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Arne Piepke & Maximilian Mann / DOCKS Collective

So geht es Deutschland in der Pandemie Wann wird's mal wieder richtig Leben?

Die Tage sind kurz und kalt, die Corona-Maßnahmen streng. Zwei Fotografen zeigen mit ihren Bildern, wie sich das für viele Menschen gerade anfühlt.
Von Nike Laurenz
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Kommt da noch was? Schwierige, drängende Frage im Januar 2021, der trotz Impfstoff-Hoffnung auch bedeutet: Der Weg ist noch lang, und jetzt gerade ist er vor allem hart wie gefrorener Schneematsch. Zwei Fotografen haben Menschen in ganz Deutschland für ihr Projekt »Die längste Nacht« auf diesem Weg begleitet. Im November des vergangenen Jahres fuhren Arne Piepke, 29, und Maximilian Mann, 28, mit ihren Kameras los. Die beiden sind Teil des Dortmunder Fotografenkollektivs »Docks« .

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Es ging zum Beispiel ins Seniorenheim, zu Marie Marta Fritzenkötter nach Oer-Erkenschwick. Im März 2020 infizierte sich die Frau mit dem Virus. Ihren 99. Geburtstag verbrachte sie allein, in Quarantäne. »Corona ist die schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg«, sagte sie den beiden Fotografen, »es hat sich dadurch viel verändert. Früher gab es Konzerte im Haus, heute habe ich Langeweile«.

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Normalerweise ist dieses Autokino in Essen immer gut besucht – nicht aber an diesem Tag im Dezember. Die beiden Fotografen fangen mit ihren Bildern den kollektiven Gemütszustand ein: die große Lähmung. Spazierengehen? Langweilig. Was Tolles kochen? Haben wir gestern schon gemacht, und vorgestern und vorvorgestern. Autokino? Nette Idee, aber... kann man bei laufenden Scheibenwischern Filme gucken?

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Die Einsamkeit der anderen: Seit zwölf Jahren arbeitet dieser Mann, der seinen Namen nicht veröffentlicht wissen möchte, bei der Telefonseelsorge in Dortmund. »Oft bin ich für die Anrufenden der erste Gesprächspartner des Tages«, erzählte er den Fotografen. Mit den steigenden Infektionszahlen habe es auch immer mehr Anrufende gegeben – die vom Alleinsein berichteten, von Lethargie, Jobverlust, Trauer.

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Um der Trauer Ausdruck zu verleihen, stellte Getrud Schop gemeinsam mit ein paar Helferinnen und Helfern in einer Gemeinde in Thüringen Kerzen auf, für diejenigen, die an oder mit dem Virus gestorben sind. »Eine Kerze für eine gestorbene Person ist das Mindeste, was ich machen kann«, sagte sie.

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Wohin mit uns, wenn alles geschlossen ist? »Mir fehlen die kurzen Begegnungen, die einem in der Gesellschaft ein Gemeinschaftsgefühl vermitteln«, erzählte David Storz, 24, den beiden Fotografen. Im Oktober zog er nach Aachen, infizierte sich wenige Wochen später mit dem Virus. Die Quarantänezeit habe er allein in seiner Wohnung verbracht, mit Fieber und abnehmendem Geschmackssinn.

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Währenddessen bestellten andere, die vielleicht auch ohne viel Abwechslung in ihren Wohnungen auf das Ende dieser Zeit warten, Klamotten, Möbel, Nahrungsmittel. Die Wagen der Lieferdienste sind seit Monaten extrem voll. Doch auch die Paketzustellerin oder der Paketzusteller sind, während sie all die Waren ausfahren: allein.

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Sie wollte Pilotin werden, nun hat die Lufthansa das Ausbildungsprogramm wegen der Krise eingestellt – und Alena Leudert, 27, sitzt zu Hause in Frankfurt am Main. Eigentlich ist sie Stewardess, hatte, um Pilotin werden zu können, bereits eine anderthalbjährige Vorbereitungsphase auf die Ausbildung hinter sich. »Mein Traum ist zerplatzt. Das zu akzeptieren, fällt mir sehr schwer.«

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Geburtstag feiern in völliger Isolation: Diese beiden Dortmunder verabredeten sich zum Feiern am Lagerfeuer. »Egal, wie alt die Menschen sind, egal, in was für Situationen sie gerade stecken: Einsam sind irgendwie alle«, sagt der Fotograf Arne Piepke dem SPIEGEL. »Mir hat unsere Reise bewusst gemacht, wie ernst es gerade um viele steht.« Piepke und sein Fotografenkollege Maximilian Mann waren teils tagelang unterwegs. Sie trugen FFP2-Masken, fuhren mit einem Mietwagen.

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Peter Bock und Laurence Hebel waren Besitzer eines Kölner Restaurants, dem Délibon. Sie beschäftigten 21 Mitarbeitende, der Laden lief seit seiner Eröffnung im März 2018. Dann kam Corona – und das Geschäft ging insolvent. »Es war sehr hart, es unseren Mitarbeitenden zu sagen«, erzählte Laurence Hebel den beiden Fotografen. »Der Sprung von einer Führungskraft zur Privatinsolvenz ist sehr krass. Hartz IV ist kein Spaß«, sagte Peter Bock.

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Was ist noch übrig von dem Leben, das wir kannten? Weil keine Zuschauerinnen und Zuschauer mehr in die Stadien dürfen, spielen Mannschaften vor leeren Rängen. Auch ein Spiel des VfL Bochum gegen Fortuna Düsseldorf wurde im November des vergangenen Jahres so ausgetragen.

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Heiligabend ohne die Lieben: Für Hugo Piepke, 87, aus dem Hochsauerland war es das erste Mal. Nur kurz wurde er von seinem Enkel, dem Fotografen, besucht.

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Und wie lange dauert das noch? Fragen sich sicher auch die spielenden Kinder vor dieser Dortmunder Wohnanlage. Bis die Gesellschaft eine Antwort bekommt, heißt es wohl für jeden von uns: durchhalten. Die hellen Tage werden kommen.

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