Wenn die Großeltern auf die Kinder aufpassen (Symbolbild)
Wenn die Großeltern auf die Kinder aufpassen (Symbolbild)
Foto: iStockphoto / Getty Images

Ratgeber-Kolumne Wie sage ich meinen Eltern, dass sie nicht ganz so fähige Babysitter sind?

Frank L. will nicht, dass seine Eltern auf die Enkel aufpassen. Warum er das gerade nicht seinen Eltern mitteilen sollte, sagt Familienberater Mathias Voelchert.
Aufgezeichnet von Enrico Ippolito

Unsere Tochter ist fünf Jahre, unser Sohn acht Jahre alt. Seit Jahren bieten meine Eltern uns an, sich auch mal abends um unsere Kinder kümmern zu können. Meine Frau und ich haben uns immer dagegen gewehrt, weil wir das eigentlich nicht wollen. Sie meinen es gut, wollen uns mal einen Abend für uns schenken und uns das Geld für den Babysitter ersparen. Meine Eltern haben auch ein gutes Verhältnis zu unseren Kindern, und unsere Kinder lieben ihre Großeltern. Aber die akzeptieren einfach nicht die Grenzen und Regeln, die bei uns gelten und die für uns funktionieren. Das regt uns auf. Sie lassen unsere Kinder einfach alles machen: lange aufbleiben, Süßigkeiten bis spät abends essen et cetera. Am nächsten Tag müssen meine Frau und ich mit den Konsequenzen leben und alles wieder auffangen. Ich habe meinen Eltern bis jetzt immer wieder tausend Ausreden erzählt, warum sie nicht auf unsere Kinder aufpassen sollen und müssen, aber ich würde ihnen gerne einfach die Wahrheit sagen. Andererseits will ich sie nicht verletzen. (Frank L., 38 Jahre alt, Witten)

Als ich das Stichwort »nicht babysitterfähig« las, war ich sogleich auf Ihrer Seite, weil ich an Kleinkinder dachte, die nicht gut versorgt werden. Als ich weiterlas, »unsere Tochter ist fünf Jahre, unser Sohn acht Jahre alt«, war ich nicht mehr besorgt.

Warum? Weil ganz normale Kinder mit fünf und acht genau unterscheiden können, wer was sagt und erlaubt, und sich auch wehren können, wenn sie etwas nicht wollen. Wenn die Großeltern Dinge zulassen, die wir als Eltern nicht tun würden im Alltag, wie zum Beispiel das Langeaufbleiben oder Süßigkeiten bis spät abends, dann ist das ein bisschen das Privileg der Großeltern. Bei ihnen darf man ausnahmsweise Sachen machen, die bei den Eltern nicht drin sind. So sind Großeltern, und ich weiß, wovon ich rede: Ich habe selbst sechs Enkel (vier Bonusenkel). Ja, es ist nicht so einfach für Sie als Eltern am nächsten Tag mit unausgeschlafenen Kindern. So ist es. Dafür haben Ihre Kinder einen ständig wachsenden, guten, liebevollen Kontakt zu ihren Großeltern. Das ist ein Geschenk in der heutigen Zeit! Freuen Sie sich darüber!

Wie sage ich es?

Die beste Freundin entwickelt sich zur Egoistin, der greise Vater sollte besser nicht mehr Auto fahren, der Sex in der Ehe war schon mal aufregender. Es gibt Dinge im Leben, die müssen angesprochen werden. Aber wie? Wann ist der richtige Moment? An dieser Stelle geben vier Expertinnen und Experten im Wechsel Ratschläge, wie es gehen kann.

Haben Sie auch eine Frage an unser Team? Dann schreiben Sie an: wiesageiches@spiegel.de 

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Zum Schutz der Betroffenen werden die Angaben zur Person auf Wunsch verfremdet.

Wenn Sie das nicht wollen, bestellen Sie einen »Babysitter«. Ich empfehle Ihnen eher, die Großeltern einzusetzen, mit den bekannten Folgen. Und falls die Sorge besteht, dass Ihre Kinder dann von Ihnen dasselbe fordern wie von den Großeltern, sagen Sie schlicht und einfach NEIN. Das schadet ihren Kindern nicht, es frustriert nur. Und es ist gut, Frustration aushalten zu lernen, sie geschieht uns allen täglich Dutzende Male.

Ich habe also für Sie keinen guten Rat auf Ihre Frage: »Wie sage ich meinen Eltern, dass sie nicht ganz babysitterfähig sind?« Ich empfehle Ihnen im Gegenteil, das nicht zu tun, sondern diese Familienbande weiter entstehen zu lassen. Der wichtigste Satz in Ihrer Zuschrift war für mich: »Meine Eltern haben auch ein gutes Verhältnis zu unseren Kindern, und unsere Kinder lieben ihre Großeltern.« Damit ist alles gesagt, daraus resultiert ein gutes Bild, das in Ihren Kindern entsteht, wenn sie sich in ein paar Jahrzehnten an ihre Großeltern erinnern. Damit dieses Bild entstehen kann, braucht es Kontakt und Beziehung. Dieses Bild ist eine gute Verbindung zu den Wurzeln oder Ahnen ihrer Kinder, fördern Sie das. Ich wünsche gutes Gelingen.