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Zur Zeit sprachlos

aus DER SPIEGEL 30/1972

Die eigentlich Leidtragenden der doppelbödigen Deutschlandpolitik des Sudan sind sudanesische Studenten. Seit Jahren müssen mehrere hundert Sprachschüler abwechselnd bei den West- und den Ost-Deutschen pauken -- je nachdem, welche Seite gerade im Geschäft ist. Der Unterricht an Khartums Bonner Goethe-Institut wurde 1965 eingestellt. als der Sudan wegen der bundesdeutschen Anerkennung Israels die Schließung befahl. Die Umsiedlung ins örtliche Herder-Institut der DDR blieb nur von kurzer Dauer, denn kaum hatten sich des Sudans Beziehungen zu Bonn wieder normalisiert, machte Staatschef el-Numeiri »aus Gründen der Staatssicherheit flugs das Herder-Haus dicht. Die Deutsch-Kurse im -- inzwischen neu eröffneten -- Goethe-Institut lassen jetzt allerdings mehrere Monate auf sich warten, weil die Lehrkräfte noch nicht wieder angereist sind. Ost-Berlins Botschafter Kurt Böttger beim Cocktail-Plausch zu seinem Bonner Kollegen Michael Jovy: »Sie sind wohl augenblicklich wieder besser drin.«

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