A380 Airbus testet ersten Jet mit alternativem Kraftstoff

So grün verließ noch kein Jet den Boden: Mit dem A380 hat zum ersten Mal eine Passagiermaschine einen Flug mit nahezu schwefelfreiem GTL-Kraftstoff aus Erdgas absolviert. Mit geeigneten Biokraftstoffen rechnet der Flugzeugbauer Airbus aber erst in vielen Jahren.


Bristol - Angesichts hoher Ölpreise und steigender Umweltbelastung sucht die Flugzeugbranche seit Jahren nach Alternativen zum Kerosin. Heute hob erstmals ein zum Teil mit alternativem Kraftstoff betankter Super-Airbus A380 ab. Der Testflug führte vom britischen Filton zum Konzernsitz im drei Stunden entfernten Toulouse in Frankreich.

Grüner, sauberer, leiser: Mit diesem Schriftzug startete der A380 heute zum Testflug mit GTL-Kraftstoff.
DPA

Grüner, sauberer, leiser: Mit diesem Schriftzug startete der A380 heute zum Testflug mit GTL-Kraftstoff.

Eines von vier Triebwerken wurde für den Testflug mit dem Synthetik-Gas versorgt, der Rest traditionell mit Kerosin. Airbus hatte im November eine Vereinbarung mit dem Kunden Qatar Airways, dem Energiekonzern Shell und dem Triebwerksbauer Rolls-Royce über die Nutzung von Naturgas als Flugzeugtreibstoff unterzeichnet.

Die sogenannten GTL-Kraftstoffe ("Gas-to-Liquids") böten bei der Verbrennung Vorteile gegenüber dem bisher in der Luftfahrt gebräuchlichen Kerosin, erklärte Airbus. So sei der Flüssiggastreibstoff praktisch frei von Schwefel.

Airbus sieht den Test als Schritt zum Einsatz von Kraftstoff aus nachwachsenden Rohstoffen: "Sobald geeignete Biokraftstoffe der zweiten Generation in genügender Menge verfügbar sind, wird Airbus auch hier mit den Tests beginnen", erklärte das Unternehmen. Dies sei aber nicht vor dem Jahr 2020 denkbar. Heute verfügbare Biokraftstoffe sind nach Expertenmeinung wegen ihres geringen Energiegehalts nicht für Flugzeuge geeignet.

Die Bedeutung von GTL für den Klimaschutz sind allerdings noch gering: Nach Airbus-Angaben wird genauso viel klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) wie beim Kerosin ausgestoßen. Außerdem ist die verfahrenstechnische Umwandlung des Erdgases in Kraftstoff sehr teuer. Mit der größten Einzelinvestition der Unternehmensgeschichte baut der Mineralölkonzern Shell derzeit in Katar eine riesige GTL-Pearl-Anlage. Sie soll in drei Jahren ihren Betrieb aufnehmen.

Airbus-Chef Tom Enders wünscht sich noch mehr Engagement für die Forschung nach Kerosin-Alternativen: "Kraftstoff und Energie sind Kern-Herausforderungen für die Luftfahrt", sagte er. Notwendig sei eine Zusammenarbeit über Branchen- und Ländergrenzen hinweg.

Die Forscher stehen unter Zeitdruck: Bis 2050 werde sich die Nachfrage nach Kraftstoffen verdoppeln und damit werde auch der Ölpreis steigen, sagt Sébastien Rémy, zuständig bei Airbus für die Erforschung alternativer Kraftstoffe. Den Test mit GTL-Treibstoff bezeichnete er als "Meilenstein".

Im Wettstreit mit Konkurrent Boeing ist Airbus mit seinem heutigen Testflug zumindest zeitlich eine Nasenlänge voraus: Erst im Laufe diesen Monats will Boeing erstmals eine 747 mit Bio-Treibstoff in die Luft schicken - um welche Kerosin-Alternative es sich handelt, ist nicht bekannt.

reh/AFP/dpa



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