Ärger mit Airlines Fluggäste kriegen kaum Hilfe bei der Schlichtungsstelle

Tausende Anträge fielen unter den Tisch: Die Schlichtungsstelle für den Personenverkehr hat Ärger mit deutschen Fluggesellschaften, die bislang eine Zusammenarbeit verweigern. Passagiere können bei Verspätungen und Annullierungen bislang mit wenig Hilfe rechnen.

Passagiere am Flughafen: Die Schlichtungsstelle hofft auf mehr Kooperation der Airlines
TMN

Passagiere am Flughafen: Die Schlichtungsstelle hofft auf mehr Kooperation der Airlines


Berlin - Die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) ist bislang nur für Streitfälle mit der Bahn eine Erfolgsgeschichte. Flugreisende können von der Organisation in Berlin selten Hilfe erwarten, weil die meisten Fluggesellschaften bei dem Verfahren noch nicht mitmachen.

Die SÖP zieht zwei Jahre nach ihrer Gründung am 1. Dezember 2009 Bilanz. Demnach seien seitdem lediglich 156 Fälle, die zehn ausländische Airlines betrafen, förmlich abgeschlossen worden, teilte die Schlichtungsstelle am Mittwoch mit. Etwa 2200 Schlichtungsanträge von Fluggästen konnten nicht bearbeitet werden.

Rund 6800 Reisende haben in den vergangenen zwei Jahren die Schlichtung beantragt, weil ihre Beschwerde beim jeweiligen Unternehmen nicht zum gewünschten Ergebnis geführt hatte. Etwa 4400 Fälle betrafen den Bahnverkehr, bei 2300 ging es um Flugreisen und bei 100 um den Bus- und Schiffsverkehr. Bei den Bahnreisenden hätten sich die meisten (45 Prozent) über Verspätungen und Zugausfälle beschwert. Bei den Fluggästen machten nach der SÖP-Statistik Verspätungen und Annullierungen sogar 86 Prozent der Fälle aus.

Die deutschen Luftfahrtunternehmen hätten sich inzwischen "zwar grundsätzlich zur Teilnahme an einer neutralen Schlichtung entschlossen, jedoch steht die konkrete Umsetzung noch aus", berichtete SÖP-Geschäftsführer Heinz Klewe. Er zeigte sich zuversichtlich, "gemeinsam mit den Flugunternehmen schon bald eine gute Lösung hinzubekommen". Denn die SÖP ermögliche kompetent, effizient und mit niedrigen Kosten einen fairen Interessenausgleich zwischen Reisenden und Verkehrsunternehmen.

Die SÖP wird von rund 120 Verkehrsunternehmen und -verbänden finanziert, darunter die Deutsche Bahn und mehrere ihrer Konkurrenten. Die Schlichtungsstelle gibt bei Streitigkeiten eine Empfehlung für eine einvernehmliche und außergerichtliche Lösung. Grundlage für die Schlichtungsstelle sind die im Sommer 2010 in Kraft getretenen Fahrgastrechte im Bahnverkehr.

sto/dpa



insgesamt 4 Beiträge
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gromit777 01.12.2011
1. Erfolgsmodell
156 Anträge abgeschlossen, 2200 konnten nicht bearbeitet werden. D.h. ca 95% der Anträge wurde nicht bearbeitet. Das hört sich ja nach einem wahren Erfolgsmodell an!
tomtomtofu 01.12.2011
2. einfach grandios!
Zitat von gromit777156 Anträge abgeschlossen, 2200 konnten nicht bearbeitet werden. D.h. ca 95% der Anträge wurde nicht bearbeitet. Das hört sich ja nach einem wahren Erfolgsmodell an!
...und das ganze in zwei jahren, was bedeutet alle vier tage ein fällchen gelöst! gibt es da noch freie jobs, bin auch mit einem mittleren gehalt von 5000 bis 6000 € pro monat zufrieden, wenn ich zu hause arbeiten darf gehe ich auch noch mal 5% runter. und wird man vielleicht auch noch verbeamtet??? dann wäre es ja echt DER traumjob.
Mertrager 01.12.2011
3. Erfolgsmodell reloaded
Wer einmal beobachten konnte, was pasiert, wenn Jemand den Ombudsmann der Privatbanken anschreibt, wird hier nicht wirklich überrascht sein. Interessant wäre, in wieviel Fällen Kundeninteressen erfolgreich bei dem betr. Unternehmen durchgesetzt werden konnten. Wenn ich einmal eine Größenordnung von circa 10% unterstelle, käme insgesamt ein Erfolgserlebnis von um die 1% raus. Also ist das Ganze vermutlich ein teures Feigenblatt. OK, die Quote ist besser als beim Lotto. Man muß selbst entscheiden, ob man im Fall der Fälle in so etwas seine Zeit investiert.
reisend@r 07.12.2011
4. söp: 90% einvernehmliche Lösungen bei Bahn-Schlichtungsfällen
Zitat von gromit777156 Anträge abgeschlossen, 2200 konnten nicht bearbeitet werden. D.h. ca 95% der Anträge wurde nicht bearbeitet. Das hört sich ja nach einem wahren Erfolgsmodell an!
Die Pressemeldung ist von Euch offenbar verkürzt wahrgenommen worden. Die wenigen Flugschlichtungen sind auf der Grundlage zu verstehen, dass die Airlines sich an der Schichtung noch nicht beteiligen. Ganz anders sieht es für Bahnreisende aus: 4.400 Schlichtungsanträge gab es da, von denen in 90 % der Fälle eine einvernehmliche Lösung erzielt wurde.
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