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Briefe

Zurück zu Europas Wurzeln
aus DER SPIEGEL 5/2002

Zurück zu Europas Wurzeln

Nr. 2/2002, Serie: Auf der Suche nach der europäischen Identität; Christian Meier über das Erbe der Antike - Nr. 3/2002: Johannes Fried über die Verklärung Karls des Großen zum Vater Europas

Viele Nicht-SPIEGEL-Leser denken, der SPIEGEL bringe in erster Linie tagespolitische Themen. So entgehen ihnen so wunderbare Artikel wie die 1. Folge von »Europas Erbe«. Pflichtlektüre sollte der Artikel in den Schulen sein, und das Verständnis für geschichtliche Zusammenhänge wäre bei vielen jungen Leuten erheblich besser.

EHINGEN (BAD.-WÜRTT.) DR. RALPH DETZEL

Ein kretischer Bischof hat mir den sprachlichen Ursprung des Namens »Europa« ganz anders erklärt: »eu« von wohl, schön erfreulich (wie Euphorie), »op« von sehen (wie Optik), »r« ein parasitischer Übergangslaut, um den Hiat (Zusammenstoß mehrerer Vokale) zu vermeiden, und »a« die weibliche Endung. Europa also die wohl Anzusehende, die Schöne. Ist doch viel schöner als »düster und finster«. Sicher hat Zeus lieber eine Schöne als eine Finstere entführt.

GELNHAUSEN (HESSEN) GEORG WERCKMEISTER

Nicht nur in Erinnerung an die Anstrengungen der Griechisch-Abitursarbeit freue ich mich über Christian Meiers Artikel. Nach den letzten Jahren börsianischer Hybris und einer primitiven, von den Medien

propagierten Ich-Gesellschaft ist die Mäßigung nach griechischem Vorbild die richtige Medizin für das erkrankte Deutschland. Aber in einem Punkt kann ich Herrn Meier nicht zustimmen. Auch in der Zeit vor der Demokratie haben Herrscher die griechische Gesellschaft richtungweisend prägen können. So hat der athenische »Tyrann« Peisistratos im sechsten Jahrhundert v. Chr. mit der sehr geschickten Einführung der Dionysien das antike Theater begründet. Gerade dieses Beispiel einer kulturellen Heraklestat ohne Fokussierung auf Wählerstimmen wäre ein guter Appell an unsere Politiker gewesen.

HAMBURG HANNES SCHWANDT

Die Geschichte unseres Kontinents lehrt uns: Sein Ursprung ist unklar, der Europa-Gedanke stammt vom Sohn eines Spirituosenhändlers, vielleicht eine Schnapsidee?

OTTWEILER (SAARLAND) EDOUARD SCHOETTER

Karl, der große Europäer! Eine höchst unterhaltsame Biografie über diesen großen Mann. Das absehbare Ende der Nationalstaaten im Vereinigten Europa ist also die Umkehrung der historischen Entwicklung zurück zu Europas Wurzeln. Eines gefiel mir besonders: die Darstellung der Bedeutung Karls des Großen für die Entwicklung einer Wissens- und Vernunftgesellschaft in der westlichen Welt. Umso mehr eine traurige Erfahrung, sehen zu müssen, wie diese Bildungskultur durch Diskreditierung ihrer Werte ins Abseits gedrängt wird. Die verantwortlichen Günstlinge der realen politischen Macht sollten sich daran erinnern, dass die längerlebige Macht die des Wissens und der Bildung ist.

GIEßEN

PROF. ERNST PETZINGER

Sie schreiben, an der Pfundwährung Karls des Großen zu 20 Schillingen beziehungsweise 240 Denaren als echte Europa-Währung hätte auch das englische Königreich teilgenommen. Das Erstaunliche dabei ist, dass die Briten diese Währung im Prinzip bis 1972 beibehielten. Bis dann nämlich bestand das englische Pfund (Sterling) aus 20 Shilling beziehungsweise 240 d, was als »Pence« gesprochen, doch geschrieben mit »d« für »denarii« abgekürzt wurde. Erst seit der Dezimalisierung der englischen Währung 1972 werden die neuen Pence mit »p« abgekürzt. So behielten die Briten Karls Münzsystem am längsten, nämlich so an die 1200 Jahre bei.

SCHOPFHEIM (BAD.-WÜRTT.) DR. JOST F. NOLLER

* Darstellung der Entführung durch Zeus auf einer attischenVase aus dem fünften Jahrhundert v. Chr.

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