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Briefe

Zauberworte Zeit und Zuneigung
aus DER SPIEGEL 35/2000

Zauberworte Zeit und Zuneigung

Nr. 33/2000, Titel: Die verwöhnten Kleinen

Jede Erziehung kann nur eine Hilfestellung zur Selbstedukation sein. Diese muss in eine emotionale Gesundheit und zur Toleranz gegenüber demokratischen Spielregeln münden.

WÜRZBURG BERNHARD FEGHELM

Es mag ja sein, dass manche Eltern ihre Kinder zu sehr verwöhnen und unserer Gesellschaft daraus zukünftig ein paar Probleme erwachsen. Wesentlich größere Probleme werden unserer Gesellschaft aber daraus entstehen, dass viele Erwachsene sich lieber selbst verwöhnen: Rund ein Drittel der Bevölkerung mag sich die Mühen und Kosten, die mit Kindern verbunden sind, gar nicht mehr zumuten. Wenn in 30 Jahren auf Grund der fehlenden Kinder der Pflegenotstand für alte Menschen eintreten wird, kann ich nur hoffen, dass unsere Kinder verwöhnt genug sind, den kinderlosen Alten zuzurufen »Pfleg dich doch selbst. Du hast dir in deinem Leben die Mühe mit Kindern erspart, nun ersparen wir uns die Mühe mit dir.«

MAINZ PROF. DR. HERMANN ADRIAN

Ich kann nur sagen: besser ein entspanntes, glückliches Einzelkind als mehrere gestresste Nervensägen, die sich gegen ständig nörgelnde, weil oft überlastete Eltern zur Wehr setzen müssen.

BERLIN NINE SCHAFF-OLAUSEN

Alexander Sutherland Neill habe ich auch gelesen. Nur komme ich zu einem anderen Schluss als der SPIEGEL, der die antiautoritäre Erziehung für gescheitert erklärt. Antiautoritäre Erziehung heißt ja nicht: Nichterziehung. Heute findet eine Nichterziehung statt. Die Kinder werden sich selbst überlassen. Materielle Wünsche werden unreflektiert erfüllt. Grenzen werden nicht aufgezeigt, die in einer Gemeinschaft herrschen. Das Elternhaus muss Regeln festlegen. So wie bei Neill die Schulgemeinschaft Regeln festlegte.

AALEN (BAD.-WÜRTT.) ANTJE U. ROWE

Dazu fällt mir die Bibel ein: »An ihren Frücht(ch)en sollt ihr sie erkennen": die unverantwortlichen Eltern und Großeltern, Pädagogen und Politiker, denen wir diese kranke Gesellschaft verdanken. Sie, und nicht die Kinder, sollten darum übers Knie gelegt werden.

HÜCKESWAGEN (NRDRH.-WESTF.) ERNST DITTRICH

Da haben Sie es mal wieder geschafft, mit einem guten Titel mich als Leser zu ködern. Doch Ihr Pseudo-Erziehungsberater blieb auf halber Strecke stecken: Meine Hochachtung vor Herrn Schmidbauer ist in keiner Weise gesunken. Seine Aussagen halte ich alle für richtig und wichtig. Trotzdem reduziere ich meine Erziehungsverantwortung bewusst auf folgende These: Kinder brauchen Struktur und Liebe. Das versuche ich nach bestem Wissen und Gewissen und erhoffe ein gutes Ergebnis.

LÜBECK FRANK NÖRDLINGER

Mit Scharfsinnigkeit haben Sie ein längst überfälliges Thema aufgegriffen. Ihr Beitrag sollte Pflichtlektüre für Familienbund und entsprechende Organisationen werden. Deren Forderungen und wiederholt geäußerte Behauptungen, Kinder seien ein Armutsrisiko, gehen an der Wirklichkeit vorbei. Überfüllte Flughäfen zur Ferienzeit und Kinderzimmer, die Spielzeug- oder Technikläden ähneln, zeigen andere Fakten. Diese heranwachsenden kleinen Egoisten, wie Ihr Artikel sie beschreibt, werden sicher weder willens noch in der Lage sein, »unsere Renten zu bezahlen«, wie Interessenverbände behaupten.

BONN DR. MARLIES MUEGGE

Schon seit langem sprechen wir bei verhaltensgestörten Kindern unserer Zeit vom W.-W.-Syndrom: Kinder der Wohlstands- und Wegwerfgesellschaft.

PUCHHEIM (BAYERN) PROF. DR. GERD BIERMANN

KINDERARZT

Darin liegt doch die Schwierigkeit für uns Eltern: Es gilt, die richtige Balance zu finden zwischen eher zeitaufwendiger emotionaler als materieller Verwöhnung, Kontrolle, die Freiräume lässt, und einer disziplinierten Laisser-faire-Haltung (nicht zu verwechseln mit Vernachlässigung) gegenüber den Kindern.

ASTFELD (NIEDERS.) BARBARA FREY

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem sehr differenzierten Artikel. Woher soll ein Kind in dem immer noch bestehenden Schulsystem erfahren, dass Denken eines der größten Vergnügen der Menschheit ist, dass Lernen glücklich macht und dass Wissen Freiheit bedeutet? In einer Gesellschaft, die auf das Glücksspiel setzt (vom Lotto bis zum Aktienkauf), ist es schwer zu entdecken, dass eigene Arbeit und Anstrengung mit all seinen Frustrationen und in der Regel unspektakulären Ergebnissen Zufriedenheit verschafft. Glück wird hier zu Lande als die Abwesenheit von (materiellen und sozialen) Problemen definiert, nicht als die eigene Haltung und Sichtweise dem ganz banalen Leben gegenüber.

HAMBURG MARGOT REINIG

Wie hart die Alternativen zur Ruhigstellung der Kinder durch finanzielle Bedürfnisbefriedigung sind - und wie wenig gesellschaftlich anerkannt -, erfahre ich tagtäglich. Und doch ist es machbar, wenn man seinen Nachwuchs nicht nur als ein im Bedarfsfall einsetzbares Statussymbol ansieht.

AUGSBURG HELGA GUTZEIT-KROLL

Ob wir nun in einer Erlebnis-, Spaß-, Verwöhn-, Wohlstands-, Leistungs-, Risiko-, Kommunikations- oder Informationsgesellschaft (je nach Soziologensicht) leben, die Kinder können nie besser sein als wir Erwachsenen.

BAD NEUENAHR-AHRWEILER HANS SCHOLZ

»Geben ist seliger denn Nehmen!« hieß es einmal. Auch Roller oder Reitstunden! Verwöhnen? Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, den Begriff zu definieren. So schlingert Ihr Artikel zwischen »Übersättigung« und »Liebe schenken« dahin, vermengt Unlogisches mit Vorurteilen und ein paar Binsenweisheiten, in deren Geflecht Herr Schmidbauer fast kentert. Kinder brauchen Eltern (und Lehrer) mit Herz und Verstand. Beides war bei Ihren »Experten« nicht so recht zu spüren.

HAMBURG JULIA BERENDSOHN

Zeit für die Kinder und Zuneigung bleibt das Zauberwort gegen Verwöhnung und Verwahrlosung. Doch das braucht noch seine Zeit.

ETTRINGEN (RHLD.-PF.) HARALD DUPONT

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