Foto: Celine Yasemin

Intime Aufnahmen junger Paare Das Eine, das alle Menschen wollen

Manche Menschen fühlen den »normalen« Lebenslauf einfach nicht – und weite Teile der Gesellschaft betrachten sie dafür noch immer mit Skepsis. Eine junge Dortmunder Fotografin hat queere Menschen porträtiert.
Von Nike Laurenz
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Die Norm ist: irgendwann zwischen 25 und 35 heiraten, Flitterwochen, wenn man es sich leisten kann, dann das erste Kind, die Frau in Elternzeit, der Mann, der weiter arbeiten geht. Was aber, wenn man in diesen »Relationship Elevator«, in diesen Beziehungsaufzug, der immer nur eine Station weiterfährt, nicht einsteigen möchte? Oder gar nicht einsteigen kann, weil man nicht der Norm entspricht? Celine Yasemin  hat sich fotografisch mit diesen Fragen auseinandergesetzt. Sie hat Menschen porträtiert, wie hier Francis und Eli in Dublin, die sich den klassischen Rollenbildern nicht fügen.

Foto: Celine Yasemin
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Celine Yasemin ist 26 und lebt in Dortmund. Sie fing bereits vor einigen Jahren an, sich künstlerisch mit der LGBTQIA+-Kultur auseinanderzusetzen – hier eine Rückenansicht von Lucien, den sie in Arles vor die Kamera bat. Angefangen hat für Yasemin alles mit einer Erfahrung, die sie im Auslandssemester in Frankreich machte. Dort war sie Teil eines Freundeskreises, der sich für die Rechte von Queeren einsetzte, und sie lernte eine queere Frau kennen, die eine gute Freundin wurde – und die Yasemin erzählte, wie sie sich in ihrem Körper fühlt, was es für sie bedeutet, queer zu sein. »Bevor ich Mara kennenlernte, war ›queer sein‹ ein Begriff, mit dem ich nur wenig anfangen konnte«, sagt die Fotografin.

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Wie lieben wir, welche Erfahrungen und Neigungen prägen unsere Leidenschaft? Celine Yasemin fragte und suchte und fotografierte. Die einfühlsamen Aufnahmen zeigen ihre Freundinnen und Freunde und Bekannte, Menschen unterschiedlicher Kulturen und Hintergründe. Das hier sind Andy und Mathew in ihrer Wohnung in New York City.

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Die Fotos entstanden dort, wo wohl die meisten von uns schutzloser und echter als sonst sind: im ganz privaten Umfeld, im Bett, nackt, ungeschminkt. Alle Porträtierten eint, dass sie ein selbstbestimmtes Leben führen. Im französischen Arles entstand diese Aufnahme von Mara und Lucia.

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Hanlin küsst Victor. Mit ihrer Arbeit, sagt Celine Yasemin, wolle sie diejenigen erreichen, die anderen Lebensformen nicht offen gegenüberstünden. »Egal, wie man lebt und was man bevorzugt, ich denke, es wäre befreiend, wenn mehr Menschen über ihren Tellerrand schauen würden«, sagt Yasemin. »Ich würde mir mehr Verständnis in der Gesellschaft wünschen und weniger Verurteilung von bestimmten Konzepten oder Lebensformen.«

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Beim Fotografieren – hier ein Paar aus Köln – habe sie ihre eigene Art zu leben und zu lieben hinterfragt, erzählt die Künstlerin. Sie selbst sei mit Eltern aufgewachsen, die bis heute verheiratet seien: die ganz gewöhnliche monogame Ehe. »Ich habe von zu Hause aus gelernt, dass es in einer Partnerschaft niemanden Drittes, dass es für den einen nur den anderen gibt. Als ich später Menschen kennengelernt habe, bei denen es auch anders funktioniert, habe ich das als eine totale Befreiung der eigenen Vorstellungswelt empfunden. Sich davon zu lösen, dass es immer nur den einen Weg gibt.«

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Es sind diese existenziellen Fragen und Gedankenspiele, die Celine Yasemin in ihrer Arbeit antreiben. Sie beschäftigt sich auch in anderen Projekten mit der Identitätsfindung von Menschen und mit Gender, ist fasziniert von all jenen, die mit tradierten Rollenbildern und Klischees nichts anfangen können. Hier: Hanan aus Essen.

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Ihre Aufnahmen aus den vergangenen beiden Jahren hat Celine Yasemin in einem Buch versammelt, das im Dortmunder Kettler-Verlag  erschienen ist. »21 Grams« ist benannt nach dem Gewicht, das die menschliche Seele angeblich hat. Ein Denkmal zum Durchblättern, für mehr Akzeptanz und Vielfalt, und eine Anregung: Die anderen beim Denken zu beobachten, sich in die Lebenswelten der Abgebildeten zu begeben, innezuhalten: Lebe ich das Leben, das ich leben will? Mit der Sexualität, in der ich mich wohlfühle? Moritz und Lena, die beiden auf diesem Bild, denken und leben in Bochum.

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Bevor sie Menschen wie Hudson fotografierte (der für sie nackt auf einem Dach irgendwo in New York City posierte), studierte Celine Yasemin Fotografie in Dortmund. Gerade ist sie dabei, ihren Master zu machen und fotografiert ausschließlich Menschen, wie sie selbst sagt. »Es ist superschön, zu sehen, wie Menschen sich vor der Kamera öffnen, wenn man sie und ihr Thema ernst nimmt. Wenn der Mut wächst, sich zu zeigen, wie man ist, ist das jedes Mal sehr inspirierend für mich.«

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Bevor die Fotografin den Auslöser drückte, sprach sie mit ihren Protagonist:innen, manchmal stundenlang, sagt sie. So erfuhr sie, dass nicht immer leicht war, was auf manchen Fotos leicht aussieht: »Fast alle erleben Diskriminierungen im Alltag. Sie kennen die Blicke der anderen, die Beleidigungen, die manchmal auf der Straße kommen. Ein schwules Paar aus Frankreich, mit dem ich sprach, wurde sogar schon einmal körperlich attackiert, als es sich in der Öffentlichkeit an den Händen hielt. Und viele haben Eltern, die die Sexualität ihrer Kinder nicht akzeptieren oder nichts davon wissen.« Dabei, sagt Celine Yasemin, wollten alle Menschen doch nur das Eine: »Sie wollen sich ohne Angst fallen lassen und geliebt werden, wie sie sind.«

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