"Hohe Anspannung für alle" So erleben Wuhan-Rückkehrer die Corona-Quarantäne

Mehr als 100 Evakuierte aus dem Corona-Gebiet müssen aktuell in einer Kaserne in der Pfalz ausharren. Kai Kranich vom Roten Kreuz über den Alltag in Quarantäne und Regeln für den Kiosk-Einkauf.
Ein Interview von Irene Berres
Ein Doppelbett in einem Zimmer in der Kaserne Südpfalz der Bundeswehr

Ein Doppelbett in einem Zimmer in der Kaserne Südpfalz der Bundeswehr

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Die Bundeswehr hat am Samstag mehr als 100 Personen aus Wuhan ausgeflogen, dem Epizentrum der Corona-Epidemie. Mindestens zwei Wochen müssen die Betroffenen nun in der Südpfalz-Kaserne in Germersheim ausharren. So viel Zeit kann vergehen, bis sich nach einer Ansteckung mit dem neuartigen Virus die ersten Beschwerden zeigen. Das Deutsche Rote Kreuz betreut die Betroffenen vor Ort. Wie sieht der Alltag in Quarantäne aus? Sprecher Kai Kranich berichtet.

SPIEGEL: Herr Kranich, mehr als 100 Wuhan-Rückkehrer sind aktuell in der Südpfalz-Kaserne in Germersheim in Quarantäne und hoffen, dass nicht doch noch ein Corona-Test positiv ausfällt. Wie sind sie untergebracht?

Kranich: Die Gruppe wohnt in einem frisch renovierten Gebäude der Bundeswehr. Ich war früher auch mal bei der Truppe, aber da gab es noch einen ganz anderen Standard. Wir sind sehr dankbar, dass wir einen solchen Ort gefunden haben. Alle Zimmer sind nur einzeln oder mit Familien belegt, haben eine eigene Nasszelle und - auch ganz wichtig - einen Fernseher und WLAN. Das ist gut gegen den Lagerkoller.

SPIEGEL: Ein Fernseher und WLAN - ist es wirklich so einfach?

Kranich: Natürlich nicht, daher ist es wichtig, dass mit den Bewohnern regelmäßig gesprochen wird und sie über die neusten Entwicklungen informiert bleiben.

SPIEGEL: Welche Regeln gibt es, damit sich möglicherweise Erkrankte nicht gegenseitig infizieren?

Kranich: Die Menschen sind angehalten, erst einmal auf ihren Zimmern zu bleiben. Sie nehmen dort auch ihr Essen ein. Verlassen sie ihr Zimmer, sollen sie Abstand halten, sich nicht die Hand geben und Atemschutzmasken tragen. Selbstverständlich versuchen wir auch die Beschränkungen so gering als möglich zu halten. Damit sich nicht alle über den Weg laufen, wurden die Bewohner in vier Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe hat eigene Ausgangszeiten, in denen sie das Gebäude verlassen kann. Ich habe Kinder gesehen, die mit ihren Eltern draußen gespielt haben. Einer Person wurde ermöglicht, morgens um sechs eine Runde zu joggen.

SPIEGEL: Gibt es sonst noch Anlaufstellen für die Bewohner, irgendeine Art von Infrastruktur?

Kranich: Die Helfer des DRK betreiben vor Ort einen Infopoint, eine Bibliothek und einen Kiosk. Auch hier gelten strenge Regeln, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. Will zum Beispiel jemand etwas im Kiosk besorgen, tritt er an den Tresen und zeigt auf den Gegenstand, den er braucht. Dann tritt er wieder zurück, damit der Helfer den Gegenstand auf den Tresen legen kann. Dann wiederum geht der Helfer zurück, damit die Person den Gegenstand nehmen kann und sich beide auf keinen Fall berühren.

SPIEGEL: Was sind das für Sachen, die im Kiosk verkauft werden?

Kranich: Hygieneartikel, Schnuller, Windeln und Babynahrungen sind aktuell besonders gefragt. Fehlt den Menschen etwas, können sie zum Infopoint gehen und die Bundeswehr bemüht sich, es zu besorgen. Das meiste, was sie brauchen, haben die Bewohner aber selbst eingepackt und mitgebracht.

SPIEGEL: Wie viele der Betroffenen sind denn Kinder?

Kranich: Aktuell sind 22 Personen unter 18 Jahren in der Einrichtung.

SPIEGEL: Wie würden Sie die Stimmung beschreiben?

Kranich: Die Situation bedeutet eine hohe Anspannung für alle. Viele haben auf dem Weg hierher sehr persönliche Geschichten erlebt, zu unserem Team gehören deshalb auch Psychologen. Bis jetzt sind aber alle freundlich und gelöst, sie haben großes Verständnis für die Regeln und sind sehr diszipliniert. Ich habe Fotos von Dankeschön-Bildern gesehen, die die Kinder für die Helfer vor Ort gemalt haben. Das ist schon ein tolles Zeichen.

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