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USA Zwangsarbeit in Ketten

aus DER SPIEGEL 14/1995

Härterer Strafvollzug ist das neueste Heilmittel, mit dem amerikanische Politiker die Kriminalitätsangst ihrer Wähler zu besänftigen suchen. Überall in den USA werden Häftlingen derzeit private Fernseher entzogen, Zigaretten und der Empfang von Besuchern verboten. Im Bundesstaat Alabama sollen nun sogar die berüchtigten »chain gangs« wiedereingeführt werden: Gruppen von aneinandergeketteten Strafgefangenen, die an öffentlichen Plätzen Arbeiten ausführen. Bereits im April wird in Huntsville ein Gefängnisflügel mit 400 Betten ausschließlich mit Ketten-Häftlingen belegt werden. In Gruppen zu fünf Mann, mit Fußeisen und knapp 2,5 Meter langen Stahlketten aneinandergefesselt, sollen sie zwölf Stunden täglich Müll einsammeln. Kritiker verurteilen den Plan als »Sklavenarbeit« und halten die angeblich abschreckende Wirkung der Aktion für einen Vorwand, mit dem die Politiker den Bürgern Härte demonstrieren wollen. Selbst Bud Meeks, geschäftsführender Direktor der Nationalen Sheriffvereinigung, warnt: »Das funktioniert nicht, das ist entwürdigend.«

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