Zur Ausgabe
Artikel 8 / 79

ZEITUNGS-GELD.

aus DER SPIEGEL 6/1971

Schwedens sozialdemokratischer Finanzminister Gunnar Sträng möchte künftig zehn Prozent Steuer auf Zeitungs-Annoncen kassieren. Die Mehreinnahmen im Budget 1971/72 würden 0,23 Prozent -- 120 Millionen Kronen (85 Millionen Mark) von 52 Milliarden -- ausmachen, aber zu einem guten Teil -- so Sträng -- wieder In die Presse zurückfließen: 40 der 120 Kronen-Millionen sollen zur Aufpäppelung schwindsüchtiger Zeitungszwerge verwendet werden. Obwohl die Inseraten-Besteuerung erst noch vom Reichstag gebilligt werden muß, fielen Schwedens Blätter -- auch die kranken -- fast geschlossen über den Politiker her. Stockholms liberale »Dagens Nyheter« wertete den angeblich pressefreundlichen Plan als Gewinn-Umverteilungstrick sozialdemokratischer Ideologen: »Große Anzeigen-Organe wie »Dagens Nyheter' sollen gemolken werden«, aber diese Mildi werde das Zeitungssterben nicht verhindern, dem seit 1945 schon 75 Tageszeitungen zum Opfer gefallen sind, obgleich die Zahl der täglichen Zeitungskäufer um 30 Prozent (auf 4,5 Millionen) anstieg. Sträng: »Es irritiert mich, wenn ich in einer Zeitung vor lauter Anzeigen die Nachrichten nicht finde.«

Zur Ausgabe
Artikel 8 / 79
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.