Bahn Das Aus für das Schönes-Wochenende-Ticket

Vor 24 Jahren war die Freude groß: Für ein paar Mark per Bahn durch ganz Deutschland! Jetzt wird das Wochenendticket abgeschafft. Aber es gibt Alternativen. Nicht nur bei der Bahn.

Regionalbahn: Künftig ohne Schönes-Wochenende-Ticket
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Regionalbahn: Künftig ohne Schönes-Wochenende-Ticket


Zu fünft quer durch Deutschland, für nur 15 Mark! Okay, in Bummelzügen, aber dieses Angebot war unschlagbar: 1995 führte die Deutsche Bahn das Wochenendticket ein, ein Pauschalpreis für alle Regionalzüge. Und die Bürger machten sich auf: Kegelklubs, Studenten, Fußballfans, Junggesellenabschiede - nur drei Mark pro Nase, blieb mehr für Getränke.

Viele Millionen Menschen stiegen mit der Wochenend-Flatrate in die Bahn. Doch am Samstag ist Schluss. Zum letzten Mal werden die Automaten an Deutschlands Bahnhöfen das Stück Papier auswerfen, das inzwischen viel teurer ist als zu Beginn.

"Das Schönes-Wochenende-Ticket darf in den Ruhestand gehen", heißt es bei der Bahn. "Mangels Nachfrage und zur Vereinfachung der Tarifstruktur." Fahrgastvertreter sprechen von einer Zäsur. Denn die Geschichte des Tickets zeigt auch, wie sich die Zeit für die Bahn und ihre Kunden in 24 Jahren geändert hat.

Überfüllte Züge, Chaos bei der Kontrolle

Die Neunzigerjahre, da hatte man gerade die Bundesbahn hinter sich gelassen. Die Behördenbahn sollte ein richtiges Unternehmen werden. Und sie machte den Kunden ein echtes Lockvogel-Angebot: Die 15-Mark-Flatrate brachte an den ersten Wochenenden Chaos. Züge waren hoffnungslos überfüllt, Reisende blieben am Bahnsteig zurück.

Wer gehört zu wem? Schaffner stiegen im Getümmel nicht mehr durch. In der Bahn ging es zu wie am Wühltisch im Schlussverkauf. Gewerkschaften polterten: "Tarifpolitischer Schwachsinn".

Die Folge: Preisaufschläge und Beschränkungen des Tickets, zeitweise bei der Zahl der Reisenden, schließlich auf nur einen Tag. Überfüllte Züge gab es dennoch, die Bahn klagte über dreckige Wagen und Vandalismus, zuweilen musste der Grenzschutz Züge räumen.

Knapp sieben Millionen Karten wurden allein im Jahr 2000 verkauft. "Hat noch einer ein Wochenendticket?", fragten fahrscheinlose Reisende in Abteilen. Man nahm einander mit, mancher gab das Ticket an der Endstation weiter. Für ein paar Mark oder - später - Euro.

Und heute? Wer viel Zeit hat und wenig Geld, der ist nicht mehr auf Bummelzüge angewiesen. Fernbusse sind oft billiger, wenn auch nicht schneller. Millionen Fahrgäste nutzen Mitfahrzentralen, die in den Neunzigern noch mit Karteikästen arbeiteten. Heute formen sie mit Apps und Algorithmen viel mehr Fahrgemeinschaften. Billigflieger sind selbst auf Inlandsstrecken unterwegs.

Mit 44 Euro zu teuer geworden

Die Bahn hat Konkurrenz bekommen - und lockt doch selbst immer mehr Kunden. 2,6 Milliarden Reisende waren es im vergangenen Jahr, rund eine Milliarde mehr als zu der Zeit, als sich die Manager das Wochenendticket ausdachten.

Es gibt Sparpreise und Super-Sparpreise, gegen die das Wochenendticket mit zuletzt 44 Euro für Alleinreisende schon recht teuer sein kann. Um es weiter anzubieten, hätte man es noch teurer machen müssen, heißt es bei der Bahn.

"Wir haben ein lachendes und ein weinendes Auge", kommentiert Karl-Peter Naumann als Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn das Ende. "Das Wochenendticket war ein tolles Pauschalticket, aber je übersichtlicher die Angebote, desto besser."

Denn andere Karten bieten Ähnliches wie das Wochenendticket, und zwar an jedem Tag: Das Länderticket innerhalb einzelner Bundesländer für 23 Euro und das bundesweit gültige Quer-durchs-Land-Ticket für 44 Euro für Alleinreisende, plus 8 Euro für jeden Mitfahrer.

