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Briefe

ZWÖLFTÖNER
aus DER SPIEGEL 13/1966

ZWÖLFTÖNER

Man darf Herrn Augstein dafür dankbar sein, daß er sich dazu hergegeben hat, das schwülstige Bla-Bla des CDU -Kronprinzen Rainer Barzel im »Rheinischen Merkur« zu zerpflücken und auch dem letzten Bundesbürger den haarsträubenden Quatsch solchen Wortgebastels vor Augen zu führen. Es dürfte immerhin nicht ganz einfach sein, sich auf das rhetorische Niveau unserer Politiker zu begeben und sei es auch nur zum Zwecke einer Analyse. Heidelberg PETER JACOBI

Ihr Barzel-Porträt sowie das Gemälde über die vernachlässigte Wissenschaft gehören in die National-Galerie. Sie haben sich mit beiden Bildern um das Vaterland verdient gemacht.

Norden (Niedersachsen) ALBERT WEERDA

Die Auszüge aus dem Barzel-Artikel »Die Demokratie braucht Führung« kommen mir vor wie Auszüge aus einem Krankenblatt.

Düsseldorf DR. W. LUTTERBERG

Ihr kritischer Bericht über Rainer Barzel ist aus zweierlei Gründen dankenswert. Zum einen, weil er (möglicherweise) doch bei manchen unkritischen Zuhörern das Mißtrauen gegen die großen Töne wecken könnte, die das beachtliche Selbstbewußtsein des Herrn Barzel mitunter so überzeugend klingen läßt. Zum anderen ist die Fairneß des Artikels ein gutes publizistisches Beispiel für ähnliche Berichte über politische Persönlichkeiten, da er das Persönliche beiseite läßt und auch auf ein Festnageln auf Äußerungen aus der Anfangszeit des Herrn Barzel verzichtet wurde.

München HERMANN BRÜCKNER

Daß der SPIEGEL das übelste Presseorgan in der Bundesrepublik ist, beweisen Sie erneut durch die neue Ausgabe. Sie, Herr Augstein, sind einer der übelsten Stimmungsmacher, die die demokratische Freiheit dazu benutzen, Leute, die nicht in Ihren engen Horizont passen, auf die gemeinste Art und Weise zu diffamieren.

Speyer (Rheinl.-Pfalz) WILLI LENZ

Wenn Herr Barzel erkennt und ausspricht, Anpassungsartistik sei eine Gefahr für Parteien und Politiker, dann muß ich sagen, dies ist eine Erkenntnis, deren geradezu philosophische Tiefe Herrn Barzel meine volle Anerkennung einbringt. Die Tatsache, daß Herr Barzel dem etwas verschwommenen Stil Erhards damit einen gutgemeinten, vielleicht schmerzhaften Klaps versetzt hat, bedeutet für mich, daß Barzel nicht der Ungeeignetste unter den kommenden Männern der CDU ist.

Bochum A. GOTTSCHALK

In seiner Betrachtung demaskiert Augstein nicht, wie er annimmt, Barzel, sondern sich selber. Ihm ist es offenbar mindestens unverständlich, vielleicht sogar unsympathisch, wenn ein mutiger Politiker endlich einmal Popularität durch Unpopularität fordert, sich gegen demoskopische Gefälligkeit und Anpassungspolitik wendet und statt dessen kraftvolle Politik, Forderungen, klare Akzente, Ziele, Grundsätze, Zukunftsbilder, vor allem aber Sachgerechtigkeit und Führung in den Vordergrund stellt.

Heidelberg

WOLFGANG FRICKHÖFER

Weshalb so grausam, Herrn Barzel einen »Schwafler« zu nennen? Er versucht doch nur, jeweils für eine Angelegenheit alle im Bereich liegenden Vokabeln heranzuholen.

In der Musik ist man toleranter. Da nennt man einen Mann, der alle existierenden Töne in einem Stück benutzt, einen »Zwölftöner«, eine Bezeichnung, an der niemand Anstoß nimmt.

Hamburg HERMANN ASMUS

Als Wähler im Wahlkreis Paderborn/ Wiedenbrück habe ich oft das Agieren des Herrn Dr. Barzel, der diesen Wahlkreis im Bundestag vertritt, in Wahlversammlungen, Sprechstunden und so weiter beobachtet. Ich bin zu dem Schluß gekommen, daß dieser Mann keine sachlichen Ziele leidenschaftlich verfolgt. Eine Art von Leidenschaftlichkeit ist bei ihm nur festzustellen, wenn er irgendeine Rechthaberei mit viel Pathos und verworrenen Sätzen, die wegen ihrer Undeutlichkeit meistens nie so recht angreifbar sind, für sich zu entscheiden sucht. Er ist ein Taktiker, aber nicht ein Taktiker wegen irgendwelcher sachlichen Zielsetzungen, sondern nur um seiner Karriere willen. Mein Eindruck ist, daß ihm einfach der politische Ernst und erst recht die staatsmännische Begabung fehlt. Typisch für ihn ist, daß er ernsthaften Fragen einfach mit dem in geschwollenen Worten vorgebrachten Hinweis auf die kommunistische Gefahr oder irgendwelche vorgebliche christliche Grundsätze begegnet.

Langenberg (Westf.) HEINRICH WOLLNER

Dank für die ebenso notwendige wie fällige Durchleuchtung des Herrn Barzel. Le style c'est l'homme: Die Wahrheit dieses Wortes von Buffon drängt sich einem beim Lesen der im SPIEGEL wiedergegebenen Abschnitte aus Barzels jüngster Veröffentlichung auf. Der Gedanke, daß ein Mann, der solche »grenzenlosen Schwafeleien« und solchen »Wandervogelschwulst«, kurz: einen solchen Stuß von sich gibt, einmal Kanzler und verantwortlicher Gestalter des Schicksals von 54 Millionen Menschen sein könnte, erfüllt einen mit Schaudern.

Bielefeld FRIEDRICH PFLANZ

Als ich in einer Illustrierten sah, daß Barzel als Mann des Jahres gefeiert wurde, dachte ich: armer Staat, wenn es so traurig aussieht.

Hamburg ERNST JOHANNSEN

Ihnen blieb es vorbehalten, den schon als Mann des Jahres Kreierten auf seinen tatsächlichen Wert zu reduzieren.

Villingen (Bad.-Württ.) OTTO ZIMMERMANN

Vor zwei Jahren wurde in Mainzer CDU-Kreisen ein böser Satz kolportiert: »Ich bin kein Barmop!« Der Betreffende wollte damit sagen, daß er kein Barzel -Mops sei. Ihm paßte nicht, daß Barzel die Vertreter der CDU so behandeln dürfe, wie ein Dresseur seine Möpse dirigiere und kommandiere.

Mainz J. KORNELIUS

Sie schreiben, ... »man« sähe solchen Wandervogelschwulst nicht gern ...! Wer ist »man«; doch nicht Sie und die der CDU feindlich begegnenden Intellektuellen. »Man« ist die Mehrheit der (chloro- und kon-)formierten Gesellschaft des bundesdeutschen Fußvolkes, die schon immer etwas für Geschwafel und für »Führer«, egal welcher couleur, übrig hatte. Darum ist Barzel der richtige.

Köln HANNS GROSSPETER

Sonntagsblatt

»Das wird immer schlimmer; jetzt darf man schon nicht mehr 'Barzel' sagen!«

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