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Zellen für Demonstranten

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aus DER SPIEGEL 52/1987

Die Sicherheitsbehörden der DDR stellen sich auf unruhige Zeiten ein. Im Ost-Berliner Gefängnis Rummelsburg wurde in den letzten Wochen ein eigener Nebentrakt für die Aufnahme größerer Mengen festgenommener Demonstranten hergerichtet: Im Keller des Gebäudes gibt es 15 bis 20 frisch geweißte, mit Gittern statt Türen versperrte Zellen, in denen jeweils 15 Delinquenten auf Bänken Platz finden. Im Erdgeschoß darüber befinden sich zahlreiche Vernehmungsräume. Bislang mußten Vopos und Stasi bei Krawallen die Festgenommenen in provisorischen, meist verschmutzten Arresträumen ohne sanitäre Einrichtungen unterbringen. Bei den Pfingst-Krawallen in der Nähe der Mauer anläßlich eines Rockmusik-Festivals in West-Berlin wurden mehr als hundert junge Leute in Geräteschuppen und Garagen gesperrt. Premiere, wenn auch in kleinem Rahmen, hatte die neue Anlage Mitte Dezember, als die Polizei dort für 30 Stunden sieben Mitglieder der Ost-Berliner »Initiative für Frieden und Menschenrechte« einrücken ließ. Die Festgenommenen hatten versucht, zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember beim DDR-offiziellen »Komitee für Menschenrechte« eine Petition zu übergeben.

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