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Briefe

Zielvorgabe
aus DER SPIEGEL 7/1974

Zielvorgabe

(Nr. 41/1974, Affären: Aktenzeichen XY ... ungelöst)

Wenn sich der gute Herr Zimmermann entschließen könnte, sich nicht selbst im Mattscheibenbild zu zeigen und auch nicht selbst zu sprechen, würden seine Zuschauerzahlen sicher wieder zunehmen.

Hamburg WERNER KNOTH

In dem Artikel »Vorsicht Falle« wird uns die Absicht unterschoben, gleich. sam konspirativ und in lichtscheuender Weise handelnd ("unter Verschluß"), dem von Finanznot bedrängten TV-Fahnder Zimmermann Millionenaufträge zuzuschanzen ("daß Edes Gewerbe ... nicht stagniert ... ist ein Anliegen"). Richtig ist hingegen, daß die Beteiligten nicht etwa heimlich und von sich aus oder gar, um -- die ihnen im übrigen unbekannten und auch völlig gleichgültigen -- Zimmermannschen Vermögensverhältnisse zu sanieren, tätig geworden sind, sondern daß sie von dem »AK zwei« mit dem dienstlichen Auftrag in einen Ausschuß berufen wurden, »einen Vorschlag über die Höhe der Kosten zu erstellen, die bei den von der Innenministerkonferenz im Grundsatz bereits gebilligten Vorschläge zur Erarbeitung des kriminalpolizeilichen Vorbeugungsprogramms entstehen«, und bei »den Beratungen erforderlichenfalls Herrn Zimmermann zuzuziehen«. Inhalt und Umfang des Begriffes der »Verbrechensvorbeugung« sind in der Polizei umstritten. Unbestritten ist indessen, daß ein Betrag von zwei Millionen Mark für eine -- wie immer geartete -- »Verbrechensvorbeugung« keineswegs übersetzt ist gegenüber den etwa fünf Milliarden Mark, die jährlich verwendet werden, um mit der verfolgenden Verbrechensbekämpfung der Tat und dem Täter im Nachtrab hinterdrein zu hinken. Niemand im Ausschuß hat daran gedacht, daß Herr Zimmermann die allein der Polizei gemäße Verbrechensvorbeugung übernehmen oder daß er gar, wie der SPIEGEL andeutet, dafür bis zu zwei Millionen Mark kassieren solle. Wenn im Ausschuß die Mehrheit der Auffassung war, daß die Polizei in der so wichtigen Frage des wirksamen Ansprechens der Öffentlichkeit (wenn auch mit allen Vorbehalten wie »auf die Dauer eines Jahres« und nur nach »Zielvorgabe") auf die Beratung durch den Routinier Zimmermann nicht verzichten solle, so gehört schon ein hoher Grad an Böswilligkeit dazu, diesen Vorschlag unter der Überschrift »Affären« in den Bezugsrahmen der Korruption zu rücken.

Wiesbaden DR. HORST HEROLD Chef des Bundeskriminalamtes DR. MANFRED SCHREIBER Polizeipräsident von München DR. ALFRED STÜMPER

Ministerialdirigent im baden-württembergischen Innenministerium

Mit unbegrenzter Unterstützung durch den bundesdeutschen Polizeiapparat werden so monatlich immerhin risikolos drei bis sechs von mehr als 60 000. nach denen gefahndet wird, hinter Gitter gebracht. Betrachtet man die dafür anfallenden Kosten, so wird verständlich, daß Herrn Zimmermann wenigstens seine eigene Resozialisierung bestens gelungen ist. Dankbar sind wohl andere interessierte Leser für den Hinweis, daß man das Bundeskriminalblatt über einen Stuttgarter Herrn namens Stümper abonnieren kann.

München HENRI CHATIÈRE

Als ehemaliger Kripoleiter, der jahrelang in amtlicher Eigenschaft mit dieser Sendung leidvolle Erfahrungen sammeln mußte, gibt es nur einen Kommentar: Fort mit dieser gemeingefährlichen Sendung, die regelmäßig bei einem gewissen Teil der Zuschauer hysterische Hexenjagden auslöst.

Kassel F. NIEMEYER

Herr Zimmermann ist seit dem Jahre 1971 a. o. Mitglied unserer Organisation. Ein Ehrentitel »Sheriff h. c.« oder ähnliches ist ihm nie verliehen. Wir sind kein Karnevalsverein.

Nürnberg HELLDORFER International Police Association Präsident der Deutschen Sektion

Was regt man sich unnütz auf. Wieviel Labilen hat Zimmermann schon mit seiner Sendung ein paar gute Tips gegeben, wie man mit Erfolg krumme Sachen drehen kann.

St. Gallen (Schweiz) EDITH KÜNG

Die Redaktion des SPIEGEL behält sich vor, Leserbriefe gekürzt zu veröffentlichen

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