ADAC-Vergleich Studie bemängelt hohe Stornogebühren der Fluglinien

Satte Gewinne bei Flugstornierungen: Viele Airlines behalten einen Großteil des Ticketpreises, wenn der Passagier vom Kauf zurücktritt. In einem Vergleichstest des ADAC schnitt der Billigflieger Ryanair besonders schlecht ab.


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Stornokosten: Fluglinien im Vergleich
Hamburg - Der reine Flugpreis muss immer gezahlt werden, auch ein Teil der Nebenkosten: Wenn ein Kunde sein Flugticket storniert, ist das für manche Fluglinien ein lukratives Geschäft. Im Schnitt werden nur 56 Prozent der Nebenkosten erstattet - obwohl die nur anfallen, wenn tatsächlich geflogen wird. Das ergab eine Erhebung des ADAC, bei der 15 Fluglinien getestet wurden.

Am besten schnitten dabei die skandinavische SAS und Spanair ab, die immerhin je 89 Prozent der rund 90 Euro teuren Nebenkosten zurückzahlten. Mehr als 80 Prozent bekam der Kunde bei Turkish Airlines, TUIfly und Condor erstattet. Nicht einen Cent rückte dagegen Ryanair für den nicht angetretenen Flug heraus. Damit verdient die Gesellschaft bei einem Storno mehr, als wenn der Kunde fliegt. Da bei der für den Test gebuchten Reise von Frankfurt-Hahn nach London der Flug selbst nur drei Euro kostete, die eingesparten Nebenkosten aber 76 Euro betrugen, wurde in dem Fall aus dem Draufzahlgeschäft ein satter Gewinn. Der nicht angetretene Flug kann darüber hinaus noch einmal verkauft werden.

Der ADAC bemängelte zudem den Kundenservice der Fluggesellschaften. Während die Buchungsmaske im Internet meist leicht zu bedienen ist, muss der Kunde oft lange suchen, um den Kontakt für eine Stornierung zu finden. Auf der Homepage von easyJet etwa musste der Tester lange suchen, bis er die entsprechende 0900-Telefonnummer fand. Er kam nicht durch, in der Warteschleife wurde ihm empfohlen, eine Mail zu schreiben. Erst nach der zweiten Mail erhielt er zwölf Euro vom Gesamtpreis von 77 Euro zurück - zieht man davon die Handykosten von 8,43 Euro ab, bleiben nur noch 3,57 Euro übrig.

Das Callcenter von Germanwings (99 Cent pro Minute) informierte den Anrufer darüber, dass er im Internet ein neunseitiges Formular finde, das er per Einschreiben an die Fluggesellschaft schicken solle. Das Ergebnis waren 33 Euro Erstattung bei einem Gesamtpreis von 144 Euro.

Der Vergleichtest kritisierte außerdem, dass der Kunde oft nicht ersehen kann, wie sich der Erstattungsbetrag zusammensetzt - das werde bei den wenigsten Gesellschaften verständlich aufgelistet.

Für die Untersuchung buchten die Tester stichprobenhaft vier Wochen vor Antritt den Hin- und Rückflug in eine europäische Großstadt zum günstigsten Tarif, zwei Wochen später sagten sie ab. Ausgangspunkt der meisten Reisen war München, außer bei KLM (ab Berlin) und Ryanair (ab Frankfurt-Hahn).

Stornokosten verschiedener Fluglinien

Fluggesellschaft/Zielort Flugpreis Neben-kosten Gesamt Erstattung Erstattung prozentual
SAS/Kopenhagen 100 91 191 81 89
Spanair/Madrid 67 89 156 79 89
Turkish Airlines/Istanbul 124 102 226 87 85
TUIfly/Alicante 64 130 194 109 84
Condor/Istanbul 137 89 226 73 82
Iberia/Madrid 17 95 112 70 74
KLM/Amsterdam 26 65 91 37 57
Lufthansa/London 12 93 105 48 52
Air France/Paris 59 92 151 47 51
Germanwings/Berlin 76 68 144 33 49
British Airways/London 28 111 139 42 38
Alitalia/Rom 70 106 176 37 35
Air Berlin/Berlin 73 61 134 21 34
easyJet/London 13 64 77 12 19
Ryanair/London 3 76 79 0 0

Alle Angaben in Euro, der Wert in der rechten Spalte bezieht sich auf den Anteil an den Nebenkosten. Quelle: ADAC

sto



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schokotanja 28.01.2010
1. Besser Flug verfallen lassen und Gebühren zurückverlangen
Flüge zu stornieren, lohnt sich in den seltensten Fällen. Es ist besser, den Flug verfallen zu lassen. Dann kann man die Steuern und Gebühren zurückverlangen, worauf man einen Rechtsanspruch hat (Ansprch verfällt erst nach 3 Jahren). Allerdings verlangen die Fluggesellschaften dafür teilweise Bearbeitungsgebühren. In der Regel lohnt es sich aber trotzdem.
Ernst49 28.01.2010
2. Verbraucherschutz?
Das ist leider nichts Neues. Jeder, der gelegentlich fliegt, kennt das Problem. Auf den Internetseiten wird häufig überhaupt nicht über die Stornoregelungen informiert oder die Informationen sind nur sehr schwer zu finden. Und was macht die Bundesregierung? Und die EU?
anders_denker 28.01.2010
3. Untätigkeit der Politik
Zitat von Ernst49Das ist leider nichts Neues. Jeder, der gelegentlich fliegt, kennt das Problem. Auf den Internetseiten wird häufig überhaupt nicht über die Stornoregelungen informiert oder die Informationen sind nur sehr schwer zu finden. Und was macht die Bundesregierung? Und die EU?
Nichts! Es wäre so einfach, von allen entstehenden Kosten bis 4 Wochen vor antritt 100%, 3 Wochen 90%, 2 Wochen 75, 1 Woche 60, kurzfristig 50% festzulegen. Aber Lusthansa und Ryanair sind sich sicherlich im bereich des Lobbyismus ausnahmsweise mal einig!
dfgtr 28.01.2010
4. Da stimmt doch was nicht ..
Aus Verbrauchersicht kommt es nicht auf die prozentuale Rueckerstattung an, sondern auf den totalen Verlust. Der betraegt beim "Schlechtesten", Ryanair, 79Euro, beim "Besten", SAS, aber 110Euro. Die Differenz darf der ADAC mir gerne aufs Konto ueberweisen. Turkish Airlines von Platz 3 und Condor/Istanbul von Platz 5 sind die absoluten Verlierer; Ryanair liegt gar nicht so schlecht. Die relevante Verlustspalte fehlt in der Tabelle. Warum?
SalvadorDali, 28.01.2010
5. Nicht nur bei Stornierung seitens des Passagiers ...
... sondern auch bei Streichungen von Fluegen wegen schlechten Wetters oder wegen Streiks des Flughafenpersonals bietet z.B. Easyjet nur die Wahl zwischen einer kostenpflichtigen Hotline mit Warteschleife, einer Option via Internet, die nicht funktioniert, und einer Umbuchung, bei der man natuerlich die Differenz zum Preis des neuen Tickets zahlen muss. Und da das neue Ticket in diesem Fall zwangslaeufig kurzfristig gebucht wird, und das die meisten tun, die ein Ticket fuer den gestrichenen Flug hatten, ist es natuerlich deutlich teurer. Easyjet verdient also sogar dann, wenn der Flug gar nicht startet.
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