im Jahre 1975 3682 auswertbare Berichte über unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu. Da dem Computerzentrum der Weltgesundheitsorganisation in Genf im gleichen Zeitraum 16 019 Berichte aus 22 Ländern zugegangen sind, haben die Ärzte in der Bundesrepublik mit 23 Prozent dieser Daten überproportional beigetragen.

Heidelberg DR. MED. KARL H. KIMBEL Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft

Anbei zwei Apotheker-Informationen, die ich beide im Laufe dieser Woche bekam. Offensichtlich ist es nun gelungen, eine Antibabypille speziell für jugendliche Verbraucherinnen zu entwickeln, nämlich »Ovoresta« von der Firma Organon (welches seit Jahren ohne Altersempfehlung auf dem Markt ist). Zufällig gleichzeitig informiert die Nourypharma Ärzte und Apotheker über »Pregnon 28«, abgestimmt auf die reiferen Jahre. Der Unterschied zwischen beiden Pillen-Präparaten liegt lediglich im Mehrpreis von 2,10 Mark, mit dem sich die Verbraucher für 18 Pillen ohne Wirkstoff ein stets blutungsfreies Wochenende einkaufen sollen.

Goch (Nrdrh.-Westf.) PEER HILBERATH

Inhaber Bahnhof-Apotheke Goch

Sie haben leider, leider in vielen Dingen, so überspitzt sie auch manchmal dargestellt sein mögen, nur allzu recht! Obwohl ich hoffe, daß die Erkenntnisse noch nicht zu spät kommen, muß ich Ihnen sagen, daß viele meiner Standeskollegen, wie auch ich, diese unglückliche Entwicklung des Pharma-Marktes seit Jahren mit größter Sorge registrieren.

Waiblingen (Bad.-Württ.) WOLFGANG MEYER Inhaber der Unteren Apotheke

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