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Zumindest als Versuch erwünscht

Die Ansichten der Deutschen über die Gesamtschule
aus DER SPIEGEL 15/1980

Vier Antworten standen im November 1979 bei der bislang letzten Umfrage über die Gesamtschule zur Wahl. Lediglich Minderheiten sind für Totallösungen, bei denen es entweder nur Gesamtschulen oder überhaupt keine gibt. Die meisten wollen Mischsysteme. Die Gesamtschule soll

* »in Zukunft das einzige Schulsystem sein und alle anderen Schulen ersetzen«, meinten 9 Prozent der Befragten,

* »weiter ausgebaut und neben den bisherigen Schulen zusätzlich angeboten werden«, erklärten 31 Prozent,

* »als Versuch weitergeführt werden, um mehr Erfahrungen zu sammeln«, sagten 39 Prozent,

* »grundsätzlich abgeschafft werden«, forderten 18 Prozent.

40 Prozent der Bundesbürger wollen demnach mehr Gesamtschulen, als es heute gibt. Der Anteil der entschiedenen Gegner ist zwar nur etwa halb so hoch; aber auch unter denen, die weitere Gesamtschul-Versuche bejahen, dürfte vielen die herkömmliche Dreiteilung in Haupt-, Real- und Oberschulen lieber sein als die Gesamtschule. Offiziell segeln ja sogar die CDU/CSU-Kultusminister diesen Kurs, wie groß in Wahrheit ihre Aversion gegen diesen Schultyp auch ist.

Deutlich sind die Unterschiede je nach Parteipräferenz. Etwa die Hälfte der SPD- und FDP-Wähler, aber weniger als ein Drittel der CDU/CSU-Wähler spricht sich für die Gesamtschule aus und sieht in ihr mehr als einen »Versuch«. Gesamtschulen haben unter Deutschen mit Abitur mehr Anhänger als unter ehemaligen Hauptschülern.

Die Gesamtschule ist vor allem ein Eltern-Thema: Von den Befragten zwischen 30 und 50 Jahren erklärte die Mehrheit, von den jüngeren und älteren nur jeweils eine Minderheit das Thema für »sehr wichtig« oder »wichtig«.

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