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Pop Zapping im Cyberspace

aus DER SPIEGEL 29/1993

U 2 sind die Band, die sich Neil Postman nach einem Alptraum ausgedacht haben muß. Ihr Spiel mit programmierbarer Technik, verzerrten Medienbildern, künstlichen Gefühlen und artifiziellen Vorstellungen gleicht einem psychedelischen Zapping in Cyberspace. Auf ihrer neuen CD »Zooropa« treten die vier Iren eine digitale Reise durch die Popwelt des ausgehenden Jahrtausends an. Alles scheint möglich: Sänger Bono flüstert durch den Verzerrer, obskure Rapgruppen werden zitiert, die Countrylegende Johnny Cash singt, der Trinkerpoet Charles Bukowski muß als Vorbild herhalten. Alles ist Projektion: Die Songstrukturen werden gebrochen, verspiegelt und übereinander gelagert; die Rückkehr zur Authentizität ist unerwünscht. Brian Eno, der Mann, der seit gut 20 Jahren seinen Glauben an die Zukunft aufrechterhält, hat die Band dazu angehalten, zu improvisieren und Atmosphären zu schaffen. Das hat er auch schon mit David Bowie gemacht, Ende der siebziger Jahre, und heraus kamen die Platten »Low« und »Heroes«. Nur gelang ihm mit »Heroes« ein Klassiker, den U 2 ihrer ganzen postmodernen Totalvernetzung zum Trotz erst noch schreiben müssen.

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