Allein allein (Symbolbild): Ich war gut darin, allein zu sein. Aber in der Coronakrise hat sich etwas verändert
Allein allein (Symbolbild): Ich war gut darin, allein zu sein. Aber in der Coronakrise hat sich etwas verändert
Foto: Borislav Zhuykov / Stocksy United

Eine Singlefrau erzählt Ich war ausgesprochen gut darin, allein zu leben – vor Corona

Ich gehöre zu den über 17 Millionen Singlehaushalten in Deutschland. Was ich in der Pandemie über mich selbst gelernt habe.

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Vor Corona saß ich manchmal auf meinem Balkon und beobachtete die alten Menschen, die auf wackligen Beinen aus einem Taxi stiegen, um auf dem Friedhof gegenüber ein Grab zu besuchen. Oft saßen sie danach auf der Holzbank direkt gegenüber von meinem Balkon. Ganz allein. Und ich überlegte mir oft: Ob sie wohl einsam sind?

An dem Tag, an dem ich merkte, dass etwas nicht stimmte, saß ein älterer Mann auf dieser Bank. Und plötzlich stellte ich mir vor, wie er mich womöglich wahrnahm. Frau auf Balkon, allein. Es war wie im Film, wenn auf einen Schnitt plötzlich ein Gegenschnitt folgt. Und ich stellte mir vor, wie der alte Mann sich bei diesem Anblick überlegte: Ob sie wohl einsam ist?

»Ich hatte, könnte man wohl sagen, schon immer eine gut ausgeprägte Einsamkeitsfähigkeit, wie das in der Einsamkeitsphilosophie heißt«

Ob ich einsam bin? Ich gehöre zu den über 17 Millionen Single-Haushalten in Deutschland und bisher war das nie ein Problem. Im Gegenteil. Acht Jahre habe ich allein in meiner Wohnung gelebt, und das meistens gern. Es gab Abende, da habe ich Verabredungen abgesagt, um allein und in Ruhe abends zu Hause zu stricken oder zu lesen. Wenn Besuch sich verabschiedete, spürte ich neben der Wehmut des Abschieds regelmäßig die Erleichterung darüber, wieder allein in meinen vier Wänden zu sein.

Ich hatte, könnte man wohl sagen, schon immer eine gut ausgeprägte Einsamkeitsfähigkeit, wie das in der Einsamkeitsphilosophie heißt. Ich war ausgesprochen gut darin, allein mit mir selbst zu sein.

Aber seit Beginn der Coronakrise hat sich etwas verändert.

Die meisten Menschen leiden erstaunlich wenig unter der Krise

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat vor einigen Monaten versucht zu erfassen, wie gut oder schlecht die Menschen den Lockdown verkraftet haben. Eine groß angelegte Umfrage ergab, dass die meisten Menschen erstaunlich wenig unter der Krise litten: Die meisten Indikatoren für psychische Belastungen waren unverändert. Es gab nicht mehr Befragte, die unter Depressionen litten als in anderen Jahren. Die Lebenszufriedenheit und das emotionale Wohlbefinden der meisten Befragten war unverändert. 

Nur ein Wert war stark gestiegen: Sehr viel mehr Menschen fühlten sich einsamer als bei den Befragungen in den Jahren zuvor.

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