Ägypten Experten befürchten "Disneyland" zwischen den Pyramiden

Der Weltkongress der Ägyptologen hat einen besseren Schutz der Altertümer vor dem wachsenden Tourismus gefordert. So sollen Pyramiden geschlossen und die Zahl der Besucher begrenzt werden.


Kairo - Innerhalb der Pharaonen-Gräber im "Tal der Könige" von Luxor dürften beispielsweise keine Erklärungen von Reiseführern mehr zugelassen werden, sagte der Direktor der ägyptischen Altertümerverwaltung, Zahi Hawass. Die Sorge um die Denkmäler müsse immer an erster Stelle stehen.

Der US-Amerikaner Michael Jones warnte vor einem drohenden "Disneyland". Der Deutsche Wolfgang Mayer regte einen "Tag des offenen Denkmals" in Ägypten an. Damit solle den in der Umgebung von archäologischen Stätten wohnenden Ägyptern die Bedeutung des Kulturerbes und dessen Schutz vor Augen geführt werden.

Kent Weeks von der Amerikanischen Universität in Kairo verlangte ein Langzeitprogramm in den ägyptischen Medien über die Bewahrung des Kulturerbes. Die Altertümerverwaltung forderte er auf, dem Druck von Investoren zu widerstehen, die mehr Hotels, Golfplätze, Tourismuseinrichtungen und Städte bauen wollten.

"5000 archäologische Plätze in Ägypten müssen geschützt werden", sagte Weeks. Notwendig sei deshalb ein Generalplan der Altertümerverwaltung. "Wenn wir jetzt zusammenarbeiten, dann werden wir die Monumente für weitere fünf Jahrtausende retten. Wenn wir nichts tun, heißt das, sie der Zerstörung preiszugeben."

Hawass hatte in seinem Vortrag deutlich gemacht, dass die drei großen Pyramiden von Giseh weiterhin abwechselnd jeweils für ein Jahr geschlossen blieben. Die Zahl der Besucher, die ins Innere der Pyramide dürften, werde auf 300 pro Tag begrenzt.

Für die zahlreichen ägyptischen Besucher - an religiösen Festtagen strömen bis zu 200.000 Menschen zum Pyramiden-Plateau - werde ein separater Platz für Picknick und Autos eingeweiht. "Die Pyramiden werden dann nur noch im Hintergrund sein", sagte Hawass.



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