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Warnemünde: Erstes A-ja-Resort an der Ostsee

Foto: a-ja Resort

Neue Billighotelkette A-ja "Unser Design ist der Blick aus dem Fenster"

"Wellness für alle!" Eine neue Hotelkette will Vier-Sterne-Urlaub zum Schnäppchentarif bieten. Fürs Saunen, Planschen, Schlemmen müssen Gäste des A-ja nur zahlen, wenn sie den Service nutzen. Das neue Konzept stammt von einem, der schon die Kreuzfahrt umkrempelte.

Die nächste Revolution im Tourismus fußt auf zwei bitteren Wahrheiten: "Wir werden alle älter und wir werden immer ärmer." Für Horst Rahe sind diese sozioökonomischen Fakten kein Grund zum Verzweifeln. Er macht sie sich zunutze - und wird damit möglichweise viel Geld verdienen.

Am Osterwochenende wird in Warnemünde bei Rostock das erste A-ja-Resort  eröffnen, ein Clubhotel mit Baukastensystem, das sich Rahe ausgedacht hat: Der Gast zahlt einen niedrigen Preis für die Übernachtung (78 Euro im Doppelzimmer) und entscheidet Tag für Tag, ob er bereit ist, auch für Extras wie Frühstück, Sauna oder den Pool Geld auszugeben.

"Volkshotel" heißt das im Marketingsprech der neuen Kette, die in den nächsten sechs Jahren zwölf Häuser zwischen Ostsee und Alpen eröffnen will - das nächste in Grömitz in der Lübecker Bucht. Urlaub für alle, das ist Rahes Thema. Sein oberstes Prinzip: alles so gestalten, wie eine große Zahl von Menschen es sich wünscht - und Ferien zu Tiefstpreisen anbieten.

Es ist nicht das erste Mal, dass der heute 73-jährige Unternehmer ein Tourismussegment einer breiten Masse zugänglich macht. In den neunziger Jahren bot er mit der Aida-Reederei günstigere Kreuzfahrten als je zuvor an. Nun will er den Wellnessurlaub umkrempeln.

A-ja werde erfolgreicher sein als Aida, kündigt der gebürtige Hannoveraner in seinem Büro in der Hamburger Hafencity an, von wo aus er unter anderem die Deutsche Seereederei steuert, deren Inhaber er ist. Gemälde von alten Segelschiffen hängen in goldenen Bilderrahmen an der Wand, Modelle von Frachtern schmücken das Zimmer. Rahes Prognose klingt wie eine Kampfansage an sich selbst. Doch er ist nicht grundlos optimistisch: An Ostern und im Mai ist das Haus mit den 420 Betten bereits ausgebucht, sagt er. "Ich bin sicher, dass wir im ersten Jahr weit über 80 Prozent Belegung haben werden."

Wellnessurlaube für alle

Zwei- oder Vier-Sterne-Urlaub - das kann der Gast jeden Tag spontan entscheiden. Aber ist es wirklich eine touristische Revolution, die am Strand von Warnemünde gelandet ist? Ja, sagt Horst Rahe. Er will vor allem Menschen mit geringem Einkommen ansprechen. Viele Leute könnten nur 500 Euro pro Woche ausgeben, damit fiele die Wahl oft auf "Pensionen, in denen man hinter einem Plastikvorhang duschen muss". Ein Urlaub ohne Schwimmbad und Spa - das muss nicht sein, findet Rahe. A-ja, das sei "der Zugang zu einer Urlaubform, die immer wichtiger wird."

Immerhin stelle uns unsere Zeit vor große gesellschaftliche Herausforderungen. "Wenn wir länger arbeiten sollen, ist es auch wichtig, dass wir länger fitbleiben", sagt Rahe. Die A-ja-Resorts als Heilanstalt für gestresste Arbeitnehmer mit wenig Einkommen? Die Botschaft klingt etwas übertrieben. Doch Rahe ist sicher, dass viele Menschen auf das erste A-ja-Resort gewartet haben - nicht nur die arbeitende Bevölkerung. "Jetzt müssen Rentner nicht mehr in die Türkei fliegen, wenn sie eine Wellnessreise im Winter machen wollen." Gesundheitsurlaub für alle - und das auch im kalten Deutschland.

"Ich buche ja kein Zimmer, ich buche die Ostsee"

In der Tat scheinen viele Urlauber das Konzept zu schätzen, bevor das erste Haus überhaupt eröffnet hat. Nach Unternehmensangaben haben einige Gäste allein in diesem Jahr drei Urlaube gebucht, ohne das Hotel je von innen gesehen zu haben. Und ohne zu wissen, ob ihnen das Design gefallen wird. Die Einrichtung hat etwas von einer Wohnwagenausstattung der achtziger Jahre: Die Sofas in Braun- und Blautönen sind kastig geschnitten, die Tischchen asymmetrisch, um das Bett, das mitten im Raum steht, kann man goldgelbe Vorhänge ziehen.

An vielen Stellen im Haus wird der Sparzwang der Hotelbetreiber deutlich. Kein originell gestaltetes Foyer, kein Concierge, der die Gäste empfängt. Stattdessen eine recht karge Eingangshalle, in der ein Angestellter grüßt, der abends an der Bar Bier ausschenken wird. Oder später im angeschlossenen Kiosk Erdnüsse und Sixpacks Bier verkauft. Das Lädchen ist das erste, was der Gast vom Hotel sieht.

"Die Leute wollen das genau so", sagt Rahe. Über 20.000 Menschen seien in der Planungsphase dazu befragt worden, wie sie sich ihr Lieblingshotel vorstellen. Dabei kam heraus, dass Bett wie Bad komfortabel und der Fernseher groß sein müssen - und dass es für Regentage eine Sitzecke auf dem Zimmer geben soll. "Diese Grundbedürfnisse erfüllen wir." Und zwar auf 25 Quadratmetern - laut Rahe eine komfortable Größe - verglichen mit einer Kreuzfahrtkabine.

"Die Zimmer sind vielleicht nicht sehr individuell ausgestaltet", sagt der Unternehmer. Aber das sei auch nicht ganz so wichtig, weil man sich im Urlaub tagsüber viel draußen bewege. "Unser Design ist im Wesentlichen der Blick aus dem Fenster." Die Gäste haben aus allen Zimmern seitlichen Meerblick - ohne dafür extra zu zahlen. So wird das in allen Häusern sein, die auf das Hotel in Warnemünde folgen werden.

Das A-ja-Resort sei ein sogenanntes Labelprodukt, sagt Rahe: Wie der Kaffee bei Starbucks. Wie der Cheeseburger bei McDonalds. Wie Kussmund und Koje bei Aida. Solche Produkte machen die Welt erwartbar, sie erfüllen die Wünsche der Massen, machen zufrieden. "Das ist unsere Zeit", glaubt Rahe. "Es gibt nichts Schöneres, als offene Türen einzurennen."