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Briefe

ZU ÄRGERN MEINE CHRISTEN
aus DER SPIEGEL 35/1968

ZU ÄRGERN MEINE CHRISTEN

(Nr. 32/1968 Jesus und die Pille)

Ihr »Gernegroß« hat sich also für die Rolle des »Möchte-Gern-Voltaire« entschieden. Die Vorstellung ist amüsant, wie er strampeln wird, um »gegen den Anspruch der römischen Kirche im ganzen Front zu machen«. Zunächst kam mir zwar der Gedanke, die zahlreichen falschen Behauptungen und Fehldeutungen richtigzustellen. Inzwischen habe ich vor dieser Herkules-Aufgabe kapituliert. Wirklich gespannt bin ich, wie Pater David sich in der Nachbarschaft des Augstein-Kommentars vorkommt. Die Gesamtheit der Redaktion möchte ich dringend bitten, meine Zeilen nicht abzutun als das Zeugnis jesuitischen Kadavergehorsams gegenüber »überholten Medizinmann- und Haruspexpraktiken« des Papstes. Folgenschwerer ist etwas anderes: Ich gebe es auf, mich weiter mit dem SPIEGEL zu befassen. Nach Augsteins Kommentar erscheint mir das endgültig als sinnlos.

Köln PATER KARL BREUNING S. J.

Herr Augstein hat der Sache mit seinem bissigen, in der ersten Enttäuschung und Wut geschriebenen Artikel keinen guten Dienst getan! Selbst wenn einer dem Vorgehen und den Schlußfolgerungen des Papstes nicht zustimmen kann, so kann doch wohl niemand der Persönlichkeit des Papstes, seinem Verantwortungsbewußtsein und seiner Gewissensnot seinen Respekt versagen.

Es würde sehr gut aufgenommen, wenn Herr Augstein in einer ruhigen Stunde auf die Angelegenheit zurückkommen würde.

Zürich DR. JAKOB DAVID

Jesuiten-Pater

Obwohl ich selbst nicht mit der Meinung der Enzyklika übereinstimme, muß ich Ihnen vorwerfen, daß Ihre Art, das Thema anzugehen, völlig unzulänglich ist. »Jesus und die Pille«, da bleibt nur noch zu sagen, daß man durch »und« eben alles verbinden kann.

Münster /Nrdrh.-Westf.) KUNO FÜSSEL

Die harten und klaren Worte von Rudolf Augstein in »Jesus und die Pille« sind sehr zu begrüßen. Vatikanische Ignoranz und Intoleranz haben in der Enzyklika »Vom menschlichen Leben« ihren Ausdruck gefunden. Diese Art unverantwortlicher Bevormundung, unmenschlicher Reglementierung und Vergewaltigung römischkatholischer Christen ist bornierte Anmaßung. Frankfurt

ERWIN SCHÖPPNER Diakon

Gratuliere zu Ihrem brillanten Artikel über Jesus und die Pille, der stimmen würde, wenn die neueste Enzyklika Pauls VI. wirklich das wäre, was sie scheint: Seine authentische

Erklärung über Ehefragen und die Geburtenregelung.

Aber gerade das kann ich nicht glauben. 1. Von der Persönlichkeit Pauls VI. her, die bestimmt intelligent, edel und wohlwollend ist. 2. Und auch von seinen Gesten her. Die Ansprache unmittelbar nach Erscheinen der Enzyklika. Und der Erklärung her, mit denen die Enzyklika angekündigt worden ist. Die Enzyklika sei weder ein unfehlbarer. noch ein irreversibler Entscheid des Papstes, das konnte nicht von sich aus gesagt werden, sondern nur auf höchsten Befehl. Deshalb meine ich: Der Sinn der Enzyklika ist nicht, ein authentisches Papstwort über Ehefragen und Geburtenregelung, sondern: 1. Ein kleiner Schuß vor den Bug der Progressisten, denen der Hl. Vater sagen will: Ihr müßt schon forschen, voranschreiten, streben, aber ihr müßt das vielleicht etwas langsamer, disziplinierter tun, denn Ihr seht ja, Ihr seid nicht allein in der Kirche und auf der Welt, es gibt auch noch die Traditionalisten, auf die man auch Rücksicht nehmen muß. 2. Aber vor allem aber ein lauter Schuß vor den Bug der Traditionalisten, denen der Hl. Vater, indem er eine Enzyklika unterschrieben hat, die genau ihren Gedanken entspricht, sagen will: Schaut, Ihr, die Ihr immer meint, man müsse das Rad der Geschichte zurückdrehen, die Ihr dauernd Angst habt, noch protestantisch zu werden, wenn es so weitergehe, seht, gerade wenn man das will, was Ihr wollt, dann geht"s nicht weiter. Auch wenn Ihr mich scheinbar auf Eurer Seite habt, aber Ihr seht ja an der Reaktion auf diese Eure Enzyklika, wohin das führt.

Dornach (Schweiz) P. O. DORNACH

Wollte Papst Paul VI. die »frommen Wünsche« seines Landsmannes Cecco Angiolieri (1258-1312) beherzigen; Wär ich der Papst, wie wird es mich ergötzen, zu ärgern meine Christen, die Halunken!!!«

Bonn ALFRED TÖPFER

Einem erfahrenen Arzt fällt auf, daß die scheinbar entgegengesetzten Ansichten des Papstes und Rudolf Augsteins in der Pillenfrage etwas typisch männlich Gemeinsames haben: einträchtig schieben beide den »Schwarzen Peter« in dem ganzen religiösphilosophisch-soziologischen Spiel der Frau zu! Sie alleine soll -- ob sie die Pille nimmt oder ob sie sie nicht nimmt, für die Empfängnis verantwortlich sein. Es ist aber vorwiegend, ja ausschließlich Sache des Mannes, dafür zu sorgen, daß die Frau, die er liebt, nicht ungewollt empfängt. Zwar sind die Männer im allgemeinen primitiv, zu triebverfallen, zu selbstsüchtig und zu ungeschickt dafür; aber wir sollten nicht mehr dulden, daß in der Familienplanung wieder einmal wie bisher immer alles Unangenehme

Worpswede (Nieders.) DR. GUIDO MÖRING

Hurra, wie schön! Endlich gab steh der Papst eine Blöße. Jetzt aber feste druff, Herr Augstein, mit all den Eselstritten, auf die Sie schon so lange verzichten mußten. Für unsere zünftigen Papsthasser war es ja auch wirklich bitter, zehn Jahre lang den Papst loben zu müssen oder wenigstens nicht angreifen zu können. Denn Johannes fand ob seiner Lauterkeit selbst vor den lauteren und so unbescholtenen Augen der SPIEGEL-Leute Gnade. Und die Friedensappelle von Papst Paul konnte man auch nicht gut in der Luft zerreißen. Es lebe »Humanae vitae«! Nun ist Euch endlich wieder wohl »als wie fünfhundert Säuen« Nebenbei: auch ich bedaure die Enzyklika.

Reit im Winkl (Bayern) ANDREAS GRUSER Pfarrer

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