22.000 betroffene Passagiere Spanair streicht Hunderte Flüge

Fast 650 gestrichene Flüge innerhalb von drei Tagen: Wegen massiver Zahlungsprobleme stellte die Airline Spanair am Wochenende überraschend ihren Betrieb ein. Allein in Spanien strandeten Hunderte Passagiere - andere Fluggesellschaften mussten spontan einspringen.

Am Boden gebliebene Spanair-Maschinen in Barcelona: Freitagabend ging der letzte Flug
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Am Boden gebliebene Spanair-Maschinen in Barcelona: Freitagabend ging der letzte Flug


Hamburg - Hunderte Passagiere saßen am Wochenende in Spanien fest: Die finanziell schwer angeschlagene Fluggesellschaft Spanair hat ihren Betrieb überraschend eingestellt und sämtliche Flüge gestrichen, zum Teil eine halbe Stunde vor dem geplanten Abflug. Weltweit waren spanischen Medien zufolge mindestens 22.000 Passagiere von den Annullierungen betroffen.

Die Regierung gab die Zahl der zwischen Samstag und Montag gestrichenen Spanair-Flüge mit 647 an. Der letzte Flug der Gesellschaft landete am Freitag um 22 Uhr. Danach mussten konkurrierende Fluggesellschaften wie Iberia, Vueling und Easyjet einspringen. Nach Angaben der Flughafenbehörde AENA beförderten sie und auch die Lufthansa mehr als 8000 der gestrandeten Passagiere.

Auf einem Flughafen in Mali saßen 170 Passagiere fest, rund 100 Spanair-Kunden kehrten mit einer Sondermaschine aus dem westafrikanischen Staat Gambia nach Spanien zurück.

Das spanische Verkehrsministerium erklärte, die Firma sei verpflichtet, sich um die betroffenen Passagiere zu kümmern. Insbesondere müsse sie ihnen den Ticketpreis erstatten und eine alternative Beförderungsmöglichkeit zur Verfügung stellen. Einige Passagiere beschwerten sich, dass sie zu allem Übel auch noch für Ersatztickets zahlen müssten.

Spanair erklärte zur Begründung der sofortigen Einstellung des Betriebs am Freitagabend, die Entscheidung sei angesichts der "mangelnden finanziellen Aussichten für die kommenden Monate" aus Vorsicht und zur Sicherheit getroffen worden. Die Leitung des Unternehmens bedauere die Lage und bitte alle Betroffenen um Verzeihung.

Bußgelder in Millionenhöhe möglich

Die Region Katalonien, die einer der wichtigsten Anteilseigner der Firma ist, hatte zuvor erklärt, dass sie wegen der "aktuellen Krise" der angeschlagenen Fluggesellschaft keinen neuen Kredit geben könne. Diese Entscheidung sei nach dem Scheitern der Verhandlungen von Spanair mit Qatar Airways über eine finanzielle Partnerschaft getroffen worden, hieß es. Die Region hatte im Januar 2011 Spanair einen Notkredit von 10,5 Millionen Euro gewährt. Spanair war auch zuvor massiv vom Staat unterstützt worden.

Die spanische Regierung kündigte am Samstagnachmittag Strafmaßnahmen gegen Spanair an. Wegen Verletzung der Regeln über Betriebskontinuität und Passagierrechte könne ein Bußgeld von bis zu neun Millionen Euro auf das Unternehmen zukommen. Das Verkehrsministerium erklärte, dass es wegen zweier schwerer Verstöße gegen das Gesetz über die Luftsicherheit gegen die Firma vorgehe. In beiden Fällen könnten demnach jeweils 4,5 Millionen Euro Strafe fällig werden.

Spanair ist nach Iberia, Vueling und Air Europa die viertgrößte spanische Fluggesellschaft. Sie ist Mitglied des internationalen Zusammenschlusses Star Alliance, zu dem auch die Lufthansa gehört.

Die Fluggesellschaft war vor allem innerhalb Spaniens aktiv. In Deutschland flog Spanair zuletzt Berlin, Hamburg, Frankfurt und München an. 2009 wurde die Tochterfirma der skandinavischen Fluggesellschaft SAS von spanischen Aktionären, darunter der Region Katalonien, übernommen.

Die 1986 gegründete Fluggesellschaft hatte 2010 einen Verlust von 115 Millionen Euro eingeflogen. Im Jahr 2009 hatte sie ein Minus von 186 Millionen Euro verbucht. 2011 beförderte sie insgesamt 12,5 Millionen Passagiere. Die Krise des Unternehmens hatte sich im August 2008 nach dem Absturz eines Flugzeugs auf dem Flughafen Madrid-Barajas drastisch verschärft. Bei dem Unglück starben 154 Menschen, danach wurde das Unternehmen umstrukturiert. Von den zuvor 4000 Angestellten wurden 1100 entlassen.

jus/AFP/dpa



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