Beobachtungsstudie zum Effekt von Musik Rapper Logic und sein Song über die Verzweiflung

Wie viel kann Musik bewirken? Der Rapper Logic hat ein Lied geschrieben, das nach der Nummer eines US-Hilfetelefons für Suizidgefährdete benannt ist. Eine Studie untersuchte den Effekt.
Rapper Logic bei einem Auftritt in US-Staat Illinois im November 2019

Rapper Logic bei einem Auftritt in US-Staat Illinois im November 2019

Foto: Daniel DeSlover / ZUMA Wire / IMAGO

1 800 273 8255. Das ist die Telefonnummer des Hilfetelefons zur Suizidprävention in den USA (National Suicide Prevention Lifeline ). Es ist aber auch der Titel eines Songs des US-Rappers Logic. Forschende haben nun in einer Studie herausgefunden, dass mehr Menschen Hilfe bei der Hotline gesucht haben, nachdem das Lied veröffentlicht und beworben wurde. Auch die Zahl der Suizide lag im beobachteten Zeitraum unter den statistisch erwarteten Zahlen.

Das Lied »1-800-273-8255«, das Logic zusammen mit Alessia Cara und Khalid veröffentlicht hat, handelt von einer Person, die die Nummer des Hilfetelefons wählt, weil sie nicht mehr leben möchte. Das dazugehörige Video zeigt einen jungen Mann, der wegen seiner sexuellen Orientierung diskriminiert wird, sich allein und falsch fühlt und niemanden zu haben scheint, mit dem er offen sprechen kann. Er bereitet sich darauf vor, sich das Leben zu nehmen. Doch dann wählt die Nummer des Hilfetelefons und überwindet schließlich seine Krise.

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Mithilfe von Twitter-Daten haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ermittelt, wann der Song besonders viel öffentliche Aufmerksamkeit erhalten hatte. Demnach gab es besonders viele Tweets im Kontext der Veröffentlichung des Liedes Ende April 2017, sowie mit Logics Auftritten bei den MTV Video Music Awards im August 2017 und den Grammy Awards Ende Januar 2018. Die Aufmerksamkeit hielt jeweils unterschiedlich lang an, insgesamt machten die Forschenden einen Zeitraum von 34 Tagen mit erheblicher Aufmerksamkeit aus.

Für ihre Studie, die im Fachmagazin »British Medical Journal«  (BMJ) veröffentlicht wurde, haben die Forschenden diese Ereignisse mit der Anzahl von Anrufen bei dem Hilfetelefon in Verbindung gebracht. In der Analyse zeigte sich, dass innerhalb der 34 Tage 9915 Menschen mehr die Nummer der Lifeline gewählt haben, als man erwartet hätte. Das entspricht einem Anstieg von 6,9 Prozent. Innerhalb der 34 Tage gab es auch 245 weniger Suizide als erwartet. Das entspricht einer Reduzierung um 5,5 Prozent. Die Daten zu den Anrufen beim Hilfetelefon und den erwarteten Suiziden stammen von der Lifeline selbst und der US-Behörde CDC.

Kein ursächlicher Zusammenhang belegt

Bei der Untersuchung handelt es sich um eine sogenannte Beobachtungsstudie. Kausale Zusammenhänge weisen solche Analysen nicht nach, wie auch die Autorinnen und Autoren schreiben. Hinzu komme, dass nachträglich nicht bestimmt werden konnte, ob die hilfesuchenden Menschen das Lied gehört oder die mediale Aufmerksamkeit wahrgenommen hatten oder nicht.

Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hier finden Sie – auch anonyme – Hilfsangebote in vermeintlich ausweglosen Lebenslagen. Per Telefon, Chat, E-Mail oder im persönlichen Gespräch.

Dennoch ist bereits bekannt, dass es Menschen Mut machen kann und sie möglicherweise einen Weg aus einer eigenen Krise finden, wenn andere offen darüber sprechen, wie sie Suizidgedanken überwunden haben. Expertinnen und Experten sprechen dann vom Papageno-Effekt. Auch die Forschenden der Studie schreiben, dass im Fall des Liedes von Logic dieser Effekt möglich sei. Ihre Studie deute darauf hin, dass Selbstmorde möglicherweise durch präventionsorientierte Kampagnen wie diesen Song reduziert werden könnten.

mar
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