Neinsagen: "Vielen Erwachsenen fällt es schwer, Nein zu sagen, weil sie als Kind gelernt haben, sich anzupassen"
Neinsagen: "Vielen Erwachsenen fällt es schwer, Nein zu sagen, weil sie als Kind gelernt haben, sich anzupassen"
Foto: Javier Diez/ Stocksy United

Experten verraten ihre Abgrenzungsstrategien So lernen Sie, Nein zu sagen

Viele Menschen trauen sich nicht, anderen Wünsche abzuschlagen. Eine Sicherheitsmitarbeiterin, ein Erzieher und eine Psychologin erklären, wie es geht.
Von Tanja Schuhbauer

Giulia Guillau, 27, Sicherheitsmitarbeiterin, Ravensburg: "Ich werde dafür bezahlt, Nein zu sagen"

Giulia Guillau: "Als Frau muss ich oft deutlicher und bestimmter Nein sagen als meine Kollegen."

Giulia Guillau: "Als Frau muss ich oft deutlicher und bestimmter Nein sagen als meine Kollegen."

Foto: Marcel Fischer

"Ich werde oft beschimpft, wenn ich Nein sage. Das reicht von 'Komm Püppchen, drück doch mal ein Auge zu' bis hin zu 'dienstgeiles Miststück'.

Als Frau muss ich oft deutlicher und bestimmter Nein sagen als meine Kollegen. Ich bin 1,65 Meter groß, schmal, wiege rund 50 Kilogramm, habe große braune Augen, blondierte Haare, bin leicht geschminkt – freundlich und höflich. Einige denken da: 'Ach, mit dem Mädchen kann man ja diskutieren.'

Bei manchen Männern funktioniert die einfache Bitte, zum Beispiel ein Festzelt zu verlassen, auch mal mit einem charmanten Augenaufschlag. Es gibt aber Männer, bei denen das gar nicht gut ankommt, von einer Frau etwas gesagt zu bekommen. Auch bei Frauen erlebe ich unterschiedliche Reaktionen: Manche zeigen sich respektvoll und einsichtig. Andere verhalten sich mir gegenüber sehr zickig und lassen sich auch nichts sagen. Sie wissen: Bei einem Mann würden sie jetzt mit etwas Charme weiterkommen. Da braucht man Feingefühl, welche Ansage das Gegenüber braucht.

"Privat fällt es mir manchmal eher schwer, Nein zu sagen"

Als Sicherheitsmitarbeiterin habe ich verschiedene Einsatzorte: Vor Baumärkten zum Beispiel achte ich auf die Durchsetzung der Corona-Verordnungen, ich arbeite bei Veranstaltungen und kontrolliere Fahrkarten.

Wenn jemand in die Bahn einsteigt, auf mich zukommt und sagt: 'Entschuldigung, ich habe meine Monatskarte vergessen', dann sage ich schon mal: 'Okay, das passiert jedem einmal.' Meist kenne ich die Pendler ja vom Sehen.

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