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Briefe

ZERRBILD
aus DER SPIEGEL 6/1964

ZERRBILD

Ich bin in vielen Fragen keineswegs mit der Linie Ihrer Zeitschrift einverstanden. Aber in diesem Falle muß ich Ihnen voll und ganz zustimmen. Wie ist es möglich, daß die »Bundeszentrale für politische Bildung« die Veröffentlichung eines derartigen Bildes als Illustration zum Amt des Regierungschefs zuläßt?

Bonn

FROMUND HELMES

Das von Ihnen glossierte überrealistische Kanzlerporträt ist nicht der einzige Schönheitsfehler des anspruchsvoll aufgemachten Kalenders der »Bundeszentrale für politische Bildung«. Bemekenswert erscheint auch die völlig einseitige Auswahl der Dargestellten. Von namhaften Nachkriegspolitikern sind Heuss, Ehlers, Schröder, Hallstein und de Gaulle je einmal, Lübke und Erhard je zweimal und Dr. Adenauer gleich fünfmal dargestellt.

Die Bundeszentrale als überparteiliche Einrichtung der politischen Bildung weiß natürlich ganz genau, daß im Deutschen Bundestag zwei Vizepräsidenten und rund 40 Prozent der Abgeordneten Sozialdemokraten sind, daß fünf Bundesländer, Tausende von Gemeinden und fast alle deutschen Großstädte sozialdemokratisch regiert werden. Dieser Tatbestand bleibt in dem aus Steuergeldern für alle deutschen Schulen hergestellten Kalender für Politik und Zeitgeschehen unberücksichtigt. Man darf jetzt schon auf den Kalender des Wahljahres 1965 neugierig sein.

Bonn

WOLFGANG SCHWABE

SPD-MdB

Erhard-Kalenderphoto

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