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Yoweri Museveni

aus DER SPIEGEL 48/1996

ist Präsident von Uganda und einer der Staatsmänner, mit denen sich neue Hoffnung für Afrika verbindet. Er machte das von den Diktatoren Idi Amin und Milton Obote ruinierte Land zum wirtschaftlich erfolgreichsten südlich der Sahara: Uganda - 19 Millionen Einwohner und etwa so groß wie die alte Bundesrepublik - verzeichnet jährlich Wachstumsraten bis zu zehn Prozent. Museveni verordnete dem Land ein radikales Sparprogramm: Die Zahl der Ministerien wurde halbiert, 15 000 Stellen im Öffentlichen Dienst fielen weg. Parteien sind in Uganda ausgeschaltet, aber der Präsident und das Parlament stellen sich in einer relativ freien Personenwahl dem Volk.

Bei der Krise im Gebiet von Afrikas Großen Seen spielt Museveni eine Schlüsselrolle: Er unterhält enge Beziehungen zu den herrschenden Tutsi in Ruanda; deren Verteidigungsminister Paul Kagame ist ein Schulfreund und Kampfgefährte aus der Zeit der Rebellion gegen Ugandas Regierung in den achtziger Jahren. Auf der anderen Seite pflegt Museveni den Kontakt zum Zaire-Herrscher Mobutu. Er hat den kranken Diktator in der Schweiz und in Frankreich angerufen und hält sich bereit, im Krieg in Ost-Zaire zu vermitteln. Der Konflikt könnte auf ganz Zentralafrika übergreifen. Ende vergangener Woche eskalierten Kämpfe zwischen Tutsi-Rebellen und Hutu-Milizen in Zaire. Durch das Grenzgebiet irrten Hunderttausende Flüchtlinge.

Museveni, 52, entstammt einer Viehzüchterfamilie aus Südwest-Uganda vom Stamm der Bahima, der den Tutsi verwandt ist. Nach dem Besuch der Oberschule studierte er in Daressalam (Tansania) Politologie und Wirtschaftswissenschaften - typischer Werdegang für den Vertreter einer neuen Generation afrikanischer Führer, die nicht mehr in Europa oder Amerika ausgebildet wurden.

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Kartenausriß Afrika - Krisenregion Zentralafrika

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