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Briefe

ZU TRAURIG
aus DER SPIEGEL 38/1967

ZU TRAURIG

(Nr. 35/1967, Peter Brügge)

Peter Brügge sei herzlichen Dank für den Bericht über deutsche Automobilverkäufer. Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Es ist mehr als traurig, daß verschiedene Automobil-Hersteller beziehungsweise Händler im Laufe der letzten Jahre keine technisch und kaufmännisch versierten Automobilverkäufer angelernt haben; von einer psychologischen Kundenbearbeitung hält man nicht viel, technische Details sind von untergeordneter Bedeutung.

Bad Neuenahr HORST FELTEN Automobil-Raufmann

Was wollen Sie von den Verkäufern einer Automobilindustrie erwarten, die ihren Kunden auch in der dicksten Krise immer noch ungerührt zumutet, »Kaufanträge« zu unterschreiben, statt, wie unter gleichberechtigten Partnern im Wirtschaftsleben ansonsten üblich, »Kaufverträge mit ihnen abzuschließen?

Frankfurt HUBERT NACHTSHEIM

1959 verkaufte ich VW. Die monatliche Zuteilung konnte ich mühelos am Telephon verkaufen. 80 Prozent meiner Dienstzeit verbrachte ich in Cafés, wo ich Schach, Skat und andere Spiele lernte. Nach zwölf Monaten hatte ich das Luderleben satt. Wen wundert es, wenn es heute kaum qualifizierte Automobilverkäufer gibt: Die Arbeit in den letzten Jahren war einfach zu leicht. Die Werkstätten und Autohäuser kümmerten sich kaum um Verkaufsschulung: Verkaufsförderung, Marketing usw. sind in den meisten Betrieben Fremdwörter, obwohl die Hersteller sich alle Mühe geben, die Firmen in dieser Richtung zu unterstützen. Unsere Absatzflaute verhilft uns ganz sicher zu guten Verkäufern.

Jülich (Nrdrh.-Westf.) HELMUT RIED

Angeregt durch diesen fundierten Beitrag zum Thema »Automobilverkauf« wird nun der Absatzrückgang der Automobilindustrie völlig neu zu überdenken sein. Alle Faktoren, denen man bisher in Fachkreisen Bedeutung beigemessen hat, treten in den Hintergrund. Der Übeltäter ist der Automobil-Verkäufer! Er hat, das ist jetzt erwiesen, keine Fähigkeiten, die Interessenten zum Kauf seiner Ware zu veranlassen. Vielmehr macht es ihm eine diebische Freude, die wachsende Zahl unverkaufter Autos auf dem Grundstück seines Arbeitgebers zu sehen. Aber bevor bei dieser Einstellung das ganze Geschäft vor die Hunde geht, wird man sicher höheren Orts einen Ausweg wissen: Die »Zunft« der Automobil-Verkäufer sollte ausgelöscht werden und der Absatz über Automaten einer neuen Blüte entgegenstreben.

Zugegeben, das wäre die logische Konsequenz, hätten nicht auch wir eine Erklärung für das Testergebnis des SPIEGEL in Sachen Automobil-Verkäufer: Die weitaus meisten Verkäufer sind in der Lage, einen potentiellen Käufer von einem Tester zu unterscheiden. Je früher sie das erkennen um so höher ist ihr beruflicher und materieller Erfolg.

Köln BUNDESVERBAND DEUTSCHER AUTOMOBIL-VERKÄUFER E. V.

Ihr Bericht über die Verkaufsmethoden einiger Kollegen ist niederschmetternd. Bedauerlicherweise war Ihr Herr Peter Brügge nicht bei uns. Anruf genügt, ich komme auch sonntags zur Probefahrt!

Erlangen (Bayern) BERND SCHUBERT

Peter Brügges treffliche Satire über das laxe Gebaren deutscher Automobilverkäufer hat meines Erachtens die ganze Branche im Schnellverfahren umgekrempelt. Ergebnis eines kleinen Privattests vier Tage nach Erscheinen des Artikels: Drei Händler, die ich anrief, drängten mir eine Probefahrt förmlich auf, einer holte mich gleich von zu Hause ab. Trotz einfältiger Fragen ließ man mich sofort ans Steuer und sogar auf die Autobahn. Der Verkäufer verzog keine Miene. Sicher war er von seinem Chef ob des SPIEGEL-Artikels geimpft.

Hamburg STEFFEN KRAUSE

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