Abzocke in Venedig 1000 Euro für eine Fahrt mit dem Wassertaxi

Horror-Preise für eine Fahrt zum Flughafen: Die venezianische Polizei hat eine Gruppe von Wassertaxi-Fahrern gestellt, die unbedarften Touristen völlig überzogene Geldbeträge abknöpfte – und dabei mit besonders fiesen Tricks arbeitete.


Venedig – Eine kriminelle Vereinigung, die Touristen auf Bootstaxis in Venedig zu völlig überhöhten Preisen transportierte, ist von der italienischen Polizei gefasst worden. Über Jahre hinweg hatten deren Mitglieder für Fahrten auf dem Canal Grande Preise berechnet, die bis zu zehnmal teurer als der Normaltarif waren, wie die italienische Zeitung "Corriere della Sera" berichtet.

Eine Gondel manövriert zwischen Wassertaxis auf dem Canal Grande: "Venedig ist eine unregierbare Stadt geworden"
DPA

Eine Gondel manövriert zwischen Wassertaxis auf dem Canal Grande: "Venedig ist eine unregierbare Stadt geworden"

"Eine Amerikanerin, die zusammen mit ihrer Tochter Ferien machte, hat in der Lagunenstadt 1000 Euro für eine Fahrt mit dem Motorboot ausgegeben", sagte der zuständige Provinzleiter der Carabinieri. Normalerweise kostet die halbstündige Fahrt vom Flughafen zum Markusplatz in der Innenstadt mit einem Privatboot maximal 100 Euro.

Die italienische Justiz ermittelt gegen 20 Verdächtige, die illegale Fahrten anboten und andere Taxifahrer mit gültiger Lizenz eingeschüchtert haben sollen. Dabei sollen die Angeklagten einigen Aufwand betrieben haben, um an die Touristen heranzukommen: Angeblich leiteten sie den Busverkehr um, entfernten Hinweisschilder und Preistafeln mit korrekten Angaben und drängten sich mit ihren Motorbooten zwischen die regulären Taxis.

Der Bürgermeister der Stadt, Massimo Cacciari, zeigte sich besorgt um das Ansehen von Venedig und versprach laut der Zeitung, die Kontrollen zu erhöhen. Doch unter den Einwohnern herrschen Zweifel – so sagte der bekannte Archäologe Giancarlo Ligabue: "Die Republik Venedig hat jahrhundertelang den Respekt vor Gesetzen gelehrt, welche Wasser- und Landwege regulieren. Aber inzwischen ist Venedig leider eine unregierbare Stadt geworden."

sto/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.