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GEISELDRAMA Zahlt der BND?

aus DER SPIEGEL 32/2001

Bundesaußenminister Joschka Fischer weigert sich, seinem finnischen Amtskollegen eine kostspielige Dienstleistung in Rechnung zu stellen, für die nun der deutsche Steuerzahler aufkommen muss: Es geht um die internen Endabrechnungen der Lösegeldzahlungen, die im Sommer vorigen Jahres zur stufenweisen Freilassung der von Abu-Sayyaf-Rebellen auf der südphilippinischen Insel Jolo festgehaltenen Geiseln führten, darunter der Göttinger Familie Wallert. Nach amtlichem Sprachgebrauch wurde von den westlichen Regierungen für die Heimkehr der Entführten keinerlei Lösegeld gezahlt - stattdessen sprang die libysche Regierung ein mit der Gaddafi-Stiftung, die bis zu 18 Millionen Dollar für Entwicklungshilfe-Projekte in der Region zur Verfügung stellen wollte.

Diese Summe reichte indes nicht, um sämtliche Geiseln auszulösen. Wallerts Sohn Marc, 27, zwei Finnen und ein Franzose mussten noch bis Anfang September im Dschungelcamp der Entführer bleiben, bis die Bundesregierung vier Millionen Dollar bereitstellte. Die holte der vom Bundesnachrichtendienst betreute libysche

Sonderbotschafter und Vermittler Rajab Azzarouk ab. Und zwar in Frankfurt, direkt bei der Deutschen Bundesbank. Vereinbart war mit den Finnen, dass sie später 1,5 Millionen Dollar erstatten würden. Doch an dieses Versprechen erinnert sich in Helsinki wohl niemand mehr. Fischer ist es trotz amtsinterner Vorlagen offenbar zu peinlich, einen entsprechenden Brief zu schreiben. Der Minister meint: »Das soll dann eben der BND aus seiner Schatulle bezahlen.« Ihre ungebrochene Brutalität bewiesen die Abu-Sayyaf-Rebellen vergangene Woche bei einem Überfall auf der südphilippinischen Insel Basilan: Sie verschleppten über 30 Menschen, darunter Kinder. Mehrere Geiseln, so die Polizei, seien später enthauptet worden, als sie versuchten zu fliehen.

* Am 9. September 2000; 2. v. l.: Marc Wallert.

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