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MANNESMANN AG Zangen-Geburt

aus DER SPIEGEL 42/1962

Vizekanzler Erhards Schwager, der Pensionär Dr. Karl Guth, reiste kreuz und quer durch Westdeutschland, um einen Auftrag seines Freundes Wilhelm Zangen auszuführen. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Mannesmann AG in Düsseldorf wollte sechs junge Manager auf ihre Eignung als Mannesmann-Generaldirektor getestet wissen.

Wilhelm Zangen, letzter Präsident des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, überfiel den ehemaligen Hauptgeschäftsführer des Reichsverbandes, Guth, bei dessen Rückkehr mit der Frage: »Wer ist der jüngste und beste?«

Der Auserwählte trat dieser Tage seinen Dienst als neuer Mannesmann-Chef an: Dr. Egon Overbeck, 44. Er wurde Nachfolger des Bergassessors a.D. Dr. Hermann Winkhaus, 65, der in Pension ging.

Overbeck stammt aus einer Beamtenfamilie der holsteinischen Kleinstadt Heide und hatte nach dem Abitur die Offizierslaufbahn bei der bespannten Artillerie eingeschlagen. Nach fünf Verwundungen war er 1942 zur Generalstabsausbildung und zur Kriegsakademie abkommandiert worden. Den Zusammenbruch erlebte der Major Overbeck als Ia (Erster Generalstabsoffizier) der 1. Infanteriedivision.

Die zivile Karriere des damals 29 jährigen begann bei einer kleinen Chemiefabrik in Lüneburg, wo er während seiner kaufmännischen Lehre nicht nur die doppelte Buchführung, sondern beim Aufbau des Betriebes auch das Mauern erlernte. An der Frankfurter Universität beendete Overbeck anschließend sein Studium der Wirtschaftswissenschaften als Diplomkaufmann und mit der Promotion zum Dr. rer. pol.

Die Metallgesellschaft AG in Frankfurt, bei der Overbeck sich schon seit seinem zweiten Semester das Geld für sein Studium erarbeitet hatte, ließ den ans Kommandieren gewöhnten jungen Mann schnell avancieren. 1951 noch Prokurist, wurde er fünf Jahre später Vorstandsmitglied der Vereinigten Deutschen Metallwerke AG, des bedeutendsten Tochterunternehmens der Metallgesellschaft.

Als Zangen-Emissär Guth den Jung -Manager vergangenen Herbst ins Frankfurter Hotel »Monopol-Metropole« einlud und ihn fragte, ob er Mannesmann-Generaldirektor werden wolle, erbat Overbeck sich zwei Tage Bedenkzeit. Dann sagte er zu: »Eine solche Offerte bekommt man nur einmal im Leben.«

In der Tat: Mannesmann honoriert den Spitzenposten des Konzerns mit einem Jahresgehalt von etwa einer halben Million Mark, wohingegen die Deutschen Metallwerke ihrem Vorstandsmitglied Overbeck nur 200 000 Mark zahlten.

Der 71jährige Zangen schickte den Aspiranten vor seinem Dienstantritt auf eine 60 000 Kilometer lange Reise durch das weltumspannende Mannesmann-Imperium. Zangen: »Er sollte Sachen und Leute kennenlernen.«

Die Mannesmann AG umfaßt zwischen Gelsenkirchen an, der Ruhr, Nova Lima in Brasilien, Calgary in Kanada, Izmir in der Türkei und Stockholm mehr als 130 Unternehmen der Kohle-, Stahl-, Röhren- und Verarbeitungsbranche. Sie beschäftigt 85000 Mann und erzielt einen Jahresumsatz von 4,6 Milliarden Mark. Als größter Röhrenproduzent der Montan-Union, exportiert die AG jährlich Fabrikate im Wert von 875 Millionen Mark. 120 000 Aktionäre haben der Firma 580 Millionen Mark Kapital anvertraut, mit dem nun Egon Overbeck zu wirtschaften hat.

Während der ehemalige Volksschüler Zangen in seinen 23 Dienstjahren als Generaldirektor (bis 1957) die wirtschaftliche Macht des Konzerns begründete und Herr-im-Hause Winkhaus 1958 durch die Umwandlung selbständiger Firmen in Betriebsabteilungen den Einfluß der DGB-Mitbestimmer abkappte (SPIEGEL 45/1958), obliegt es nunmehr Overbeck, Mannesmann auf dem Weltmarkt noch stärkere Geltung zu verschaffen.

Philosophiert Zangen: »Die Expansion der Konzerne, die weitergeht, droht zu scheitern an dem Mangel von Persönlichkeiten, die weltweite Verflechtungen überblicken können.« In Overbeck sieht Zangen den »universellen Wirtschaftler«.

Schon vor der Ernennung des revierfremden Nachwuchsmanagers hatte Zangen den versierten, grauhaarigen Mannesmann-Vorstandsmitgliedern, die sich Chancen für den Generaldirektorposten ausgerechnet hatten, mitleidlos bedeutet: »Wer um die sechzig Jahre herum ist, kommt nicht In Frage.«

Neuer Generaldirektor Overbeck

Wer um die sechzig ist...

Aufsichtsrotsvorsitzender Zangen

... kommt bei Mannesmann ..

Pensionierter Generaldirektor Winkhaus

... nicht mehr in Frage

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