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BRASILIEN / DOMINIUM-BANKROTT Zirkus Ribeiro

aus DER SPIEGEL 39/1968

Die Direktoren haben ihre Firma gemolken wie eine Kuh«, schimpfte Brasiliens Finanzminister António Delfim Neto und stellte den Kaffee-Konzern »Dominium S. A.« in Sao Paulo unter staatliche Zwangsverwaltung. Die Vorstandsmitglieder hatten das Unternehmen, Lateinamerikas größten Pulverkaffee-Hersteller, vorsätzlich In den Bankrott getrieben.

Noch im sommer letzten Jahres schien der Kaffeekonzern auf einer Woge des Erfolgs zu schwimmen. Brasiliens Börsianer stürzten sich auf die Aktien einheimischer Pulverkaffee-Firmen, weil die Branche auf das beste Exportergebnis des Jahrhunderts zusteuerte: Das Nationale Kaffee-Institut Brasiliens hatte fünf großen Kaffee-Exporteuren Subventionen zur Steigerung ihrer Kaffee-Ausfuhr nach den USA zugestanden.

Den so ausgelösten Boom nutzten die Direktoren des Branchen-Riesen Dominium. Mit einem vielverheißenden Geschäftsbericht lenkten die Bosse den Run auf die Papiere ihres Konzerns. Laut Dominium-Chef Vincente de Paula Ribeiro war der Export des Unternehmens schon im abgelaufenen Geschäftsjahr um 500 Prozent emporgeschnellt, zwei Drittel des 80-Millionen-Mark-Umsatzes wurden als Reingewinn angekündigt. Als Ribeiro überdies den 45 000 Dominium-Aktionären 42 Prozent Dividende versprach, war die Spekulation nicht mehr zu halten.

Doch die schönen Versprechungen Ribeiros waren nur Fassade für ein großangelegtes Betrugsmanöver. Die Clique um den Firmenboß, zu der sieben Träger des Namens Ribeiro und einige hohe pensionierte Offiziere gehören, nutzte den Kaffee-Boom für ihre private Vermögensbildung.

Als Hebel zur Stärkung ihrer Eigenmittel diente den Ribeiros eine von den Aktionären genehmigte Kapitalerhöhung. Danach stand es der Dominium S. A. zu, etwa 40 Millionen junge Aktien in Umlauf zu bringen. Ribeiro und seine Freunde aber gaben insgesamt mehr als 62 Millionen Aktien an die Interessenten aus. Die Einnahmen aus den zusätzlich verkauften Papieren verschwanden in dunklen Kanälen.

Einen weiteren Coup landeten die Verschworenen im Juli vergangenen Jahres. Für zwölf Millionen Mark erwarben sie -- als privates Konsortium getarnt -- einen der größten brasilianischen Mühlenbetriebe, die Moinho Ingles 5. A. Einen Monat später veräußerten sie das Unternehmen an ihre eigene Firma: für rund 40 Millionen Mark. Die 28 Millionen Mark Handelsspanne teilten die Freunde still untereinander auf.

Zudem beschafften sich die Vorstandsmitglieder der Dominium private Kredite, für welche sie ihre Gesellschaft bürgen und blechen ließen. Überdies trieben sie die Verwaltungskosten der Konzernleitung durch fingierte Ausgaben innerhalb eines Jahres um 600 Prozent in die Höhe. Die stillen Erträge landeten auf Geheimkonten.

Weitere Geldquellen entdeckte der Vorstand im Grundstücksmarkt. Ribeiro und seine Mitarbeiter boten über 5000 Hektar Land dritter Qualität aus ihrem Privatbesitz sich selbst zum stark überhöhten Preis von zwölf Millionen Mark an und akzeptierten die Summe ohne Zögern. Die Dominium S. A. mußte die Kosten tragen.

Ende letzten Jahres teilte Firmensprecher VincenteRibelro den 45 000 erwartungsfrohen Aktionären mit, die angekündigte Dividende von 42 Prozent müsse leider ausfallen.

Im Mai dieses Jahres stellte das Kaffee-Unternehmen seine Geschäftstätigkeit ein. Bedauernd gestanden die Chefs: »Wir können die Verbindlichkeiten nicht erfüllen.«

Nur langsam freilich wurde den von Finanzminister Delfim Neto eingesetzten Spezialisten von Zentralbank und Bundespolizei klar, daß es mit dem Dominium-Bankrott seine besondere Bewandtnis hatte. Im August schloß Delfim Neto einen ersten Teil der Untersuchung ab und verfügte die Zwangsversteigerung der Pulverkaffee-Mühle.

Für die Initiatoren des Kaffee-Zirkus ist die Pleite weniger drückend als für die Aktionäre, die ihr gesamtes eingezahltes Geld verloren haben. Von Mai bis August zahlten sich die Chefs des Unternehmens noch 120 000 Mark Gehälter aus.

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