Kuriose Wettbewerbe Schlammschlacht der Kicker

Tonnenschwere Busse ziehen, auf einem Klapprad im Kreis düsen und im Matsch Tore schießen: Bei verrückten Wettbewerben haben Hunderte Teilnehmer ihre Kräfte gemessen - sie belustigten Zuschauer von Osnabrück bis Ludwigshafen.


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Kuriose Wettbewerbe: Schlammkicker und Klappradler
Schwäbisch Hall - Kuriose Wettkämpfe gibt es nur in Großbritannien? Im Land der Gummistiefel-Werfer und Käseroller? Mitnichten! Die Deutschen holen auf und messen ihre Kräfte in den seltsamsten Disziplinen. Auch mit dem Ziel, in internationalen Meisterschaften mit den Briten zu wetteifern.

An diesem Wochenende ging es auf den Wettkampfplätzen Deutschlands besonders hoch her. Während bei der Deutschen Grillmeisterschaft in Baden-Württemberg alles im Zeichen des gegrillten Fleisches stand, lieferten sich Radel-Fans in Rheinland-Pfalz bei der ersten Klapprad-WM schweißtreibende Rennen - ohne Gangschaltung, versteht sich. Körperkraft war auch beim Buspulling und der ersten Deutschen Meisterschaft im Moorfußball gefragt.

Grillen ums Ganze in Schwäbisch Hall

Deutsche Grillmeisterschaft: Es geht um die Wurst
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Deutsche Grillmeisterschaft: Es geht um die Wurst

Um den Titel "Deutscher Grill- und Barbecue König 2012" traten am Sonntag 33 Teams bei der Grillmeisterschaft in Schwäbisch Hall an. Dafür hauten sie jede Menge Fleisch und anderes Grillgut auf den Rost. Zuerst noch im Regen, doch pünktlich zum ersten von sieben Gängen klarte dann der Himmel auf. Neben der 150-köpfigen Jury durften die erwarteten 50.000 Besucher Bratwürste, Spareribs und Chicken Wings kosten.

Das Team "Gut Glut" aus Bergisch Gladbach in Nordrhein-Westfalen holte den Titel als beste Griller Deutschlands. Am Rost standen keine Köche oder Catering-Experten wie bei den anderen Profiteams, sondern Architekten, Mechatroniker und ein IT-Spezialist. Bisher wurde "Gut Glut" unter anderem Deutscher Meister in der Kategorie "Bratwurst" und Weltmeister im Dessert-Grillen

Buspulling in Wolfenbüttel

Buspulling: Tonnenschwere Anhängsel
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Buspulling: Tonnenschwere Anhängsel

In einen Bus setzen und fahren lassen ist einfach. Einen Bus zu ziehen dagegen weniger. Das spürten die 16 Mannschaften, die am Sonntag im niedersächsischen Wolfenbüttel bei der deutschen Meisterschaft im Buspulling antraten - sie mussten einen mehrere Tonnen schweren Reisebus vor einem Publikum von mehreren hundert Menschen über die Ziellinie ziehen.

Muskeln waren wichtig, die Spielregeln des bunten Spektakels eher schlicht: festes Schuhwerk, gute körperliche Verfassung, keine technischen Hilfsmittel, Spaß an der Sache, möglichst viele Fans mitbringen und ganz wichtig: "Bitte den Bus heile lassen!"

Am Ende kamen die Gewinner sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern aus demselben Ort in Schleswig-Holstein, nämlich aus Bollingstedt bei Flensburg. Bei den Damen siegte die Mannschaft "Schneewittchen's der Zehn Zwerge", bei den Herren war es das Team "Zehn Zwerge A".

Das ausgefallene Kräftemessen wurde 2002 in Wolfenbüttel erfunden. Inzwischen gibt es Meisterschaften in vielen Bundesländern, aber auch in Österreich und in der Schweiz.

Klapprad-Rennen in Ludwigshafen

Klapprad-WM: Ohne Gangschaltung, aber mit Oberlippenbart
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Klapprad-WM: Ohne Gangschaltung, aber mit Oberlippenbart

Verkleidet im Stil der siebziger Jahre und mit einem obligatorischen Oberlippenbart schwangen sich am Samstag in Ludwigshafen rund hundert Radelwütige auf ihre Klappräder.

Bei der "World-Klapp" durften die Teilnehmer nur ohne Gangschaltung antreten und mussten als Erinnerung an die siebziger Jahre einen Oberlippenbart aufweisen. Bei dem Spaß-Event waren viele Amateure an den Start gegangen, aber auch echte Profis, etwa der mehrmalige Tour-de-France-Teilnehmer Udo Bölts.

Manche traten verbissen in die Pedale, andere winkten nach jeder 333-Meter-Runde in Richtung Publikum und lächelten. Schweiß rann unter dem Schnurrbart herunter. Die Beine wurden schwer, die Radler keuchten und pusteten. "Mindestens die Hälfte hatte auch den Ehrgeiz, in die Endrunde zu kommen", sagte Peter Zürker vom Pfälzer Klappverein, der das Rennen organisiert hatte.

Am Ende hatte Fahrradhändler Egbert Fecht die Nase vorne: Der 54-Jährige fuhr innerhalb einer Stunde 37,86 Runden und verwies die strampelnde Konkurrenz auf die Plätze. "Das ist ein wunderschöner Tag", sagte er im Anschluss an die Siegerehrung. "Das Klapprad habe ich mir erst letzte Woche zusammengebaut."

Moorfußball in Rieste

Moorfußballer: Hau weg die Matschkugel
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Moorfußballer: Hau weg die Matschkugel

Die Spieler standen mindestens bis zu den Knöcheln im Dreck, der Ball blieb in Pfützen oder Boden-Furchen liegen - bei der ersten Deutschen Meisterschaft im Moorfußball wühlten sich am Samstag rund 450 Fußballer fröhlich durch einen umgepflügten Acker in Rieste bei Osnabrück in Niedersachsen. Einen Schönheitspreis gab es nicht zu gewinnen bei dieser robusten Art des Fußballspiels, dafür aber die Teilnahme an der Weltmeisterschaft im Juli in Finnland.

Der Acker wurde stundenlang bewässert, um die beim Moorfußball obligatorische Schlammschlacht zu ermöglichen. Fünf Feldspieler und ein Torwart stehen dabei auf einer Fläche, die halb so groß ist wie ein normaler Fußballplatz. Jedes Spiel dauert zweimal zehn Minuten.

Die Spieler waren bald von oben bis unten mit Dreck besudelt, ihre Kleidung vom Einheitsbraun bedeckt. "Moorfußball ist so anstrengend wie Fußball am Strand. Man muss richtig gegen den Ball treten, trotzdem kommen die Pässe nicht an", bilanziert eine Spielerin. Schließlich setzte sich bei den Frauen eine Spielgemeinschaft aus der Region durch, bei den Männern gewannen die "Moormonen" aus Rieste.

abl/dpa/dapd



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