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Türkei Zerbricht die Islam-Front?

aus DER SPIEGEL 5/1995

Die USA bedrängen die Regierung des Nato-Partners Türkei, einen Wechsel im Präsidentenpalast der umkämpften Republik Bosnien-Herzegowina diplomatisch zu unterstützen. Die westliche Vormacht fürchtet, Alija Izetbegovic könne unter den Einfluß islamischer Fundamentalisten geraten. Inzwischen gibt es erste Anzeichen, daß Washingtons Wunsch in Istanbul Gehör findet, obwohl die Türkei die bosnischen Glaubensbrüder bislang mit Waffenlieferungen im Gesamtwert von 40 Millionen Mark unterstützt hat. So häufen sich Kommentare, die Izetbegovic »gravierende politische Fehler« vorwerfen und ihn bezichtigen, den türkischen Staatsgründer Kemal Atatürk verächtlich gemacht zu haben. Die auflagenstarke Tageszeitung Sabah giftete den bosnischen Präsidenten gar als Kriegsprofiteur an, der Hilfsgelder auf Schweizer Privatkonten in Sicherheit gebracht habe. Der türkischen Regierungschefin kommt die Washingtoner Bitte womöglich nicht ungelegen. Tansu Ciller will die Fundamentalisten im eigenen Land zur Rechenschaft ziehen. Der Führer der türkischen Wohlfahrtspartei und enger Freund von Izetbegovic, Necmettin Erbakan, hat Spendengelder in Höhe von mehreren Millionen Mark für die bedrängten bosnischen Moslems sammeln lassen. Doch nur etwa 200 000 Mark sind in Sarajevo eingetroffen.

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