Pilotenstreik in Skandinavien SAS hat bisher mehr als 4000 Flüge gestrichen

Seit sieben Tagen streiken die Piloten der skandinavischen Airline SAS. Etwa 380.000 Reisende waren bereits betroffen. Am Donnerstag wurden 709 Flüge abgesagt - mehr als zuvor.

Anzeigetafel am Flughafen in Oslo
DPA

Anzeigetafel am Flughafen in Oslo


Der Pilotenstreik bei der Airline SAS bereitet Urlaubern und Geschäftsreisenden noch immer Probleme bei ihren Flügen nach Dänemark, Norwegen und Schweden. Für Donnerstag wurden 709 Flüge gestrichen - so viele wie an keinem der sechs Streiktage zuvor.

Nach fast 24-stündigen Schlichtungsgesprächen in Oslo kamen die Fluggesellschaft SAS und ihre streikenden Piloten weiterhin zu keiner Lösung. Zwar gab es am Morgen erste Signale für einen Einigung - ein Durchbruch wurde bis zum Nachmittag aber nicht verkündet.

Die Piloten legten am vergangenen Freitag ihre Arbeit nieder. Seitdem sind an den sieben Tagen bis einschließlich Donnerstag 4015 Flüge ausgefallen, mehr als 380.000 Reisende waren laut SAS-Angaben davon betroffen.

Etliche Fluggäste saßen damit täglich auf den Flughäfen in Kopenhagen, Stockholm und anderen skandinavischen Städten fest. Auch zahlreiche Verbindungen nach Deutschland waren vom Streik betroffen. Von SAS-Partnern betriebene Flieger konnten dagegen abheben.

Situation ist laut Schlichter festgefahren

Die skandinavischen Pilotengewerkschaften, die 545 norwegische, 492 schwedische und 372 dänische Piloten vertreten, haben 13 Prozent mehr Lohn und eine bessere Planbarkeit der Arbeitszeiten gefordert. Die Piloten wollen für Lohnkürzungen und andere Zugeständnisse entschädigt werden, die sie 2012 eingegangen waren, als es dem Unternehmen finanziell besonders schlecht gegangen war.

SAS führt an, die Forderungen würden erhebliche Kostensteigerungen für die Fluglinie nach sich ziehen, die langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens und damit die Arbeitsplätze aller SAS-Mitarbeiter gefährdeten.

"Die Situation ist weiter sehr festgefahren. Es gibt gehörigen Abstand zwischen den Parteien", sagte Norwegens bei den Gesprächen vermittelnder nationaler Schlichter Mats Wilhelm Ruland am späten Mittwochabend. Es handele sich um den größten Arbeitskonflikt in Norwegen seit vielen Jahren.

SAS zeigte sich zuversichtlich, mit Rulands Hilfe eine Einigung zu erreichen. "Es ist der einzige Weg, den Konflikt zu lösen", sagte eine Unternehmenssprecherin. Unternehmenschef Rickard Gustafson erklärte, SAS bedauere die Probleme für die Kunden sehr und versuche, den Konflikt schnellstmöglich zu beenden.

Die norwegische Tochter SAS Norge kündigte am Dienstag an, das Arbeitsverhältnis mit etwa tausend Beschäftigten, darunter 930 Mitgliedern des Kabinenpersonals, vorübergehend ruhen zu lassen. Ein Sprecher sagte dem Sender NRK, Grund sei die "stressige und dramatische Situation für das Unternehmen".

SAS beschäftigte 2018 insgesamt 10.100 Menschen, davon etwa 2700 in Norwegen. Die norwegische Kabinengewerkschaft unterstützt den Pilotenstreik, wie Gewerkschaftschefin Anneli Nyberg der Zeitung "Aftenposten" sagte.

abl/dpa



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