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Briefe

ZAHLUNGSBILANZ
aus DER SPIEGEL 46/1967

ZAHLUNGSBILANZ

(Nr. 42-44/1967, Entwicklungshilfe-Serie)

Hoffentlich wird ihre Serie »Wer niemals eine Schraube sah von recht vielen Bonner »Entwicklungshelfern« gelesen, und denen geht endlich einmal nicht nur ein Lichtlein, sondern ein ganzer Kronleuchter auf, und sie entdecken vielleicht nun das Entwicklungsland »Bundesrepublik«.

Brambauer (Nrdrh.-Westf.) MANFRED GORKI

Dies ist das größte Schmiergeld, das je in der deutschen Geschichte berappt wurde. Aber dafür haben die Bonner in der sogenannten freien und in der sogenannten dritten Welt -- bisher ihr Alleinvertretungsrecht. Ist das kein stolzes Gefühl?

Tanger (Marokko) H. KARDEL

Stellt »Ben Wisch« die Verniedlichungsform von »gut abgestaubt« dar?

Düsseldorf M. KEIL

Entwicklungshilfe ist, wenn viele arme Leute eines reichen Landes wenigen reichen Leuten eines armen Landes Moneten pumpen oder schenken.

Gelsenkirchen HEINZ ALEWELD Ingenieur

Hätte man, wie es sich gehörte, die arbeitseifrigen Armen unterstützt, diese hätten, schon zum ureigensten Vorteile, im Laufe der Jahre längst mit der Armut und der Schande in den betreffenden Ländern aufgeräumt.

So hat man nur Perlen vor die Säue geworfen, anders kann man das was in Bonn mit den Spar- und Steuergroschen der deutschen Staatsbürger unverantwortlicherweise geschehen ist, nicht treffender ausdrücken.

Keilen (Nrdrh.-Westf.) DR. RUDOLF SCHWARZ-OTAVA

Die Menschen, die unvoreingenommen die Entwicklungsländer kennengelernt haben und unter der Korruption und Großmannssucht gewisser Staaten direkt und von unseren Auslandsvertretungen nur unzureichend geschützt, zu leiden haben, sprechen mit einer Stimme: »Werft euer Geld lieber in den Abwässerkanal, dann hört ihr's wenigstens plumpsen!«

Offenbach ROLF RICHTER

Eine Frage: Wieso hat es die deutsche Industrie nötig, hohe Tiere in den unterentwickelten Ländern zu bestechen? Und mit diesen Summen? Wohl will sie am »Fortschritt« der armen Völker verdienen. Vielleicht zu viel.

München ALI HASSAN

Welche Überheblichkeit und Einseitigkeit zeigt Ihre Serie! Sie sind sich wohl nicht bewußt, wieviel Satte und Dumme auf diese Bestätigung ihrer Meinung über Entwicklungshilfe warteten.

Und ausgerechnet die Südafrikaner werden nun unsere Vorbilder sein! Sie sollten sich die bettelnden und zerlumpten Bantu-Kinder und Frauen in den Reservaten ansehen, die von den weißen Touristen, wie ich es in diesem Sommer erlebt habe, mit Bonbon »gefüttert« werden.

Hamburg PETER RICHTER

Aus den offiziellen Statistiken ergibt sich, daß die Länder der dritten Welt jährlich einen Preisverfall aus dem Verkauf der Rohstoffe erleiden, mit denen sie überwiegend handeln, der mengenmäßig größer ist als sämtliche Hilfe, die Ost und West einschließlich der internationalen Organisationen gewähren. Bei einer solchen Betrachtungsweise liegt einem fast das Wort »Ausbeutung« auf der Zunge.

Köln ROBERT KAHL

Einem unverbesserlichen Nazi versuche ich regelmäßig, Ihr Blatt schmackhaft zu machen -- seit der »Schraube«-Serie mit gutem Erfolg.

Merzhausen (Bad.-Württ.) GEORG PFEFFER

Daß in Entwicklungsländern ausgebildete Facharbeiter später gern im Büro mit Telephon sitzen wollen, ist eine bekannte Tatsache. Den im nächsten Absatz gemachten Ausführungen muß ich jedoch ganz entschieden widersprechen. Das in Äthiopien gewählte System der Verpflichtung von Schülern soll nach abgeschlossener Ausbildung verhindern, daß qualifizierte Facharbeiter am Schreibtisch landen. Bei der Aufnahme verpflichten sich die Schüler, nach erfolgreichem Abschluß ihrer Ausbildung für mehrere Jahre zunächst in Werkstätten der Armee zu arbeiten und so ihre erworbenen Kenntnisse wirklich praktisch anzuwenden.

Addis Abeba ROLF KLEINSCHMIDT*

Ein hinreißendes Beispiel für die Komik, die rein verwaltungsmäßiger Entwicklerei innewohnt, bietet die Insel Jap, die nordöstlich der Palau-Inseln gelegene ehemalige Bunkerstation der kaiserlichen Ostasien-Flotte. Jap wurde durch Kennedys »Peace Corps« gesegnet außer mit Lehrern, Arzthelfern, Landwirtschaftsgehilfen, mit einer Postassistentin und drei Rechtsanwälten. Die Postassistentin hat die japesche Poststation in der Haupt- und Hafenstadt Colonia in die Lage versetzt, in drei Schichten zu arbeiten -- obwohl kaum ein Mensch Briefe schreibt, weil die ganze Insel nur soviel Bewohner zählt wie ein deutscher Marktflecken. Die drei Anwälte drehen Däumchen -- weil Jap von der ganzen Juristerei nur das Gewohnheitsrecht kennt. Alles Land ist längst unter den Dörfern, Häuptlingen, Sippen verteilt. Für einen Besitzerwechsel genügt ein mündlicher Vertrag unter Zeugen. Ein Betrug ist ausgeschlossen, weil praktisch nichts bezahlt wird; außer Steingeld (riesige Aragonit-Scheiben in Mühlradform), das ebenfalls unter Zeugen in anderen Besitz übergeht, ohne darum jedoch seinen Standort zu wechseln.

Diessen (Bayern) ROLF LASA

Wenn man liest, wie die einen unser Geld abzweigen! Nur gut, daß ich jetzt weiß, daß die schwatten Fürsten die Moneten eines Tages aber ganz schön blechen müssen. Ist doch wahr! Unsereinen fährt eine Feierschicht nach die * Leiter der deutsch-äthiopischen Facharbeiterschule Holette bei Addis Abeba.

andere, bloß weil die Brüder lieber goldene Betten kaufen als unsere Kohlen, wo doch gerade Sommerpreise waren! Die sollen doch Mensch bleiben!

Mülheim (Nrdrh.-Westf.) MANFRED PIEL

Da schrieb doch Heinrich Heine: »Die Neger am Senegal versichern steif und fest, die Affen seien Menschen ganz wie wir, jedoch klüger, indem sie sich des Sprechens enthalten, um nicht als Menschen anerkannt zu werden und zum Arbeiten gezwungen zu werden.« So entgehen sie auch der Entwicklungshilfe und können ungestört ihr seit Ur-Generationen freies Leben, das sie bisher immer glücklich gemacht hat, ohne westliche Zivilisation fortsetzen!

Frankfurt (Main) JOACHIM BECKERT

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