Das sind andere Dimensionen als die umgerechnet 7,67 Euro für fünf Leute, die das Wochenendticket zum Start kostete. "Das war zu wenig", meint Naumann. "Verkehr muss nicht so günstig sein, dass er künstlich erzeugt wird. Das System braucht auch Geld."

Vorteile sind dahin

Die Bahn steckt im Sanierungsstau. An vielen Stellen im 33.000 Kilometer langen Netz wurde jahrelang nur das Nötigste gemacht, manche Stellwerke sind museumsreif. 54 Milliarden Euro seien nötig, das Netz auf Vordermann zu bringen, heißt es beim Konzern, den knapp 20 Milliarden Euro Schulden plagen. Über frisches Geld wird mit dem Bund verhandelt, ein Teil des Auslandsgeschäfts steht zum Verkauf.

Das wird die Kunden am Fahrkartenautomaten wenig kümmern. Aber sie werden bemerken, dass der Wechsel vom Wochenendticket auf das Quer-durchs-Land-Ticket für sie Abstriche bringt: Dass es erst ab neun Uhr gilt statt ganztägig, dass es für Mitfahrer teurer wird, dass sie nicht mehr Busse und U-Bahnen mitnutzen können. Korrekturforderungen des Bahnkunden-Verbands hat der Konzern bislang nicht erhört.

Burkhard Fraune, dpa



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collapsar 07.06.2019
1. Witzbolde
>>> Um es weiter anzubieten, hätte man es noch teurer machen müssen, heißt es bei der Bahn. Nein, hätte man nicht. Man hätte den Preis belassen, es sogar billiger anbieten können. Einzig eine Frage des Willen. Wenn der fehlt, sollte man wenigstens dazu stehen, statt grenzdebile Begründungen wie 'einfachere Tarufstruktur' vorzuschieben, über die jeder Bahnkunde nur lachen kann, der einmal zu verstehen versucht hat, nach welchen Kriterien Tickets zu Spar- und Supersparpreisen ausgegeben werden. MfG, Carsten
t_mcmillan 07.06.2019
2. Wie?
Auch am Samstag/Sonntag erst ab neun? Und kein lokaler Nahverkehr mehr? Dann HAT man es teurer gemacht. Der gleiche Preis ist Augenwischerei, wie so oft bei der Bahn. K.-P., du wirst altersmilde, scheint mir. Früher hättest du so etwas verrrissen.
badsachsa37441 07.06.2019
3. 23 Euro?
Die Ländertickets kosten bereits 24 Euro ;) Sollte man vllt. mal aktualisieren
vir-cotto 07.06.2019
4. ...
Natürlich sind QdL Tickets am Samstag/Sonntag und Feiertagen auch vor 9:00 gültig, wie bisher auch. Mit dem Schönen-Wochenend-Ticket konnte man bisher auch kaum bis gar nicht Busse oder andere Öffis nutzen. Das kann man mit entsprechenden Ländertickets auch nicht flächendeckend. Nicht alle Verkehrsverbände haben eine Vereinbarung mit der Deutschen Bahn...
metastabil 07.06.2019
5.
Zitat von t_mcmillanAuch am Samstag/Sonntag erst ab neun? Und kein lokaler Nahverkehr mehr? Dann HAT man es teurer gemacht. Der gleiche Preis ist Augenwischerei, wie so oft bei der Bahn. K.-P., du wirst altersmilde, scheint mir. Früher hättest du so etwas verrrissen.
Nicht ganz, es wurde nur wieder schlecht recherchiert. Das Quer-durchs-Land-Ticket ist Samstags und Sonntags von 0 bis 3 Uhr des Folgetags gültig. Nur an Werktagen ist es erst ab 9 Uhr gültig. Zusätzlich ist es auch an bundeseinheitlichen Feiertagen sowie am 24.12. und 31.12. schon am 0 Uhr gültig. Das Entfallen der Gültigkeit in Bus, Straßenbahn und U-Bahn ist allerdings korrekt. Diese war aber mit Grund für die Einstellung des Tickets: für diese Gültigkeit musste die Bahn Zahlungen an die beteiligten Verkehrsverbünde abführen. Andererseits ist heutzutage für die meisten Fahrten im Nahverkehr ein günstigeres Länderticket ausreichend, so dass die Verkaufszahlen des Wochenendtickets tatsächlich weit geringer als früher sind.
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