A la Christo Schweizer Gletscher wird in Folie verpackt

In den Schweizer Alpen entsteht kein neues Christo-Kunstwerk, und doch werden riesige Mengen Verpackungsmaterial auf 3000 Meter Höhe geschafft: Der Gurschengletscher soll vor dem weiteren Abschmelzen geschützt werden.


Folie für den Gletscher: Der Gurschengletscher hat sich in den letzten 15 Jahren um 20 Meter von der Bergstation zurückgezogen
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Folie für den Gletscher: Der Gurschengletscher hat sich in den letzten 15 Jahren um 20 Meter von der Bergstation zurückgezogen

Andermatt - Der Gurschengletscher schmilzt. Besonders der heiße Sommer 2003 hatte dem ewigen Eis im Schweizer Skiort Andermatt zugesetzt, erhebliche Teile verschwanden. Sogar die Sportbedingungen haben sich verändert. Nun schreiten die Schweizer ein. Eine "Frischhaltefolie" soll einen Teil des Gletschers vor der Sommersonne schützen, indem sie die Strahlung fast vollständig reflektiert. Dafür haben die Andermatter Gotthard-Bahnen rund 2500 Quadratmeter Spezial-Vlies für circa 100.000 Schweizer Franken (64.000 Euro) erworben.

Die Folie wurde am Dienstag in fast 3000 Meter Höhe über eine Ski-Abfahrtsrampe, über Felspartien und Firn gelegt. "Wir decken versuchsweise den obersten Bereich des Gurschengletschers auf einer Fläche von 3000 Quadratmetern ab", hatte Carlo Danioth, Pisten- und Rettungschef der Bergbahnen Andermatt, der Schweizer "Sonntagszeitung" bereits im März erklärt. "Bei positivem Testverlauf werden wir uns überlegen, auch andere Gletscherteile oberhalb von 2600 Metern mit Folie einzupacken." Auch anderswo seien Gletscherschutzfolien ein Thema. Die Bergbahnen Saas Fee wollten den Feegletscher schützen. Die Folienidee stamme aus Österreich.

Patient Gurschengletscher: Die Klimakatastrophe hat die Schweiz erreicht
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Patient Gurschengletscher: Die Klimakatastrophe hat die Schweiz erreicht

"Die Klimakatastrophe hat nun auch einen der reichsten Orte der Schweiz erreicht", betonte Martin Hiller von der Umweltstiftung WWF. Der WWF sei "im Geiste bei den Andermattern", da diese nun wie die Menschen in Asien oder anderen armen Regionen der Welt am eigenen Leib die Folgen der vom Menschen verursachten Klimaveränderung zu spüren bekämen. Es sei nun Aufgabe der Politiker, endlich zu handeln, sagte Hiller, das Abdecken sei schließlich keine grundsätzliche Lösung.



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